Freitag, 16. Juli 2010

Der Augensammler - Sebastian Fitzek



Der Augensammler – Sebastian Fitzek

Alexander Zorbach, ein ehemaliger Polizist, ein psychologisch geschulter Vermittler ist mit allem überfordert was sich ihm präsentiert. Seine berufliche Karriere als Polizeibeamter hat er mitunter selbst vergeigt, obwohl er als ein wirklich talentierter und sensibler Vermittler bekannt war, doch nur eine Entscheidung veränderte sein Leben und das seiner kleinen Familie, innerhalb von Sekundenbruchteilen.

Nun arbeitet Alex, bei einer großen Berliner Zeitung, als Enthüllungsjournalist und nutzt nicht selten seine Kontakte zu seinen ehemaligen Kollegen.

In der Hauptstadt geht ein Serienmörder um der mit seinen Opfern und deren Angehörigen ein brutales und perfides Spiel spielt. Dreimal schon hat der, von den Medien getaufte „Augensammler“ schon zugeschlagen. Immer nach seiner eigenen Methode und immer ist der Ablauf der gleiche. „Der Augensammler“ tötet die Mutter, in der er ihr meistens das Genick bricht, ein gnädiger und schneller Tod – ihr Kind wird entführt und dem Vater wird eine Frist von 45 Stunden gegeben um sein eigen Fleisch und Blut zu finden. Dreimal schon versagte der Vater, entweder konnte der die Spuren und Hinweise des „Augensammlers“ nicht deuten und folgen, oder ihn lähmte die Verzweiflung. Als die Leichen der verschleppten Kinder gefunden werden, eröffnet sich den Ermittlern ein grausiges, detailliertes Bild: Dem Kind fehlt das linke Auge.

Auch Alexander Zorbach berichtet von dem Fall und macht sich seine eigenen Gedanken dazu. Aber vielmehr quälen ihn die Trennung von seiner Frau und seinem Kind, aber das war schließlich sein Fehlverhalten und die Scheidung ist beschlossene Sache. Er fühlt sich als Versager und oft in Selbstmitleid versunken, versteckt er sich, auf einem kleinen Hausboot.

„Der Augensammler“ schlägt ein viertes Mal zu und diesmal ist Zorbach fast zeitgleich mit seinen ehemaligen Kollegen Stoya am Tatort was den noch geschockten Beamten verwundert. Als Zorbachs verlorengegangene Brieftasche im Garten des Opfers gefunden wird und herauskommt, dass er die ermordete junge Frau persönlich kannte, betritt der den engsten Kreis der Verdächtigen.

Philipp Stoya ist verwirrt anhand der Indizien, aber noch ist er von der Unschuld seines ehemaligen Kollegen überzeugt, auch wenn er es sich zu diesen Zeitpunkt nicht erklären kann. Alexander Zorbach gerät ins Fadenkreuz „Des Augensammlers“ und der Polizei, und er muss schnell handeln um seine Unschuld beweisen zu können.

Noch mysteriöser wird es, als Zorbach auf seinem Hausboot auf einmal die blinde Physiotherapeutin Alina Gregoiriev antrifft. Die seit einem Unfall erblindete Frau, behauptet, durch bloße Körperberührung in die Vergangenheit ihrer Patienten sehen zu können. Und erst gestern hatte sie unter ihren Händen niemanden anderen als: „Den Augensammler“. Mit Hilfe Alina Gregoiriv erhofft sich Zorbach, die entführten Zwillinge zu finden und seine Unschuld beweisen zu können!

Doch die Visionen Alinas sind nicht klar und deutlich, einige von Ihnen scheinen seltsame Fehler zu enthalten die keinesfalls in der Vergangenheit spielten.....

Kritik

„Der Augensammler“ von Sebastian Fitzek ist mit absoluter Sicherheit, anders als alle anderen die bisher seine Feder entstammen. Der Startschuss könnte nicht nur die Einführung für die Story sein, sondern auch der Anfang vom Ende. Schon im Prolog, bzw. Epilog warnt Alexander Zorbach vor den nächsten Seiten, die seine schlimmsten Ängste in den Schatten stellen werden.

Danach rollte Sebastian Fitzek seinen Roman von hinten auf: Beginnend mit dem letzten Kapitel und den Seiten 442, 441 ff. präsentiert sich dem Leser ein recht ungewöhnlicher stilistischer Aufbau. Als Countdown konzipiert, eröffnen sich die Geschichte mit wechselnden Perspektiven. Alexander Zorbach dominiert natürlich, schließlich ist es sein Duell mit dem „Augensammler“.

Auch andere Akteure kommen zu Wort, wie z.B. die blinde, aber nicht auf den Mund gefallene Alina Gregoriev, die Verbitterung für ihre Behinderung zeigt, aber durch innerliche Stärke durchaus weiß, sich zu durchzusetzen. Ebenso schildert der Kommisar Philipp Stoya seinen Druck den Täter endlich zu finden und auch der Assistent von Zorbach, der Volontär Frank Lahmann kommt zu Wort.

Weitaus spannender aber wird es, wenn der entführte Junge Tobias Traunstein zu Wort kommt, und versucht sich aus seinem Versteck zu befreien. Sebastian Fitzek lässt dann tief in eine verängstigte Kinderseele blicken, wenn Tobias sich mit seinen Gedanken und Gefühlen auseinandersetzen muss.

Die Spannung baut sich zwar schlagartig auf, aber verebbt dann so manches Mal. Der Wettlauf mit der Zeit zwar immer vor Augen geschieht allerdings nicht ungemein viel. Alexander Zorbach rennt immer ein wenig hinterher, manchmal holt er zwar streckenweise auf, doch „Der Augensammler“ spielt fair, aber überlegen.  Der Autor hat seinen „Serienmörder“ gleich einer immer vielverwendeten Schablone entworfen. Psychologisch und Intellektuell überlegen streut „Der Augensammler“ immer wieder Hinweise, die der Autor geschickt versteckt und die der Leser ganz sicher, einfach nicht als Hinweise auf die Identität des Killers, erkennen wird.

Die ganze Dramatik wirkt ein wenig zu „gut“ konstruiert, sie nutzt sich in den Roman deutlich ab und wird zu fantastisch. Gerade die „Visionen“ von Alina wirken zu übertrieben und unrealistisch, geradezu lächerlich.

Auch wenn „Der Augensammler“ insgesamt spannend geschrieben ist, so hat Fitzek es nicht geschafft der Figur eines Serienmörders neue Facetten zu geben. Gleich einer simplen Rezeptur greift Fitzek auf bekannte Klischees zu. Zwar lässt er „Den Augensammler“ selbst zu Wort kommen, aber das eindeutig zu kurz. An dieser Stelle wäre eine Wechselnde Perspektive zwischen Zorbach und dem „Augensammler“ praktischer und packender gewesen.

Im Schwerpunkt der Spannung liegt das Schicksal der entführten Kinder: Allen voran: Tobias Traunstein der oft zu Wort kommt und wie Zorbach gegen das Rad der Zeit kämpft.

Als ein psychologischer Thriller eingestuft, erfüllt er nur bedingt die Erwartungshaltung. Ab und an, lässt Sebastian Fitzek seine Figuren auf einen philosophischen Spielfeld Position beziehen, wenn sie sich gegenseitig die Bälle zuwerfen und um das Thema Schicksal/Zufall diskutieren. Ob das nun etwas in einem solchen Thriller zu suchen hat, dass soll der Leser selbst entscheiden.

Positiv anzumerken ist allerdings das der Autor: Die schwarze, oder manchmal graue Welt eines Blinden, Alina erklären lässt. Ihre Wahrnehmung mit den anderen Sinnen, ihren Umgang in Alltagssituationen und die natürlich aufkommenden Handicaps, können für den einen oder anderen Leser lehrreich sein. Auch der Humor kommt nicht zu kurz: Alinas Blindenhund trägt den Namen TomTom, was ein schmunzeln, nicht nur bei Alexander Zorbach hinterlässt.

Fazit

„Der Augensammler“ von Sebastian Fitzek ist durchaus empfehlenswert, auch wenn manchmal deutliche Schwächen zur Oberfläche schwimmen. Der Autor wollte nach seinen Erfolgen, denke ich, hoch hinaus und hat sich dabei ein wenig angesengt, aber sein Talent für Dramatik und Spannung sind unverkennbar.

Vielleicht lässt Sebastian Fitzek, den einen oder anderen Charakter in seinem nächsten Projekt wieder spielen!? Ich würde es mir wünschen, denn z.B. in der Person von Alexander Zorbach liegt viel Potential und auch Hoffnung.


 Michael Sterzik




1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Hallo!
Ich habe auch gerade "Der Augensammler" zuende gelesen und war mehr als begeistert!

Ich habe deinen Blog gerade erst entdeck und finde ihn echt klasse.

Wenn du magst kannst du auch mal auf meinen schauen! ich habe noch nicht viel geschrieben aber ich arbeite daran.

Also: nienesbooks.wordpress.com

Wäre echt schön wenn du mal reinschauen würdest! Danke

Lg Niene

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