Mittwoch, 11. Juli 2012

Die Zelle - Rechter Terror in Deutschland (Christian Fuchs und John Goetz)

Sie nannten sich «Nationalsozialistischer Untergrund» (NSU). Ihre Bilanz: neun ermordete Migranten und eine Polizistin. Mehr als ein Jahrzehnt narrten die untergetauchten Rechtsterroristen die Ermittlungsbehörden, die nie das Motiv hinter der Mordserie begriffen. Erst als sich das aus Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt bestehende Exekutionskommando im November 2011 in Eisenach dem Zugriff der Polizei durch Selbstmord entzog, kam das ganze Ausmaß des Versagens von Verfassungsschutz und beteiligten Landeskriminalämtern ans Licht. Christian Fuchs und John Goetz rekonstruieren in Die Zelle die Geschichte des Jenaer Neonazi-Trios: ihre Taten, ihre Motive, ihr Ende. «Dieser Fall wird … als das große Staatsversagen schlechthin in die Geschichtsbücher eingehen.» (Hans Leyendecker, Süddeutsche Zeitung)


Die Morde
 
9. September 2000. In Nürnberg steht der türkische Blumenhändler Enver Þimþek auf der Ladefläche seines Mercedes «Sprinter», als zwei Männer von hinten an ihn herantreten. «Ohne Vorwarnung zielen beide Männer gleichzeitig auf das Gesicht von Enver Simsek. Auch als er zu Boden geht, feuern sie weiter auf ihn. Sie schießen ihm in den Kopf, durchlöchern Schultern, Nacken, Brust. Acht Kugeln durchsieben Simsek förmlich.» Bevor sie auf ihren Fahrrädern flüchten, fotografieren sie das blutüberströmte Opfer noch. Die Handschrift der Mörder ist immer die gleiche. Kaltblütige Exekutionen, erbarmunglos effizient. Fast immer ist eine bestimmte Waffe im Spiel: eine Pistole Ceská 83, Kaliber 7,65 Millimeter.

13. Juni 2001, Nürnberg:
Abdurrahim Özüdogru. 27. Juni 2001, Hamburg: Süleyman Tasköprü. 29. August 2001, München: Habil Kilic. 25. Februar 2004, Rostock: Mehmet Turgut. 9. Juni 2004, Köln: Wie durch ein Wunder gibt es bei der Detonation einer Nagelbombe (5,5 kg Schwarzpulver, tausend Zinknägel) in der Keupstraße keine Toten; 24 Menschen werden teilweise schwer verletzt. 8. Juni 2005, Nürnberg: Ismail Yasar. 14. Juni 2005, München: Theodoros Boulgarides. 4. April 2006, Dortmund: Mehmet Kubasik. 6. April 2006, Kassel: Halit Yozgat. 25. April 2007, Heilbronn: Michèle Kiesewetter – der letzte Mord der NSU-Terroristen.

Rechter Terror in Deutschland

Dieses Buch erzählt die Geschichte der Zwickauer Terrorzelle, die sich «Nationalsozialistischer Untergrund» nannte. Es rückt ganz nah heran an die Biographien von Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe.

Die Autoren beschreiben, wie aus drei Mittelschichtskindern rechtsextreme Terroristen werden konnten, die über ein Jahrzehnt lang mordeten und im Untergrund lebten — ohne gefasst zu werden. In einer detailreichen Reportage schildern sie in beklemmenden Nahaufnahmen, wie die drei Extremisten ihre Taten verübten, wer ihnen half und wie sie ihren Alltag organisierten.

Parallel zur Geschichte der Zwickauer Terrorzelle beschreibt das Buch das gesellschaftliche Klima in Deutschland nach der Wende, in dem sich das Trio radikalisierte. Es zeigt auf, welche Umstände dazu führten, dass über ein halbes Jahrhundert nach Ende des Zweiten Weltkriegs wieder solch brutaler Terror von rechts gedeihen konnte.
«Ein intensives Buch, ein spannendes Buch, das ein völlig neues Licht auf die Zwickauer Terrorzelle wirft. Ich kann es als ein großes Stück schonungsloser Aufklärung nur empfehlen.» Hans Leyendecker (Verlagsinfo)
 
 

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