Sonntag, 27. Januar 2013

Die Zwölf - Justin Cronin


Die Zwölf (Justin Cronin)

In „Der Übergang“ schilderte Justin Cronin die Vernichtung der Menschen auf den amerikanischen Kontinent. Doch kein Krieg, oder eine Umweltkatastrophe führt zu dieser Apokalypse – es war ein missglücktes medizinisches Experiment. Die Probanden, an denen das Virus getestet wird, sind Schwerverbrecher, Mörder, Kinderschänder, Serienkiller – der Bodensatz der Zivilisation. Das injizierte Virus soll die Menschen unsterblich machen und von Krankheiten heilen, diese immunisieren, doch es bringt den 12 Probanden und der Menschheit nur Tod und Verderben.

Die Zwölf – werden zu blutgierigen Virals, menschenähnliche Kreaturen mit einer vernichtenden physischen Kraft und dem Verlangen nach Blut. Der Ausbruch aus dem schwer bewachten und militärisch abgeriegelten Komplex gelingt den Kreaturen ohne Mühe und sie hinterlassen eine Blutspur und infizieren nach einem Biss andere Menschen, die sich innerhalb von wenigen Stunden zu ihresgleichen entwickeln. Eine Metamorphose des Grauens und das Ende der Zivilisation.

Doch es gibt auch Überlebende, die sich nach und nach zu festen Bündnissen und etwas später zu ganzen kleineren Städten organisieren.

Der Schlüssel zur Rettung scheint jedenfalls ein kleines Mädchen zu sein – Amy Belafonte – sie ist ebenfalls infiziert, doch hat sie sich nicht in einen Viral verwandelt. Sie ist scheinbar alterslos, sie wird nicht krank und verändert sich äußerlich so gut wie gar nicht.

In dem zweiten Band der Trilogie – „Die Zwölf“ beschreibt der amerikanische Professor für englische Literatur, den Überlebenskampf der Menschheit. Er erzählt von den Anfängen der Apokalypse und vom Überlebenswillen einzelner Menschen, die sich der Bedrohung entgegenstellen. Doch da die Menschheit erfinderisch ist, und immer nach Macht und Einfluss sucht, immer nach egoistischen Auswegen, gibt es auch Menschen die mit den Virals leben und sich deren Menschen bedienen, die das Virus in sich tragen, sich aber nicht verwandeln.

Damit kommen wir zum Kernpunkt des Romans in denen nicht die „Virals“ als Bedrohung Pate stehen, sondern vielmehr das Zusammenleben und Überleben der letzten Menschen auf dem amerikanischen Kontinent. Hier kommt es zu dramatischen Szenen die uns Menschen als die wahren Monster identifizieren und uns vor Augen führen welche diktatorischen Elemente sich praktisch vor unserer Nase entwickeln können.

Justin Cronin schildert die Ereignisse in einigen zeitlich unabhängigen Passagen und konzentriert sich dabei immer wieder auf die Menschen, die sich entweder auf der Flucht vor dem Virus befinden oder die Viral bekämpfen. Bei allen Tragödien, die sich abspielen, findet der Autor dennoch immer einen Weg uns zu zeigen, dass Mitleid und Menschlichkeit, Opferbereitschaft und Heldenmut von Menschen getragen, die die Hoffnung nicht aufgeben, selbst dann nicht wenn die Zukunft der Menschheit auf Messers Schneide steht.

Selbst bei der Schilderung von einzelnen Kämpfen gegen die Virals, wird der Leser Mitleid empfinden mit diesen Kreaturen die scheinbar durch den Tod ihre Erlösung
suchen.
Die Suche nach „Die Zwölf“ und Amys Schicksal, die das Schicksal der Menschheit bestimmen kann, wird im Allgemeinen zu wenig erzählt. Selbst Amy kommt wenig zu Wort, erst gegen Ende des Romans hat Justin Cronin diese in seiner komplexen Handlung eingebaut.

Ebenso bleiben leider auch nach dem zweiten Band einige Fragen offen, z.B. hat das Virus auch auf anderen Kontinenten die Menschheit quasi vernichten können usw. !?
Auch wenn der Roman stärker, intensiver und viel spannender als der Übergang ist, so gibt es innerhalb der Handlung doch einige widersprüchliche und inhaltlich offene Fragen. 

Am Ende des Romans wird sich der Leser fragen: Wie geht’s denn nun letztlich weiter, denn eigentlich und logisch betrachtet – ist das Ende wirklich gekommen? Welchen Weg will Justin Cronin in seinen dritten Band gehen wollen? Was für eine Geschichte gibt es noch zu erzählen?

Fazit

„Die Zwölf“ von Justin Cronin ist trotz der wenigen Schwächen ein Meilenstein der Spannungsliteratur.

Selten habe ich ein so dicht gewebtes Band von Handlungssträngen und Spannung gelesen. Eine nicht wegzudiskutierende Steigerung zu „Der Übergang“. Justin Cronin hat sich damit ein kleines Denkmal gesetzt.

Sehr positiv ist auch zu sehen, dass sich der Autor wenigen bis keinen Klischees der „Vampirliteratur“ bedient. Viel mehr weiß er mit erhobenen Zeigefinger darauf hin, dass wir selbst unser Schicksal in unseren Händen halten.

„Die Zwölf“ von Justin Cronin ist einer der wichtigsten Bücher in diesem Jahr 2013 und ich glaube, dass sich viele Schriftsteller an seinen Stil und seiner erzählerischen Gewalt ein Beispiel nehmen werden.


Michael Sterzik


Justin Cronin
Justin Cronin stammt aus New England und studierte in Harvard. Er besuchte den berühmten Iowa Writers' Workshop und lebt heute mit seiner Frau und seinen Kindern in Houston, Texas, wo er an der Rice University Englische Literatur unterrichtet. Er veröffentlichte zwei Romane, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde. Die Übersetzungsrechte an seiner Trilogie, die mit »Der Übergang« begann, wurden innerhalb kürzester Zeit in 23 Länder verkauft. (Verlagsinfo)



Die Zwölf
Band 2 der "Passage-Trilogie"
Roman
Originaltitel: The Twelve
Originalverlag: Ballantine
Aus dem Amerikanischen von Rainer Schmidt
DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 832 Seiten, 15,0 x 22,7 cm
ISBN: 978-3-442-31179-8
€ 22,99 [D] | € 23,70 [A] | CHF 32,90* (* empf. VK-Preis) 
Verlag: Goldmann
Erscheinungstermin: 14. Januar 2013 
Dieser Titel ist lieferbar.





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