Mittwoch, 2. Juni 2010

Das Flüstern der Toten - Stepen Woordworth



Das Flüstern der Toten – Stephen Woodworth

Man nennt die wenigen geheimnisvollen und mystischen Menschen die unter uns leben, einfach nur „Die Violetten“. Diese Bezeichnung gilt der violetten Augenfarbe die nur wenige Frauen und Männer haben. Sie sind etwas besonders, sie sind nur wenige und sie werden von der Öffentlichkeit als ein „Medium“ ausgenutzt. Die meisten Menschen fürchten diese feinfühligen und sensiblen „Violetten“, denen es möglich ist, mit den Seelen der Toten Kontakt aufzunehmen. Nicht immer sind diese Erlebnisse für die „Violetten“, wie auch für die nächsten Angehörigen vorteilhaft. Auch „verstorbene“ können noch Hass und Wut empfinden, besonders dann, wenn sie, keines natürlichen Todes gestorben sind. Geheimnisse die man also quasi in Grab nimmt, bleiben dann oftmals nicht so verborgen wie einige es sich vielleicht wünschen.

Die Anzahl der Violetten ist sehr beschränkt, in Nordamerika gibt es nur eine kleine Minderheit von ca. 200 Violetten.  Diese sind der Regierung offiziell gemeldet, und die Gesellschaft für „Jenseitskommunikation“ hat für seine „Mitglieder“ strenge Regeln.

Mehr Segen wie Fluch sind die Violetten in den Augen der Staatsanwaltschaft und den ermittelnden Behörden für die Verbrechensbekämpfung. Es wird schwierig, gar unmöglich für den Mörder „unerkannt“ sein Opfer in das „Jenseits“ zu befördern, wenn der Ermordete, bzw. die Seele den Täter selbst nach seinem gewaltsamen Tod überführt.

Doch nun sind die „Violetten“ selbst zur Zielscheibe geworden, als einige der ihren grausam ermordet werden. Doch der Täter weiß wie er sich schützen kann und maskiert sich, um nicht vom Opfer identifiziert zu werden. Nun ist potentiell jeder „Violette“ gefährdet, und könnte den tödlichen Maskenmann als nächstes begegnen.

Die Behörden möchten natürlich unter keinen Umständen die Hilfe der „Violetten“ verlieren und setzt den Spezialagent Dan Atwater ein. Atwater soll das Medium Nathalie Lindstrom beschützen, denn diese „arbeitet“ hauptsächlich für das FBI. Nathalie ist nicht wirklich entzückt, aber auch ihr wird klar, dass sie Schutz benötigt, nachdem einige enge „violette“ Freunde ermordet wurden. Für Dan ist es nicht leicht mit der sehr kühlen Frau, die geschickt ihr „Äußeres“ tarnt, um nicht gleich von jedem erkannt und „gehasst“ zu werden. Er ist hin- und hergerissen von den Eigenschaften Lindströms und beide haben gewisse Vorurteile, die die Arbeit des Duos etwas verzerren.

Atwater ist immer wieder bestürzt und fasziniert zugleich wenn seine unfreiwillige „Kollegin“ und zugleich sein Schützling mit den Seelen ihrer ermordeten Freund in Verbindung steht, und diese durch den „Mund“ Lindströms von dem Tathergang berichten. Die Spuren sind schwierig zu deuten, es bleibt ihnen nur übrig zu warten bis der Mörder einen Fehler begeht.



Die Situation spitzt sich zu, als immer mehr Freunde und ehemalige Schulkollegen Lindströms ermordet werden und sie immer mehr in den Fokus des Killers tritt....

Kritik

Stephen Woodworth greift eine interessante Thematik auf die so unglaubhaft es auch klingen mag, schon längst „Realität“ ist. Es gibt einige Fälle in denen die hilflosen Behörden, wenn sie in einem Mordfall mit den Ermittlungen nicht weiterkommen, sich der „Parapsychologie“ bedienen und „Medien“ aufsuchen, die schon erfolgreich zu dem Erfolg eines inzwischen gelösten Falles Anteil hatten. Doch leider gibt es viel mehr nüchterne Menschen, die solche Methoden ungläubig verdrängen, als solche die diesen vielleicht letzten Strohhalm, die letzte Chance beiseite schieben. Leider stimmt es aber auch das es viele, zu viele Scharlatane gibt, die sich profilieren möchten und quasi damit über Leichen gehen.

Der Autor Woodworth zeigt dem Leser absolut spannend, wie es vielleicht sein könnte. In seinem Roman „Das Flüstern der Toten“ sind die „Toten“ sehr redselig und alles andere als introvertiert. Da sie in einer „Bewußtseinsebene“ zwischen Diesseits und Jenseits „existieren“, und noch nicht „übergegangen“ sind, ist ihre Laune mehr wie bitter. Sie sind unzufrieden, vielleicht weil sie sich nicht verabschieden konnten von ihren Liebsten, weil vieles ungesagt blieb, weil sie noch so viel zu erledigen hatten, noch so viele weltliche Pläne hatten und „liebe“ geben wollten. Als dies ist „praktisch“ nicht mehr möglich. Das einzige was sie können, sich zu verabschieden, den Angehörigen „Hoffnung“ geben, aber im Schmerz des Todes ist das nicht immer eine alternative Lösung.

In Stephen Woodworth ist das „Jenseits“ in dem die Seelen der Toten verweilen (müssen?!), dunkel, leer und verflucht Einsam. Die einzige Möglichkeit für die Toten ist es mit anderen Toten zu kommunizieren, aber das Niveau dieser Unterhaltungen gleicht dann doch eher einen dunklen Friedhof. Die Toten sehen sich nach ihrem „Leben“ zurück.

Für die „Violetten“ kann das anstrengend sein, denn ihre Nächte oder sagen wir ruhige Phasen der Entspannung gleichen der Geräuschkulisse eines Bahnhofes in denen die Reisenden wirr und laut hin und her laufen und reden, reden, reden.....! Die Toten klopfen an der „Tür“ des Mediums um sich zu unterhalten, um zu reden, um Abwechslung zu genießen. Lindström kann durch einige Mantras die sie gelernt hat, sich abkapseln, doch ihre Nächte in der sie „angreifbar“ sind, werden oftmals „alptraumhaft“.

Interessant ist die soziale Studie die der Autor beschreibt. Zwar sind die „Violetten“ etwas besonders, doch alleine durch ihre Augenfarbe sind sie stigmatisiert. Sie sind gefürchtet und zugleich verehrt, doch von der übrigen Gesellschaft, werden sie gerne als „Monster“ gesehen, die man ausnutzen kann zum Wohle der Gesellschaft.

„Das Flüstern der Toten“ ist nicht nur ein grandioser, spannender und mystischer Roman, sondern er drängt die Leser auch dazu, sich mit Randgruppen unserer Gesellschaft zu befassen. Dieser Handlungsstrang zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Story. Zugleich präsentiert uns der Autor nicht ein schwarz/weiß denken, sondern wirft durchaus viele kritisch gesehene Blicke in den Topf. Zum Beispiel die „Nordamerikanische Gesellschaft“ für „Jenseitskommunikation“ ist eher eine Kontrollinstanz, als eine Hilfe für die „violetten“ die in ihr vielmehr eine indirekte Bedrohung ihrer Menschenrechte sieht.

Die Protagonisten des Romans wirken auf den Leser sehr faszinierend und interessant. In der Figur des FBI Ermittlers Dan Atwater gibt sich so manches Klischee die Hand, aber die eigentliche Hauptperson ist Natalie Lindström. Dan Atwater zeigt sich dem Leser als ein sehr unglücklicher Mann, der eine immense Schuld mit sich trägt, und Natalie ist dieser Schlüssel zu diesem unheilvollen Erlebnis. Atwater und Lindström müssen zusammenarbeiten, aber sie kommen aus gegensätzlichen Welten, so dass im Laufe der Handlung erst Vertrauen aufgebaut werden muss. Im Grunde, ist diese Handlung nichts neues, aber der Autor erzählt diesen auch diesen Verlauf sehr spannend und zugleich authentisch.

Die Spannung ist in jedem Fall steigend und allein die Kommunikation mit den Toten ist sehr originell. Gerade in den ersten Kapiteln wird der Leser mehr erfahren wollen, aus dem „Jenseits“ und nach und nach wird dieser auch dafür belohnt, auch wenn einige Fragen einfach offen bleiben und Raum schaffen für eigene Interpretationen. Die Botschaft alleine ist schon interessant, dass der Tod nicht unbedingt das Ende ist, nur eine „Transformation“ in eine andere, vielleicht „bessere“ Welt?!

Fazit

„Das Flüstern der Toten“ von Stephen Woodworth ist kein stilles, gemurmeltes „Flüstern“ sondern ein spannender, unterhaltsamer und vielschichtiger Roman der absolut zu empfehlen ist. Viele Schwächen hat der Roman nicht, bis auf ein paar kleine Klischees bei den Protagonisten die entschuldbar sind, denn das Finale zugleich Ende, kann hier auch ein neuer Anfang sein. Fulminant erzählt und der Leser, davon bin ich überzeugt wird schnell den zweiten und dritten Teil lesen wollen, in denen Natalie Lindström mit den Toten redet.


 Michael Sterzik

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