Sonntag, 30. Januar 2011

Die Zahlen der Toten – Linda Castillo


Man nennt sie die „Amische“ oder „Amish People“, eine Glaubensgemeinschaft die sich darauf beschränkt ihren Leben ganz Gott zu widmen. Die Amish People entsagen jeglichen Luxus und jeder Art von Technischen Fortschritt. Keine Elektrizität, keine Sanitären Anlagen die für uns zur Normalität gehören und die wir im Grunde nicht zu schätzen wissen. Ihre Religion bezieht sich auf eine disziplinierte Strenge die sie sich selbst auferlegt hat. Doch auch unter den konservativen Amish People gibt es liberale Gruppen die sich anpassen, sich aber selbst auch disziplinieren müssen um ihre Religion und damit sich selbst, treu zu bleiben.

In den USA und im kanadischen Ontario leben die Amishe in 26 Staaten, ihre familiären Rollen sind stringent jeglichen Kontakt zur Außenwelt wird strikt gemieden, sofern es sich vermeiden kann. Überwiegend stammen die Amish von Süd- Westdeutschen und Schweizerdeutschen ab, ihre Sprache ist das tradierte  Pennsylvannia Deutsch.  

Linda Castilo hat in ihrem Debütroman „Die Zahlen der Toten“ einen Thriller geschrieben, in der die kleine, pazifistische Glaubengemeinschaft der Amishe erschüttert wird.


Inhalt


In Painters Mill, einer kleinen ländlichen Kleinstadt in Ohio gab es vor 16 Jahren, eine brutale Serien von Morden. Auch die jetzige Polizeichefin Kate Burkholder, eine ehemalige Amishe wurde das Opfer des Killers, der sie vergewaltigte und fast tötete. Ihre Kindheit endete mit 14 Jahren und wenig später, als junge Erwachsene entschließ sie sich dafür nicht als vollwertiges Mitglied der Glaubensgemeinschaft beizutreten. Sie brach mit der Tradition, die wurde so zur einer „Gebannten“ und verließ ihre Familie um ihren eigenen Weg zu finden.

Doch als eine verstümmelte Frauenleiche auf dem Feld eines amishen Bauen gefunden wird, die offensichtlich gefoltert und vergewaltigt worden ist, fühlt sich Kate in die Vergangenheit katapultiert. Als noch auf der Leiche der jungen Frau römische Zahlen entdeckt werden, die jemand ihr bei vollen Bewusstsein, auf den Bauch geschnitten hat, werden die Alpträume zur erbarmungslosen Realität für die kleine Gemeinde.

Kate Geheimnis, die Wahrheit um den Serienmörder von vor 16 Jahren trägt sie zusammen mit ihren Bruder und ihrer Schwester die Amishe sind. Keine weitere Menschenseele weiß von den Vorgängen die damals geschehen sind und Kate ist sehr daran gelegen, dass dies auch genauso bleibt. Kann es trotzdem sein, dass der „Schlächter“ noch lebt und weiterhin mordet? Kate Burkholder ermittelt mit ihren Kollegen auf eigene Faust, die Ermittlungen werden dadurch ein wenig verschleppt, denn eigentlich hätte sie sich direkt um Unterstützung bittend an das FBI/BCI wenden sollen.

Kate Ängste und dadurch wird sie selbst in den Fall involviert, lassen die junge Beamtin Fehler machen. Als der Täter erneut zuschlägt und diesmal noch bestialischer seine Foltermethoden an der jungen Frau hinterlässt, eskaliert die Situation. Kate bekommt Unterstützung durch einen Detective des BCI – John Tomasetti, dessen Karriere sich dahingehend entwickelt, dass er aufgrund von Fehlverhalten mit diesem Fall aufs Abstellgleis geschoben werden soll. Kate misstraut ihren neuen Kollegen und schließt ihn aus den Ermittlungen aus, zu groß sind ihre Ängste und als die Tochter eines Promienten Politikers aus Painters Hill das nächste Opfer des „Schlächters“ wird, bleibt den Vorgesetzten nichts anderes mehr möglich, als Kate aus den Polizeidienst zu entlassen. Ist Kate nun gezwungen sich ihrer Vergangenheit zu stellen um weitere Morde verhindern zu können?


Kritik


Linda Castillos Debütroman „Die Zahlen der Toten“ ist ein überaus kompetenter Thriller der nicht nur die ansteigende Spannung zu überzeugen weiß.
Auch wenn ein Thriller eben nicht mehr oder weniger als ein Thriller ist, so ist die Handlung zwar nach bekannten Muster gestrickt, aber sie wirkt zu keinem Augenblick als billiges Plagiat, oder kurzweilige Geschichte die man irgendwo oder so ähnlich schon mal gelesen hat.

Die Autorin spart nicht an grausamen Details, bei dem sich das Grauen spürbar entwickelt. Alleine schon im Prolog wird der erste Mord aus der Klarheit des Opfers beschrieben und damit entwickelt sich der Spannungsaufbau wie verlangt. Doch Vorsicht, die Autorin beschreibt hier nur den ersten Auftritt des Täters. Bei weiteren Funden der späteren Leichen und der methodischen und übergenauen Beschreibung der Wunden und Folterungen geht es morbide zu. Besonders dann wenn sich der Pathologe mit Kate unterhält, die erwartungsgemäß mehr darüber erfahren möchte, ob die „Handschrift“, des Täters die gleiche Visitenkarte ist, wie es vor 16 Jahren war. Kates Panik und Ängste berichtet Linda Castillo großartig, denn mit steigender Intensität gehen hier auch die Hilflosigkeit und ja auch die Fehler den gleichen verhängnisvollen Weg. Die Panik der jungen Beamtin wird drastisch und empfindlich für den Leser fassbar. Nach und nach erfährt der Leser mehr über die Vergangenheit der jungen Frau, ihren frühern Leben als Amishe, deren glückliche und behütete Kindheit so abrupt mit einem Gewaltverbrechen endete. Sympathisch konzipiert ist die Figur der Kate Burkholder allemal, wenn auch nicht immer nachvollziehbar.

Als ihr durch John Tomasetti Unterstützung an die Seite gestellt wird, empfindet sie erstmal nichts anders wie den Verlust ihrer Autorität und ihrer Kompetenz als Polizistin. Zugleich wird ihr dennoch nicht klar, dass sie diesen Fall nicht als Einzelkämpfer bewältigen kann, nicht mit der Last von Schuld und Sühne die sie sich selbst auferlegt hat.

Auch Tomsetti dessen Charakter sich erst spät entwickelt ist relativ gut beschrieben. Wenn auch die Autorin hier nichts Überraschendes oder Abwechslungsreiches zu erzählen hat. Als „starker“ Mann wird er seine Rolle hier perfekt ausspielen können. Dass sich hier die obligatorische Lovestory anbahnt ist leider ein so logisches Klischee, dass man das gerne in Kauf nimmt.

Die vielen anderen Protagonisten sind nichts anderes als Nebenfiguren, deren Auftritt, kurz und prägnant gehalten sind. Dreh- und Angelpunkt ist und bleibt die Perspektive von Kate Burkholder.

Die Autorin Linda Castillo entwickelt in „Die Zahlen der Toten“ eine Spannung die nur zu loben ist, auch wenn sich diese meistens durch die Grausamkeit des „Schlächters“ zeigt. Kate ist immer wieder einen Schritt zu spät und der Täter genießt offenbar den Tanz auf Messers Schneide.

In den Roman werden die Amishe immer wieder thematisiert und werden hier als Gegenpol zum Schlächter thematisiert. Ihr Pazifismus, ihr streben nach Einfachheit und ihre selbst ernannte Ausgrenzung sind nicht fiktional. Linda Castillo hat sehr gut recherchiert, jedenfalls so gut, dass der Leser mehr über diese für sie merkwürdige Gemeinschaft wissen möchte, deren Angehörige zeitlich noch nicht das Zeitalter der Industrialisierung erreicht haben. Spannend und auch aufschlussreich sind durchaus die Beschreibungen durch die Autorin.


Fazit



„Die Zahlen der Toten“ ist eine echte Überraschung. Ein sehr respektabler Thriller der überzeugt. Nicht nur durch die Figur der sehr realistischen, manchmal überheblichen Kate Burkholder, sondern wird der Leser auch sehr schnell durch die Spannung eingenommen.

In jedem Fall ist „Die Zahlen der Toten“ nichts für schwache Nerven. Die Schilderung der Foltermethoden, sowie die Ängste der Opfer und die in Panik aufgewühlte Kate, werden den Lesern nicht aufatmen lassen können.

Auch wenn das Debüt mich im Grunde schon vollstes überzeugt hat, dass Potential von Linda Castillo ist noch nicht erschöpft. In ihrem nächsten Roman – Blutige Stille, der im Juni 2011 erscheinen wird, haben wir weiterhin die Gelegenheit Kate Burkholder beim Ermitteln über die Schulter zu schauen.

„Die Zahlen der Toten“ von Linda Castillo ist ein beinharter Thriller, der beweist das Frauen durchaus gute Thriller schreiben können, und deren grausame Phantasie scheinbar keine Grenzen gesetzt sind.

Lesen Sie diesen Thriller in der Nacht, bei Kerzenschein, sie werden sich wundern wie laut die stille der Nacht sein kann.

Für mich eine ganz klare Leseempfehlung und ich freue mich schon auf den zweiten Teil.


Autorin


Linda Castillo, geboren 1960 in Dayton, Ohio, hat als Finanzmanagerin gearbeitet, bevor sie mit dem Schreiben begann. Sie hat bereits über zwanzig Liebesromane veröffentlicht, die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurden. »Die Zahlen der Toten« ist ihr erster Thriller, und der erste Roman, der ins Deutsche übersetzt wurde. Sie lebt mit ihrem Ehemann, vier Hunden und einem Pferd auf einer Ranch in Texas. (Verlagsinfo)

Broschiert: 430 Seiten
ISBN-13: 978-3596184408
Originaltitel: Sworn to Silence
Unter dieser Adresse  bietet der Verlag eine Leseprobe an


 Michael Sterzik

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