Samstag, 29. Mai 2010

Die Rache des Kreuzfahrers - James Patterson


James Patterson – Die Rache des Kreuzfahrers


Papst Urban II. rief im Jahre 1095 den ersten Kreuzzug aus. Jerusalem und das Heilige Grab sollten aus den Händen der Muslime befreit werden und so die größten und christlichen Heiligtümer des Christentums gerettet werden.

Naiv und vor allem verblendet durch die Aussicht nicht nur die angesammelten Sünden loszuwerden wenn man für Gott kämpft, sondern auch im Heiligen Land Schätze zu finden, sammelten sich viele Adlige in ganz Europa mitsamt ihren Rittern, Soldaten und einfachen Bauern ein, um sich auf den Weg ins Heilige Land zu begeben.

Schon der Weg Richtung Antiochia, Konstantinopel ist schwer und gefährlich und überall je näher sie dem Ziel kommen, finden die Kreuzfahrer „verbrannte“ Erde vor. Zerstörte Felder, verlassene Dörfer, stillgelegte Brunnen lassen die Invasoren verzweifeln denn es besteht so keinerlei Möglichkeit die ohnehin schon mageren Reserven zu ersetzen oder aufzufüllen. Hinzu kommt noch die unbeschreibliche Hitze, die Umgehung in den Vorhof der Hölle verwandelt. Hunger, Hitze und kleinere Kämpfe sowie Unfälle dezimieren schnell die Zahl der Kreuzfahrer. Nicht wenige wünschten sich auf dieses unselige Abenteuer besser verzichtet zu haben.

Als die ersten Städte der Ungläubigen nach langwieriger Belagerung durch die Kreuzfahrer erobert werden, entladen sich angestaute Wut und Verzweiflung, Ängste und Gier durch umbarmherzige Brutalität die keine Grenzen kennt. Raub, Mord, Vergewaltigung und Massaker an der zivilen Bevölkerung, aber durch „Gottes Gnade“ legitimiert, lassen doch einige desillusioniert Seelen zurück, die sich unter diesem „Kreuzzug“ etwas ganz anderes vorgestellt haben und nicht verabscheuungswürdige Taten die alle Sünden gleichwohl in die tiefsten Schatten stellen. Kriegsmüde und verletzt an Körper und Geist desertieren Adlige und einfache Soldaten und haben nur noch das Ziel die „Heimat“ vor Augen.

Doch nach vielleicht mehreren Jahren der Abwesenheit finden die ehemaligen Krieger der Kreuzzüge eine Gegenwart vor, die sie nicht mehr wieder erkennen.

James Patterson erzählt in seinem historischen Roman „Die Rache des Kreuzfahrers“ von einem einfachen Mann der zurück von den Kreuzzügen, nichts anderes findet als noch mehr Tod und Zerstörung.

Inhalt

Frankreich – Veille de Père, ein Dorf im südlichen Frankreich im Jahre 1096.
Hugh de  Luc lebt mit seiner Frau Sophie als Gastwirt friedlich in dem kleinen Provinzdörfchen. Der junge Mann der als umherziehender Gaukler nun endlich seinen Platz im Leben gefunden hat,träumt von einem ruhigen Leben und einem kleinen Glück mit seiner Frau.

Als ein Tross von Kreuzfahrern durch das Dorf zieht, sehnt sich Hugh nach den Reichtümern des heiligen Landes, die ihn dort erwarten und nach dem Kreuzzug ein sorgenfreies Leben in Freiheit und Wohlstand garantieren.

Zusammen mit vielen die das Kreuz auf sich nehmen ziehen sie in Richtung Heiliges Land. Seine schöne und junge Frau Sophie bleibt in dem kleinen Dorf zurück. Sie verspricht Hugh auf ihn zu warten und gibt ihm als Symbol ihrer Liebe die Hälfte eines schönen Kammes, ein Stück und Halt Erinnerung und das Versprechen des Wiedersehens.

Doch die Reise verläuft unerwartet Katastrophal: Viele Menschen sterben auf den qualvollen Fußmarsch durch den Balkan und Kleinasien an Hunger, Hitze und Krankheiten. Nach diesen Strapazen erwartet die Überlebenden die moslemische Festung Antiochia im heutigen Syrien. Nach einer langen Belagerung fällt letztlich die Stadt und die Kreuzfahrer richten ein Massaker bei der Bevölkerung an, egal ob es sich um christliche oder moslemische Einwohner handelt die in Freundschaft und Toleranz miteinander gelebt haben.

Als sich Hugh während des Massakers in eine winzige Kirche rettet, die gerade geplündert wird, verliert der ohnehin schon nicht gläubige Mann endgültig alle Ideale an die er sich geklammert hat. In Notwehr tötet er zwei „Ungläubige“ wird aber von einem dritten entwaffnet und sieht schon seinen eigenen Tod vor Augen. Doch der Moslem verschont Hugh in letzter Minute, wird aber von einigen fränkischen „Tafuren“, fanatischen Kämpfern vor den Augen Hughs grausam ermordet. Hugh fällt auf das die rücksichtlosen Mörder ein eingebranntes Kreuz am Hals haben.

Hugh der nun genug gesehen und erlebt hat, wendet sich ab, nicht ohne den Holzstab eines Priesters mitzunehmen der ihn auf die langwierige Reise nach Hause begleitet. Nach zwei Jahren Abschied erreicht Hugh sein Dorf, doch erwartet ihn dort nur die Trümmer seines Gasthofes und das Grab seines Sohnes Philippes, von dem er nichts geahnt hat. Sophie wurde von den Angreifern die große Teiles des Dorfes zerstört haben, verschleppt. Seine Freunde erzählen von maskierten Rittern die auf der Suche nach etwas waren und keinerlei Erkennungszeichen trugen. Hugh der vermutet das der Herzog Baudouin von Treille dahintersteckt, wandert durch die Wildnis Richtung seines Widersachers. Bei einem Angriff durch einen Eber wird Hugh schwer verletzt, und von einer edlen und schönen Frau namens Emilie in die Burg von Borée gebracht und dort gepflegt. Hugh vertraut sich in seinem Schmerz Emilie an und erzählt ihr von seinem ermordeten Sohn und seiner Frau, die wie er hofft noch am Leben sein soll und verschleppt wurde.

Emilie die gerührt ist, hilft Hugh sich unter Vorwand in die Höhle des Löwen zu begeben. Hugh der ja das Handwerk eines Gauklers seit Kindesbeinen kennt, wird als Hofnarr ausgebildet um unerkannt und recht anonym Sophie in der Burg suchen zu können. Nach und nach erfährt Hugh mehr von den mysteriösen Rittern die auf der Suche nach einer bestimmten Reliquie nicht vor Mord zurückschrecken und eine Spur des Todes zurücklassen....


Kritik

„Die Rache des Kreuzfahrers“ von James Patterson ist ein actionreicher und manchmal auch humorvoller Thriller im historischen Genre. Der Autor verstreut in der Haupthandlung so manches Rätsel, das spannend erzählt wird und den Leser überzeugt. Der Grundstein der Handlung sind die Abenteuer die Hugh auf seinem Kreuzzug erlebt, doch bilden diese inhaltlich den kleinsten Part, denn in der Haupthandlung geht es nur darum herauszufinden wer die mysteriösen Ritter mit den schwarzen Kreuzen sind, und warum und für wenn sie etwas suchen!?

James Patterson erzählt seinen historischen Thriller mit viel Action und dramatischen Szenen die immer wieder an die Oberfläche der Handlung kommen. Das der Kreuzzug blutig war, ist dem Leser ohnehin klar, aber auch als Hugh in sein zerstörtes Dorf kommt, geht es nahtlos mit „Mord und Totschlag“ weiter.

Das der Humor nicht zu kurz kommt, dafür sorgt schon die „Narrenfreiheit“ der sich Hugh bedienen muss um Sophie zu finden und um hinter die Bedrohung der mysteriösen Ritter zu kommen. Das „Mittelalter“ wird von dem Autor nicht auf die Schippe genommen, viel mehr wird der Leser mit den komödiantischen Talent Hughs konfrontiert, der mit Wortwitz und kalkulierten Risiko den Adel unterhalten und so einen gewitzten Blick hinter die Kulissen werfen kann.

Hugh versteht es zu provozieren und mit gewagten ironischen Wortspielchen sich Freund und Feind zu machen. Doch der Krug geht so lange zu Wasser bis er bricht, und auch die Narrenzeit hat einmal ein Ende und Hugh kehrt zu den Wurzeln zurück die sich in seinem Dorf befinden. Er baut seinen alten Gasthof auf und überzeugt seine Freunde und die Einwohner sich gegen die Bedrohungen und unrechtmäßigen Gesetze zu wehren. „Rebellion“ ist der letzte Akt, aber erst dann wenn den Menschen bewusst wird, dass sie nichts mehr zu verlieren haben. Um „Unabhängig“ zu werden, schließen sie sich Hugh an und letztlich im Finale wird das Rätsel der Reliquie gelöst, auch wenn der Preis dafür sehr hoch erscheint.

James Patterson lässt in seinem Roman dramatischen Opfer zu, gerade in den Reihen der Protagonisten entstehen schnell Lücken und so mit Dramatik die den Leser rührt.

Manche Rätsel werden im Laufe der Handlung gelöst, einige andere werden aber erst im Finale zur Überraschung aufgeklärt.

Fazit

„Die Rache des Kreuzfahrers“ ist ein sehr empfehlenswerter Roman der durch eine geschickte Kombination von Drama, Lovestory und Action überzeugt. James Patterson glorifiziert nichts und schildert das bunte Mittelalter in vielen farbenreichen Facetten. Die einzelnen Kapitel sind sehr kurz und knapp erzählt, so dass sich der Leser manche Atempause gönnen kann.

Die Spannung ist elegant aufbereitet, die Charaktere realistisch und die Story sowieso überzeugend.

„Die Rache des Kreuzfahrers“ ist unbedingt zu empfehlen. Man sagt ja „Rache“ ist süß, doch ist sie doch vielmehr, sie ist spannend, humorvoll, tiefgründig, traurig und lässt den Leser nicht zur Ruhe kommen. Großartiges Lesevergnügen“.

Michael Sterzik

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