Donnerstag, 29. April 2010

Das brennende Land - Bernard Cornwell




Die Bedrohung durch die einfallenden Wikinger konnte von König Alfred den Großen zunächst abgewehrt und zeitweise aufgehalten werden. Doch die Verheerungen im Lande waren dramatisch. Die Dänen wie sich auch genannt wurden, hinterließen auf ihren Raubzügen brennende und zerstörte Dörfer, geplünderte Klöster und bei den Bewohnern Angst und Schrecken.
Doch Alfred war ein großer Taktiker und Stratege seiner Zeit. Immer wieder konnte er die Angriffe abwehren und den Invasoren empfindliche Schläge beibringen und so sein „Königreich Wessex“ und deren Grenzen sichern.
Sein geschlagener Gegner „Guthrum“, ein König der Wikinger konvertierte zum Christentum über, ob das nun wirklich aus Überzeugung geschah oder eher ein geschickter Schachzug gewesen ist, um Alfred milde zu stimmen, bleibt offen. Doch kann man wohl davon ausgehen, dass es nichts anderes als ein vernünftiger, politisch kalkulierter Gedanke war.
König Alfred träumte von einem „England“ unter der Krone seiner Familie, wenn nicht ihm es zu Lebzeiten gelingen sollte, die Königreiche zu vereinen, so sollte es wenigstens so war sein Wunsch und Bestreben, seinen Sohn gelingen. Über die Grenzen von Wessex, Mercien und Kent hinaus, wurde der Anspruch auf den Königsthron Alfreds akzeptiert. Doch in den kommenden Jahren 886 – 892 kam es immer wieder zu kleineren, kriegerischen Auseinandersetzungen. Alfred nutzte diese „ruhige“ Zeit um entlang der Küste „Festungen“ zu bauen um so, bei weiteren Angriffen der Wikinger gewarnt zu sein, zudem konnten sie sich schneller organisieren und Angriffe abwehren.
Im Jahre 892 wurde die Bedrohung durch die Wikinger die entlang der Küste Kents und Wales auf Raubzügen ging dramatisch größer. Einfallende Wikingerheere die zuletzt im „Frankenland“ für Tod und Verderben gesorgt hatten, hinterließen bei König Alfred schnell den Eindruck, dass ihr Ziel nicht nur die Küsten, sondern gerade die wichtigen Städte und Regionen im Innenland sein sollen, die wirtschaftlich und militärisch für das Land von größter Bedeutung waren.
Bernard Cornwell hat in seinem fünften Band der „Wikinger Saga“ – Das brennende Land „ diese Bedrohung beschrieben und lässt seinen „Kriegsherr“ Uthred wieder in blutige Schlachten ziehen.
Inhalt
Uthred von Bebbanburg, ein Kriegsherr des Königs Alfred ist auf diplomatischer Mission. In Kent, an Wessex Küste sind zwei Heere der Wikinger gelandet die Alfreds brüchigen und unruhigen Frieden und sein Königreich ernsthaft bedrohen.
Die Dänen die zuerst im Frankenland reiche Beute gemacht hatten, sind gegen eine ungemeine freche und hohe „Tributzahlung“ der dort ansässigen Könige einverstanden gewesen, mit ihren Drachenschiffen die Region zu verlassen. Trotz des „Schmiergeldes“ ist die Verlockung reiche Beute an Wessex Küste zu machen bei den Kriegern aus den Norden enorm groß.
Uthred soll mit Haesten einen Wikingerfürsten einen Waffenstillstand bzw. ein Friedensangebot besprechen und sucht diesen unter Achtung der Diplomatie zu einem persönlichen Gespräch auf. Alfred fordert durch seinen Kriegsherrn Uthred Haesten auf Geiseln zu stellen, möglichst aus seiner eigenen Familie. Doch dem Wikingeranführer ist nur schwer zu trauen und auch bei den Geiseln zweifelt Uthred zu Recht, dass es sich um Familienangehörige von Haesten handeln soll. Das Gespräch läuft zivilisiert und ruhig ab, und Haesten warnt seinen Widersacher Uthred vor der Aggressivität und den Eroberungswillen eines weiteren Heerführers der Dänen – Harald Bluthaar. Ein wilder, unbarmherziger Krieger der traditionell vor der Schlacht ein Pferd eigenhändig schlachtet und seinen Kopf in dessen Blut badet. Auch vor dessen Gefährtin, eine schöne friesische Frau mit dem Name Skade, die sich den Wikingerfürsten angeschlossen hat, verliert Haesten warnende Worte. Neben ihrer eindrucksvollen Gestalt und Schönheit sei sie eine böse und kalte Zauberin.
Uthred als Kriegsherr eingesetzt, ist mit seinem überschaubaren aber kampferfahrenen Heer auf den Weg sich Harald Bluthaar entgegenzustellen um zu beobachten wie weit die nordischen Krieger inzwischen ins Landesinnere vorgedrungen sind und wie hoch die neue Bedrohung tatsächlich ist. Uthred gelingt es nach einer heftigen ersten Gefecht Skade, die Partnerin Haestens gefangen zu nehmen. Haesten Worte waren nicht übertrieben. Skade ist eine faszinierende Frau, eine Kriegerin, vielleicht wirklich eine Zauberin und alles andere als einfach zu bändigen. In ihrer Wut verflucht Skade Uhtred vor dem sie Respekt und Angst hat, mit den wildesten Worten. Uthred der bei den Dänen aufgewachsen ist, gibt sich nicht eingeschüchtert, doch geheuer bleibt ihm Skade nicht.
Wenig später erreicht Uthred die Nachricht, dass seine geliebte Frau Gisela zusammen mit dem Neugeborenen im Kindbett gestorben ist. Verzweifelt und innerlich vor Trauer verkrampft ist seine Welt auf einmal zerstört.
Am Hofe König Alfreds widerspricht er der Bitte seines „Königs“ auch seinem Sohn die Treue zu schwören, sollte er sterben. Alfred ist schon über 40 und seine ohnehin schwache Gesundheit lässt ihn über den Tod und seine Nachfolge nachdenken. Uthred dagegen träumt noch immer von seinem ihm zustehenden Erbe – Bebbanburg, die sich leider in den Händen seines verräterischen Onkels befindet.
Als wenig später im Thronsaal der etwas verrückte und fanatische Mönch Godwin, ein Günstling Bischoff Assers, Uthred verstorbene Frau als Heidin, Hure und Unrat beschimpft, kann Uthred sich nicht beherrschen und schlägt im Jähzorn auf den schimpfenden Mönch ein und tötet ihn dabei.
Wütend und in Rage verlässt Uthred den Königshof, niemand stellt sich dem zornigen Kriegsherrn in den Weg, auch die Worte seines Königs, Alfred hinterlassen keine Wirkung. Als Uthred inzwischen wieder auf seinem Anwesen von Pater Beocca, einem alten und vertrauenswürdigen Freund aufgesucht wird, der Uthred bittet und indirekt befiehlt sich beim König zu entschuldigen, eine horrend hohe Strafte zu zahlen und zudem seinem Sohn noch den Treueschwur entgegenbringen soll, empfindet Uthred keine Reue, kein Einsehen und ist nicht gewillt dem königlichen Willen Folge zu leisten.
Zusammen mit seinen engsten Freunden geht er an Bord seines Schiffes um zurück in seine Heimat zu reisen – Die Bebbanburg ist sein Ziel. Dort in der Nähe seiner Heimat hat auch sein „Bruder“ und Freund, der Wikingerfürst Ragnar seine Festung. Die beiden engen Freunde verbringen viel Zeit miteinander und Uthred und seine Kämpfer werden wie brüderliche Freunde von seinen „Feinden“ willkommen aufgenommen.
Uthred der sich seinen Eid nicht mehr verpflichtet fühlt, hat nun eigene Pläne und er spricht mit Ragnar und seinen Männern offen über einen eventuellen Angriff auf das Königreich Wessex und seine Befestigungen. Uthreds Wissen über die Kampfkraft der Sachsen und deren Festungen an der Küste wäre eine beispielslose Stärke für die Dänen.
Doch auch hier holt Uthred das Schicksal ein: Æthelfleda, die Tochter König Alfreds und Freundin Uthreds erinnert ihn an seinen Schwur, ihr bei Gefahr zur Seite zu stehen. Uthred muss sich nun entscheiden für welche Seite er seine Schwerter nun ziehen muss, um entweder Dänen oder Sachsen zu töten….
Kritik
„Das brennende Land“ von Bernard Cornwell ist der fünfte und nicht der letzte Band der „Sachsen“ oder auch „Wikinger Saga“. Auch dieser Band besticht und überzeugt durch die hervorragende und souveräne Kunst eine Geschichte spannend und vielseitig zu erzählen.
Als Einleitung sei hier schnell zu bemerken, dass das vorliegende Buch „Das brennende Land“ zwar unabhängig der anderen gelesen werden kann, aber nicht sollte. Zu komplex und vielschichtig ist nicht nur die Story deren „timeline“ chronologisch aufgebaut ist, sondern auch vielmehr die einzelnen Protagonisten die mit- und (un)anhängig voneinander agieren.
Wie in den anderen Bänden auch, wird die Geschichte aus der Perspektive Uthreds erzählt, der wie so oft Freud und Leid kennenlernt. Sein Schicksal ist interessant, und als Nebenschauplatz sehr entwicklungsfreudig, ebenso verhält es zu seiner nicht immer einfachen Beziehung zu König Alfred. Alfred ist ein tief religiöser und gebildeter Herrscher, der in dieser Zeit als kluger Stratege und Taktiker den Wikingern effektiv die Stirn geboten hat. Aber nicht nur im Kriege war Alfred ein vorbildlicher Staatsmann, auch in kultureller Hinsicht prägte er das Land und stellte die Weichen für seine nächsten Nachkommen. Gerade in „Das brennende Land“ wird deutlich darauf hingewiesen, welche Macht und welchen Einfluss er hat, auch wenn er nur im Schatten mitspielt.
Hat König Alfred in den ersten Bänden eine größere und tragende Rolle gespielt, so ist er in diesem nicht mehr als eine kleine Randfigur. Das mag auf den ersten Blick enttäuschend sein, aber die dafür tritt seine Tochter Æthelfleda in das Zentrums des Geschehens, und man merkt schnell, der Königsapfel fällt vom gleichen Thron und sie ist ganz die Tochter ihres Vaters.
Etwas mehr Raum ist Uthred diesmal persönlich gewidmet. Als er seine Frau verliert, dass noch das Wohlwollen seines Königs, ist er ein heimatloser, ein verbannter und innerlich zerrissen fühlt er sich noch immer nicht zu Hause. Sein Ziel, sein Erbe – die Bebbanburg wieder in seinen Besitz zu nehmen rückt näher, doch wie verhält es sich zu seinen freundschaftlichen, fast schon familiären Banden für Ragnar, der wie sein eigener Bruder ihm noch immer nahe steht. Als Leser fiebert man mit, für welche Seite sich nun Uthred entscheidet und wie sehr das seine Umgebung beeinflusst.
Politik und Kirche spielen nur eine untergeordnete Rolle. Bernard Cornwell konzentriert sich auf die vielen kleineren und größeren Schlachten zwischen den Sachsen und den Wikingern, nur im ersten Teil des Buches bemerkt der Leser anschaulich wie Religion den König beeinflusst, aber auch wie sehr er dies zu seinen nutzen erkennt und selbst einsetzt.
Selbst nach dem fünften Band ist die Saga noch nicht abgeschlossen, aber prophetisch sei zu sagen, sie geht dem Ende zu wenn sich der Autor an der historischen timeline orientiert. Auch hier, meint man die Recherche die Bernard Cornwell leisten musste, hält er sich an die historischen Fakten. Es sind nur wenige Schlüsselpositionen in den Romanen der Fiktion des Autors entsprungen. Klar Uthred ist eine erdachte Figur, aber die historischen Schlachten, die Politik Alfred des Großen und nicht zu letzt die verbürgten, historischen Personen auf den Seiten der Nordmänner bilden einen vorbildlichen Rahmen für diese kriegerische Zeit, die England auf immer prägen sollte.
Im Vorwort erklärt der Autor noch die damaligen Orte des Geschehens, ,bzw. deren damalige und heutige Ausdrucksweise. Im Nachwort dagegen erklärt der Autor noch die historischen Fakten und nimmt auch Bezug auf seine künstlerische Freiheit, die hier minimal ausfällt.
Fazit
„Das brennende Land“ von Bernard Cornwell bringt dem Leser diese historische Epoche sehr nahe. Detailliert erzählt der Autor von Schlachten zwischen den Kontrahenten und deren Abhängigkeit, bzw. den Beziehungen untereinander.
Geschichte kann spannend sein, wenn sie denn von Bernard Cornwell erzählt wird.
Die Zielgruppe ist in jedem Fall die männliche Leserschaft. Die Schlachten werden blutig und spannend beschrieben und das nicht ansatzweise langweilig oder eintönig.
Als Kritikpunkt sei zu sagen, dass mir manchmal die Perspektive aus der Sicht der Wikinger fehlt. Waren sie wirklich blutrünstige und grausame Räuber und das nur? Was trieb sie an? Wie war ihre soziale Struktur aufgebaut, ihr tägliches Leben?! Das vermisst man schon ein wenig, aber vielleicht fasst sich Cornwell ja mal ein Herz und erzählt die Geschichte aus der Perspektive der Dänen. Ein ungemein interessanter Gedanke.
„Das brennende Land“ ist ein ungemein, starker Roman aus der Wikinger-Reihe und man darf gespannt sein, welchen Weg Uthred und Alfred nun gehen werden.
Bernard Cornwell hält was er verspricht, er bleibt sich und seinen Lesern treu und macht deutlich Appetit auf mehr. Abenteuer und Historie in einer perfekten Kombination.

Michael Sterzik

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