Montag, 10. Mai 2010

Der gläserne Schrein - Petra Schier




Der gläserne Schrein – Petra Schier.

Aachen im Jahre 1413. In der alten Kaiserstadt soll die eindrucksvolle Chorhalle des alten Doms umgestaltet werden. Grund dafür ist der Todestag Kaiser Karls des Großen und der soll entsprechend in der alten Königsstadt gefeiert werden. Vom Marienstift und Zunft beauftragt die Arbeiten in der Chorhalle auszuführen, hat Bardolf Goldschläger einen lukrativen und vor allem einen sehr werbewirksamen Auftrag vor sich. Bardolfs Stieftocher Marysa, eine aus ungarnstämmige, verwitwete Reliquienhändlerin hat ganz andere Sorgen die sie plagen. Ihre zweijährige Frist in der sie als Witwe die Geschäfte ihres verstorbenen Mannes schalten und verwalten kann, läuft in Bälde aus.

Nicht wenige wohlhabende und einflussreiche Kaufleute, sowie Gesellen haben mehr wie einen Blick auf die recht reiche und vor allem schöne Witwe geworfen, doch bisher ist es niemanden geglückt Marysas Herz zu erobern. Kühl und unnahbar trotzt die eigensinnige und selbstbewusste Frau einer neuen Ehe, die sie vielleicht wieder in Zwängen bringt, die sie sich überhaupt nicht wünscht und die gegen ihre doch recht frohe Natur sind. Ihr Vetter will sie unbedingt mit einem ihr unsympathischen Handwerker verheiraten und sieht sich als alleinigen Vormund, doch Marysas Mutter und ihr Mann Bardolf stehen voll und ganz hinter ihrer Tochter.

Und nicht nur unter familiären Schutz steht Marysa, auch der Dominikanermönch Christopherus, der als „Ablasshändler“ durch Europa pilgert, fühlt sich für das Glück Marysas verantwortlich. Marysas verstorbener Bruder Aldo war der engste Freund von Bruder Christopherus, und hat diesem auf dem Sterbelager das Versprechen abgenommen auf seine kleine Schwester und ihre Mutter achtzugeben. Bruder Christopherus nimmt diese Bitte ernst, schon einmal haben sich ihre Wege gekreuzt, doch nun fast zwei Jahre später, treibt es ihn wieder in die alte Reichsstadt.

Als es in der Chorhalle zu unheimlichen und tragischen Unfällen kommt, und auch ein alter Geselle Bardolfs seinen ernsten Verletzungen erliegt und auch Bardolf verletzt wird, aber überlebt, ist der erste Schrecken groß. Wenig später wird Bardolfs Konkurrent der vertretungsweise die Arbeiten in der Chorhalle übernommen hat, vergiftet. Bardolf wird von den Bütteln der Stadt Aachen ins „Grashaus“ das alte Gefängnis der Stadt gebracht. Des vorsätzlichen Mordes angeklagt erwartet Meister Bardolf Folter und Hinrichtung, sollte es Marysa und Christopherus nicht gelingen den oder die wahren Mörder zu finden….

Kritik

„Der gläserne Schrein“ von Petra Schier ist nach „Die Stadt der Heiligen“ der zweite Band einer historischen Trilogie um die Reliquienhändlerin Marysa Markwardt und dem Dominikanermönch „Christopherus.

Die Autorin erzählt diesen historischen Kriminalfall mit viel Gefühl und stützt sich dabei mehr auf ihre Protagonisten, als auf die eigentliche Haupthandlung. Spannung entsteht hier aber trotzdem und das anhaltend nur über die Charaktere, allen voran natürlich die selbstbewusste Marysa und der geheimnisvolle Mönch Christopherus. Letztere gibt der gesamten Handlung die notwendige Tiefe, denn so richtig anschaulich und erklärend ist die eigentliche Handlung – der oder die Mörder die in der Chorhalle für Unfälle gesorgt haben – nicht. Weder an Anfang noch im weiteren Verlauf der Handlung wird dem Leser klar worum es denn eigentlich geht. Weder kann der Leser ein Motiv vorab erkennen, noch Verdächtige ausmachen. All das ist erstmal verwirrend, wäre da nicht das persönliche Umfeld Marysas und ihre Vergangenheit. Ganz zu schweigen von Bruder Christopherus der man sagt ja zwischen Himmel und Erde mehr Geheimnisse hat, als man glauben mag.

Doch schon in den ersten Kapiteln offenbart sich der Mönch als ein Mann mit vielen Facetten und einigen, hilfreichen Eigenschaften, sowie einem hellwachen Geist. Amüsant und vor allem auch spannend ist die Verbindung zu Marysa, auch wenn sie natürlich etwas naiv und vorhersehbar ist.

Spannend und abwechslungsreich sind die Figuren in „Der gläserne Schrein“. Diese sind im Grunde überschaubar, aber so in einander verschachtelt und verwoben, dass man wie gewünscht mit den Figuren mit fiebert und natürlich lebt. Immer das mittelalterliche leben im Blick erzählt Petra Schier das Leben und die täglichen Schwierigkeiten einer Handwerkswitwe die in ihrer sozialen Stellung immer wieder zeigen muss, dass sie mehr ist, als nur eine „Frau“ die ihre ehelichen und mütterlichen Pflichten beizukommen hat. Marysa trägt Verantwortung, nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Menschen die ihr wichtig sind, egal ob es sich nun um einen einfachen Knecht handelt oder um ihre eigene Mutter. Sie trägt ihr Herz am rechten Fleck, auch wenn ihr Mundwerk und ihr Temperament so feurig sein kann, wie „ungarisches“ Gulasch.

Emanzipation hin oder her – „Der gläserne Schrein“ ist nicht nur für die weibliche Leserschaft. Auch wenn natürlich die „Liebe“ einen Großteil der Handlung einnimmt. Besonders nett und unterhaltsam sind die kleineren und größeren Wortgefechte zwischen dem „braven“ Mönchlein „Christopherus“ und Marysa. Diese beiden Schlüsselpersonen sind der Dreh- und Angelpunkt in der gesamten Dramatik.

Lobenswert auch hier, dass Petra Schier fabelhaft die Geheimnisse von Christopherus bis zum Ende im Dunklen lässt. Alles andere hätte, dem Roman die inhaltliche Spannung genommen.

Man kann den Roman „Der gläserne Schrein“ unabhängig von „Die Stadt der Heiligen“ (Erster Band) lesen, doch ist dem hier klar abzuraten, denn die Protagonisten sind so intensiv komplex, dass man sich als Leser immer fragt, was da wohl passiert sein mag!? Immer wieder wird im Laufe der Handlung auf die Geschehnisse im ersten Teil hingewiesen, so das wenn man schon den ersten Teil verpasst haben sollte, interessiert ist den ersten Teil zu lesen.

Fazit

„Der gläserne Schrein“ ist mehr „Sein“ als Schein und damit eine recht große Überraschung in diesem Genre. Neben gut recherchierten, geschichtlichen Material, verspricht die Handlung mit seinen liebenswerten Figuren, extremen Spaß.
Lesen Sie das Buch, oder besser, fangen Sie mit dem ersten Teil „Die Stadt der Heiligen“ an: Sie werden es nicht bereuen.

Michael Sterzik

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