Montag, 22. November 2010

Das Flüstern der Nacht - Peter V. Brett

Das Flüstern der Nacht (Peter V. Brett)

Letztes Jahr erschien im Heyne Verlag der Debütroman von Peter V. Brett – „Das Lied der Dunkelheit“ und der Autor feierte damit einen fulminanten Erfolg weltweit.
Im Genre Fantasy angesiedelt überzeugte „Das Lied der Dunkelheit“ durch eine spannende Geschichte voller Dramatik und tiefgreifenden Charakteren die sich im Laufe der Handlung weiterentwickelten. So weit so gut – Die Reihe ist laut dem  Autor auf fünf Bände ausgelegt.  Wie in vielen Fantasy-Romanen tauchen hier fantastische Wesen auf, die die menschliche Welt bedrohen, doch Peter B. Brett geht neue Wege. Das „Böse“ sind hier die „Dämonen“ der Nacht. Wesen die das Tageslicht scheuen, wie der Teufel das Weihwasser und nach Sonnenuntergang an die Oberfläche gelangen um mit todbringender Gewalt die Menschen zu terrorisieren die im Laufe der Jahrhunderte vergessen haben, wie man diese „Dämonen“ bekämpft. Vielleicht wurden ihnen auch diese Mittel genommen, alles was ihnen noch nutzen kann, sind magische Verteidigungssiegel, deren Grenzen die Dämonen nicht überschreiten können. Die Dämonen sind vielfältig und den Elementen gleichgesetzt, es gibt Wind-, Feuer, Stein-, Baumdämonen und auch die Größe und Bösartigkeit variiert.
Arlen Strohballen, der Held dieser Reihe, verliert in einer schicksalhaften Nacht, seine Mutter. Sein Vater gelähmt vor Angst findet keine Möglichkeit seine Frau zu retten, schwerverletzt gelingt es Arlen sie hinter den Schutz der Siegel zu retten, doch die Verletzungen sind zu schwer und so stirbt sie. Arlen beschämt und wütend über die Feigheit seines Vaters, bricht auf um einen Weg zu finden, die Dämonen auf immer zu vernichten.
Nach einigen Jahren und unterschiedlichen, beruflichen Stationen findet der junge Mann in den Ruinen vergangener Zeiten, eine Sperr der mit Kampfsiegeln versehen ist. In Laufe der Zeit findet er in Ruinen und Bibliotheken wahre Schätze, aber nicht nach Reichtum strebend, ist er immer weiterhin getrieben von Rachegedanken besessen auf weitere Möglichkeiten die Dämonen zu bekämpfen.
Nach einiger Zeit gibt es Gerüchte in den kleinen Herzogtümern und Regionen, der „Erlöser“ ist wiedergekommen und er bekämpft mit bloßen Händen die Geschöpfe der Nacht. Gehüllt in einen dunklen Umhang und am ganzen Körper mit Kampfsiegeln tätowiert, ist Arlen den man nun „den tätowierten Mann“ nennt, eine große Hoffnung auf ein ungestörtes Leben....
„Das Flüstern der Nacht“ ist der zweite Teil aus der Reihe und ebenfalls erschienen im Heyne Verlag, konzentriert sich die Handlung nun auf eine innere Bedrohung die nicht von den Dämonen ausgeht.

Inhalt
In Krasia, weit entfernt von den anderen Herzogtümern, haben die dortigen Menschen gelernt, die Dämonen zu bekämpfen. Doch sind es die vielen Opfer wert?! Die Krasianer sind hauptsächlich „Krieger“ und in strengen sozialen Kasten leben sie inmitten der Wüste. Im Kampf gegen die Dämonen zu sterben, ist für die Krieger absolut akzeptabel und wirkliche Angst vor dem Tod kennen sie nicht. Höchstens von der Schande versagt zu haben. Doch die Dämonen sind nicht die einzigen Feinde, selbst in den Mauern der Stadt beherrschen gefährliche Intrigen um den Thron und die Macht innerhalb des kleinen Wüstenstaates.
Auch Jardir kämpft des Nachts gegen die Dämonen. Schon von Kindheit an, war seine Kampfausbildung von Folter und Qual geprägt. Und nun steigt er in der Hierarchie zum Krieger auf. Seine Laufbahn ist mitunter eine Berg- und Talfahrt, doch protegiert durch eine geheimnisvolle Frau und unterstützt selbst von seinen erbitterten Feinden, raunen bereits vieler er sei der langersehnte Erlöser. Nach und nach wird er zum religiösen Führer der Krasianer, und seine Pläne gehen über die Staatsgrenzen weit hinaus. Um den Kreuzzug gegen die Horclinge (Dämonen) weiter zu intensivieren, um jeden Preis auch der Verlust von Kriegern ist für den geistigen Anführer nur Mittel zum Zweck, überlegt er die kleineren Herzogtümer zu erobern. Mit viel Widerstand rechnet er nicht.
Als er den Krieg beginnt und die ersten Herzogtümer fallen, stößt er allerdings auch auf Widerstand und noch überraschte ist Jardir, als er gesagt bekommt, dass es einen tätowierten Mann gibt, der auch als „Erlöser“ gilt. Jardir wird später klar, dass es nur Arlen sein kann, sein Freund, sein „Bruder“ im Geiste den er vor Jahren, hilflos in die Wüste ausgesetzt hat, um an den Sperr zu kommen....

Es wird die Zeit kommen, in der sich die Wege der beiden wieder kreuzen werden, und nur einer wird überleben....

Kritik

Der Autor Peter V. Brett übernimmt in seinen zweiten Roman um Arlen, die politischen Machtkämpfe innerhalb und außerhalb eines Staates, in seiner Handlung. Und das macht er außerordentlich gekonnt, als hätte er nichts anderes gemacht. Analysiert man weiterhin die Handlung, so stellt sich dem Leser eine sozialkritische Gesellschaftsstudie dar, und auch die Religiösen Machtspielchen sind fester Bestandteil der Handlung.

Bei so vielen unterschiedlichen Komponenten verliert der Leser allerdings niemals den Bezug zur Handlung.

Die Figurenzeichnung ist mustergültig. Vielfältig und auch abwechslungsreich geht es zu in „Das Flüstern der Nacht“. Auch wenn es sich im Roman meistens um Jardir dreht, auch Arlen wird zur Wort kommen. Beide von Charakter her stark, sind sie dennoch verloren und manchmal Spielbälle von Intrigen und Interessen, die schwerer zu bekämpfen sind als die Dämonen der Dunkelheit. Jardir z.B. kämpft gleich immer an verschiedenen Fronten und auch die Frauen in seiner Umgebung kämpfen nicht nur mit den Waffen einer Frau um ihn, sondern auch mit allen Mitteln und Waffen, die sie gerade zur hand haben.

Doch auch die Ränke, sind nicht alles im Roman. Wie schon in „Das Lied der Dunkelheit“ geht’s auch actionreich zu, mit wilden Kämpfen der sich jeder Protagonist stellen muss. Das Niveau der Geschichte hat sich wie auch die Spannung weiter positiv entwickelt, damit ist der vorliegende zweite Teil, noch besser und vor allem intensiver. Nicht zuletzt weil man nun weiß, dass es zwei Protagonisten gibt, die sich gegenseitig vernichten können, aber ihre verfeindete Freundschaft wird sicherlich im dritten Teil näher betrachtet werden.

Wer glaubte, dass die Dämonen intelligentlose Geschöpfe sind, wird hier eines besseren belehrt. Es gibt Dämonen die hier als „Prinzen“ betitelt werden, die die Menschen beobachten und auch ihrerseits Angst vor den beiden Möchte-oder-Muß-ich-denn-Erlöser haben. Man darf also gespannt sein, welche Waffen die Dämonen noch aus ihren Köcher holen werden und auf die Menschen abzielen.

Auch in diesem Roman kommen die Nebencharaktere wie Leesha und Rojer vor, und auch sie werden Jardir kennenlernen und damit eine völlige andere Mentalität vorfinden, die untermauert durch Religion und soziale Andersartigkeit, schnell zu komplexen Problemen führt. Völkerverständigung ist halt auch hier ein ernsthaftes Problem.

Es gibt nur wenig Schwächen im Roman, auch der Übersetzung kann hier nichts ändern und die ist wirklich gut geworden. Wenn man die Erwartungshaltung hat, dass Arlen die zentrale Rolle alleine ausfüllt, könnte enttäuscht sein In „Das Flüstern der Nacht“ geht es eigens um Jardir und seine Biographie. Das ist nur fair, wenn man bedenkt, dass Arlen nun mal im ersten Teil, die absolute Hauptrolle inne hatte.

Es gibt auch kaum langatmige Kapitel, es stecken so viele kleine und interessante Details im Geschehen, dass man das eine oder andere, gerne in Kauf nimmt...denn die Handlung wird immer rasanter.

Fazit

„Das Flüstern der Nacht“ ist der zweite und der bessere Teil der Saga um Arlen. Diese ist auf fünf Teile ausgelegt, und wir dürfen noch gespannt sein, was noch alles passieren wird. Bei so viel neuen Konflikten und aufkommenden Kriegen, verschmähter Liebe und politischen Intrigen, wird der nächste Teil, vieles lösen können.

Aber wie schon gesagt, die Dämonen sind nicht gewillt sich durch die Menschen abschlachten zu lassen......man darf also gespannt sein, wie der Konflikt weitergeht.

Auch wenn „Das Flüstern der Nacht“ ein eigenständiger Roman ist, sollte man den ersten – „Das Lied der Dunkelheit“ nicht verpasst haben. Das Lesevergnügen könnte erheblich Schaden nehmen. Wie auch der erste Teil, ist die Fortsetzung nun mehr wie zu empfehlen, es wird zur Pflicht – Das Flüstern der Nacht“ zu lesen. Das Buch ist kein stilles Flüstern, es ist ein Aufschrei nach Rache, Vergeltung, Liebe und nicht zuletzt nach Erlösung.

Michael Sterzik

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