Samstag, 22. Januar 2011

Die Landkarte der Zeit - Felix J. Palma


Felix J. Palma – Die Landkarte der Zeit

„Die Zeitmaschine“ – H.G. Wells ist ein Klassiker der Literatur und wir erinnern uns noch gerne an die Verfilmung und Figuren der Elois und Morlocks, in der die Hauptrolle damals Rod Taylor spielte.

Träumen wir nicht immer davon, die Zeit zurückzudrehen? Wünschen wir uns nicht oft Fehler die wir gemacht haben, wieder zu relativieren oder gar nicht erst gemacht zu haben? Wären wir nicht gerne mal Zeitzeugen bei dem Bau der Pyramiden, oder der Geburt oder Kreuzigung Christi, oder an den einen oder anderen historischen Moment der wichtig war und die Menschheit entscheidend geprägt hat.

Physik, gerade die Quantenphysik erklärt uns inzwischen eine ganz andere Perspektive einer mehrdimensionalen Raum/Zeit-Umgebung, die wie wir aber noch lange nicht erforscht, oder gar begriffen haben! Vielleicht sind wir einfach noch nicht so weit entwickelt.
Doch wenn es möglich wäre in die Vergangenheit oder die Zukunft zu reisen, welche Auswirkungen hätten dann diese Reisen auf unsere Zivilisation und für uns unmittelbar. Würden wir uns ggf. selbst, wegen einen dummen Zufall exekutieren, wie würden sich dies zeitlichen Wellen auf unsere Gegenwart auswirken. Wahrscheinlich wäre wir wie ein keiner Stein den ein Junge ins Wasser wirft, die Wellen wären um ein vielfaches größer, und mit so viel unbekannten kombiniert, die wir gar nicht erst berechnen können.

Der in Madrid lebende Autor Felix J. Palma erzählt in seinem Roman „Die Landkarte der Zeit“ eine Geschichte in dem die Bedeutung der Zeit die wesentliche Rolle spielt und den Leser auf eine Reise durch Vergangenheit und Zukunft schickt.

Inhalt

London 1896 – Das Zeitalter der Industrialisierung, aber auch der Armut und der sozialen Ungerechtigkeiten. Eine Zeit in der ein Menschenleben in den Armenvierteln rund um Whitechapel keine drei Pennys wert war. Andrew Harrington, der Sohne eines großen Unternehmers sind keinen Sinn mehr in seinem Leben. Im Wohnzimmer seines Vaters stehend begutachtet er die Waffensammlung seines Vaters. Noch immer macht er sich Vorwürfe, weil er seine Liebe zu der Prostituierten Marie sich nicht selbst eingestehen wollte, und nun gibt es auch keine Möglichkeit mehr, ihr seine Liebe zu gestehen. Marie wurde auf bestialische Art und Weise von Jack the Ripper umgebracht. Von Schuldgefühlen geplagt,  auch acht Jahre nach ihrem Tode, findet der junge Mann keine Ruhe und so nimmt die Überlegung Selbstmord zu wählen, immer mehr Bestand an.

Allerdings hält in sein Cousin in letzter Minute von seinem Vorhaben ab. Denn laut seinen Worten gibt es eine Möglichkeit Marie zu retten. H.G. Wells hat eine Zeitmaschine gebaut und Andrew möchte um jeden Preis zurück um Marie vor dem Killer retten zu können.

Unterdessen findet Claire Haggerty, eine junge Frau die vom Leben gelangweilt ist und sich nach der Liebe ihres Lebens sehnt. Neugierig wie die junge Frau ist, lässt sich darauf ein eine Zeitreise ins Jahr 2000 zu unternehmen. Abenteuerlustig wie sie ist, möchte sie sich nicht in eine starre Zukunftspläne gewöhnen, die ihre Eltern traditionsbewusst für sie von lange Hand geplant haben. Die Agentur für Zeiteisen Murray organisiert mit großen Elan und noch größeren Versprechen diese Reisen in eine Zukunft in der die Menschen kurz vor einer Vernichtung stehen. Durch Zufall lernt sie im Jahre 2000 den Mann kennen, der die Welt retten soll, und verliebt sich unsterblich in ihn. Und auch dieser Held, tritt für sie eine Reise an, die ihn in Claires Zeit, des viktorianischen London führt.

Ganz andere Probleme bekommt der Scotland-Yard-Inspekter Colin Garett. In wenigen Tagen wurde in London drei Leichen gefunden. Die Wunden weisen darauf hin, dass keine bekannte Waffe dies verursacht haben kann. Also bleibt nur die Möglichkeit über, dass jemand aus der Zukunft diese drei Menschen ermordet hat. Garett ist bereit den oder die Verantwortlichen in der Zukunft zu suchen....

Kritik

„Die Landkarte der Zeit“ von Palmar beruht auf die Theorien, dass es Parallelwelten geben muss und diese auch besucht und verändert werden können. Erinnern wir uns an die vielen verschiedene Filme und Bücher so ist das Verständnis für die Zukunft immer auch ein wenig verwirrend.

Auch in diesem Roman ist es so, schlimmer noch – beim Lesen wird die freudige Erwartungshaltung die man vielleicht beim Lesen des Klappentextes hatte, schnell brutal gebremst. Trotz aller Fantasie kann der Leser der Erzählung nicht folgen. Worauf der Autor mit der Story eigentlich hinaus will, was er uns mitteilen möchte, bleibt im dunklen. Da hilft es auch nicht das Spannung zwar aufgebaut wird, aber auf den nächsten Seiten sofort terminiert wird.

Die Idee der Zeitreise in die Vergangenheit oder in die Zukunft bleibt so schräg, dass trotz aller philosophischen Gedankengänge, dann doch nur noch Schall und Rauch übrigbleiben. Palma bedient sich natürlich den H.G. Wells und lässt die Zeitmaschine aufleben und im zweiten Teil begegnet uns dann evtl. der „Krieg der Welten“?!

Das beide Werke den Leser oder den Cineasten mehr faszinieren werden, ist leider traurig aber auch Fakt.

Alle drei Handlungsstränge und die abschließende Erklärung sind derartig an den Haaren herbeigezogen, dass man hier nicht von feinster Erzählkunst reden kann, sondern eher von Überheblichkeit und falscher Selbsteinschätzung. Eine Vielzahl an Metaphern gibt sich hier so unstrukturiert die Hand, dass der Leser auch die Spannung nicht mehr wahrnimmt, sondern sich über die logischen Fehler und Ideen schwarz Ärgern wird.

Dichtung und Wahrheit können ja Geschwister sein, hier aber leben sie Lichtjahre voneinander entfernt. Einzig und allein die Konzeption der Charaktere ist lobend zu erwähnen. Ihre Motivation und ihr streben nach Glück, Liebe, Respekt und Sinn ist zu loben. Der Leser erfährt viel über die vielen ungesagten Worte die sich in den jeweiligen Charakteren entfalten. Der Leser wird sich mit den einen oder anderen Protagonisten identifizieren können, wenn aber auch weiterhin die Ideen des Autors ins negative abdriften.

Fazit

Auch wenn der Autor den Sinn fürs Detail offensichtlich begriffen hat, so ist er weit über das Ziel hinausgeschossen, einen unterhaltsamen und abwechslungsreichen Roman zu schreiben. Der Stil des Autors kann man begründet ausschmückend schildern, doch verirrt sich der Autor in den Irrungen und Wirrungen seiner eigenen Gedankenwelt, so das er so guter letzt einen Ausweg gar nicht findet.

„Die Landkarte der Zeit“ kann ich überhaupt nicht empfehlen. Weder besonders packend erzählt, noch eine anhaltende Spannung die mich fesseln konnte. Stattdessen einen tumbe Enttäuschung die mich abschrecken könnte, jemals wieder ein Buch des Autors in die Hand zu nehmen.

Lesen Sie lieber H.G. Wells Werk – Die Zeitmaschine, denn dieses Werk ist zeitlos gut.

Autor

Felix J. Palma wurde 1968 in Sanlucar de Barrameda geboren und lebt heute in Madrid. Er absolvierte eine Ausbildung als Werbefachmann in Sevilla, bekam jedoch für seine ersten Erzählungen und Romane bereits so viele Stipendien und Preise, dass er den erlernten Beruf nie ausübte.

„Die Landkarte der Zeit“ war ein Bestseller in Spanien und wird in über zwanzig Sprachen übersetzt. Palma erhielt dafür den Premio Ateneo de Sevilla. (Verlagsinfo)

Michael Sterzik

 Félix J. Palma
Die Landkarte der Zeit
Roman
ISBN 978-3-463-40577-3
Aus dem Spanischen von Willi Zurbrüggen
Gebunden, 720 Seiten
€ 24,95 (D)|€ 25,70 (AT)|sFr. 37,90 (UVP)

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