Samstag, 13. März 2010

Das Höllenschiff - James McGee


James McGee – Das Höllenschiff

In der Zeit der napoleonischen Kriege die zwischen 1792 und 1815 zwischen dem Kaiserreich Frankreich und einem alliierten Europa stattfanden. Es war auch eine Zeit der Koalitionen, der Bündnisse zwischen den einzelnen europäischen Staaten die aufgrund ihrer Interessen eine Front gegen Napoleon Bonaparte bildeten.


Die Schlacht bei Waterloo und der Sieg des Heeres unter Britischer, Niederländischer und Deutscher Flagge beendete die Herrschaft Napoleons. Die napoleonischen Kriege dauerten 23 Jahre und forderten in ganz Europa ca. 6,5 Millionen Tote an Soldaten und Zivilisten.


James McGee hat in seinem neuesten Werk „Das Höllenschiff“ einen historischen Kriminalroman im Heyne Verlag veröffentlicht, der in genau dieser kriegerischen Zeit spielt.


Inhalt


Die Royal Navy die sich mitten im Krieg gegen Frankreich und seinem Kaiser Napoleon befinden, steht national vor einigen anderen Problemen. Nicht nur das unzähligen französischen Kriegsgefangenen in Gefängnissen untergebracht, medizinisch betreut und versorgt werden müssen und das so mancherlei Logistische Probleme mit sich bringen, nein – auch die Schmugglerbanden die Waffen, Güter, Lebensmittel und auch feindliche Agenten nach England und wieder aus dem Land bringen, bedrohen die nationale Sicherheit.


Zwei Offiziere der Royal Navy sollten Undercover auf den Gefängnisschiffen, abgewrackte Kriegsschiffe die im Hafen von London vor Anker liegen, ermitteln, doch beide Männer verschwinden spurlos, wahrscheinlich sind sie tot.


Das Innenministerium Britanniens beauftragt einen seiner besten Agenten, Matthew Hawkwood mit den Ermittlungen auf den berüchtigten Gefängnisschiffen, auch „Hulks“ genannt und schleust den ehemaligen Soldaten und jetzigen „Runner“ als Gefangenen auf das ehemalige Kriegsschiff der Rapacious ein. Als Kriegsgefangener „Yankee“ freundet sich Hawkwood schon auf dem Weg zum Gefängnisschiff. mit dem Privateer, dem französischen Freibeuter Paul Lasseur an.


Die Gefängnisschiffe gleichen abgeschotteten „Höllen“, die hygienischen Verhältnisse sind mangelhaft, der Gestank fast unerträglich und täglich sterben die Gefangenen an Unternährung und Krankheiten. Viele Gefangenen vegetieren schon seit Jahren auf diesen „Höllenschiffen“, einige behalten ihre Menschlichkeit und träumen von einer Flucht, doch viele andere in den unteren Decks gleichen mehr Raubtieren. Selbst die Wachmannschaften und Soldaten trauen sich nicht in die tiefen der Gefängnisschiffe.


Hawkwood und Lasseur lernen auf der „Rapacious“ einige Mitgefangene kennen, die anscheinend wissen, wie man der „Hölle“ entkommen kann. Als ein französischer Bootsjunge, noch ein Kind in die unteren Decks verschleppt wird, setzen die beiden befreundeten Feinde Hawkwood und Lasseur alles daran den Jungen zu retten.


Nach dieser missglückten „Rettungsaktion“ haben sich die beiden Draufgänger unter den Gefangenen einen guten Ruf verschafft, doch ihre Aktion hat auch persönliche Folgen für die beiden Freunde. Als Strafe sollen sie auf ein anderes Schiff gebracht werden, auf dem noch schlimmere Verhältnisse und Bedingungen herrschen. Doch mit Hilfe anderer Gefangenen gelingt Lasseur und Hawkwood die Flucht....


Kritik


„Das Höllenschiff“ von James McGee ist dritte Band um den „Agenten ihrer Majestät“ Matthew Hawkwood der zur Zeit der napoleonischen Kriege in London ermittelt.


Der Autor James McGee lässt einen „historischen“ James Bond mit der Lizenz zum töten die Hauptrolle spielen. Ähnlich wie die Figur Bonds ist auch Hawkwoods Charakter ein ernster und manchmal verbitterter, ein Einzelgänger der viele Narben aus seinen Einsätzen trägt, psychische wie auch physische. Als „gebranntes“ Kind, ist aber trotzdem seinen Land treu ergeben, wenn auch dieser Einsatz für den Ermittler keiner ist wie jeder andere zuvor. Matthew hat scheinbar nichts wofür es sich zu leben lohnt, manchmal ist zwar in der Geschichte die Rede von einer Frau, doch spielt die aktuell keine wesentliche Rolle.


„Das Höllenschiff“ ist in der Episoden aufgeteilt: Die Einleitung spielt sozusagen auf dem Gefängnisschiff, im Mittelteil kann der Leser verfolgen wie Lasseur und Hawkwood aus ihrem schwimmenden Zuchthaus entfliehen, nur um wenig später sozusagen vom Regen in die Traufe zu kommen. Auch wenn Hawkwood viel Ähnlichkeit mit dem eines einsamen Wolfes hat, so muss er doch zwangsläufig mit dem Feind gemeinsame Sache machen. Und genau diese Zweckfreundschaft unter Feinden widmet der Autor einen großen Teil der Geschichte. Schließlich ist es ja auch nicht alltäglich, dass ein englischer Sonderermittler mit einem französischen Freibeuter kämpft. Die Interessen der beiden Hauptprotagonisten Hawkwood und Lasseur könnten unterschiedlicher nicht sein.


Auf dem Gefängnisschiff verändert sich Hawkwoods Einstellung zum Krieg vielleicht ein wenig. Auch wenn die gefangenen Franzosen auf den Schiffen Feinde sind, so hat er doch Mitleid und zugleich Achtung vor deren Schicksal. Mehr als einmal fragt sich Hawkwood nach dem Sinn des Krieges. Sein Vorhaben sich Lasseur anzuschließen gelingt, aber sehr schnell erkennt er ,dass der französische Freibeuter ein echter Freund ist, der Hawkwood sein Leben anvertraut. Als Engländer muß er auch zugeben, dass Lasseur ein wahrer Gentleman ist, wenn auch manchmal ein Schlitzohr, aber doch Anstand und Verantwortung zeigt. Die Freundschaft dieser beiden so unterschiedlichen Männer hat der Autor fabelhaft zum Grundthema erkoren. Schon nach wenigen Kapiteln wird sich der Leser fragen wie diese „feindliche“ Freundschaft denn enden wird, spätestens dann wenn die beiden auf der Flucht sind.


Paul Lasseur ist charakterlich als „Pirat“ aufgebaut. In ihm verbindet der Autor einen bunten Mix von Wagemut und Anstand, sowie Ehre und Geschäftssinn, und selbst ein Hauch von Patriotismus fehlt ihm nicht. Er ist ein Spiegelbild Hawkwoods, aber ein wesentlich klareres und manchmal stellt der den Gesetzeshüter einfach in den Schatten.


„Das Höllenschiff“ ist ein historischer Kriminalroman mit vielen Facetten. Die Action und Kämpfe kommen nicht zu kurz, genauso wenig wie inhaltliche Spannung oder tiefsinnige Dialoge. Je tiefer der Leser in die Geschichte eintaucht, desto mehr wird er beim schmökern die Zeit vergessen. Spannend, abwechslungsreich und realistisch erzählt der Autor von einer Zeit, in der sich die Grenzen zwischen Freund und Feind vermischen. Ungefähr nach der Hälfte des Buches wird man mit dem Thema des Schmuggelns konfrontiert. Gerade zu Kriegszeiten gibt es immer wieder helle Köpfe, die mit Schmuggeln viel Geld verdienen und keiner Seite wirklich angetan sind. Für sie zählt nur das Kapital, der Gewinn, der Profit der bei solchen Geschäften am Ende übrig bleibt.


Im späteren Nachwort erklärt James McGee noch die historischen Fakten: Die „Hulks“ hat es wirklich gegeben, ebenso die unterschiedlichen Fluchtversuche, wie auch die soziale Struktur unter den Gefangenen die gerade im ersten Teil eine große Rolle einnimmt. Das Buch wird mit Sicherheit bei einigen Lesern das Interesse wecken, mehr über die napoleonischen Kriege zu erfahren und ebenso vielleicht die ersten beiden Teile um den Sonderermittler Hawkwood zu lesen.


Fazit


„Das Höllenschiff“ bietet eine atmosphärisch spannende Geschichte mit vielen Schauplätzen und entwicklungsfreudigen Charakteren. Das Krieg zwar ganze Länder und ihre Menschen in einen Strudel von Gewalt und Tod ziehen kann, ist uns allen klar, aber wichtig finde ich es, dass sich der Autor die Zeit nimmt, die kämpfenden Soldaten auch als bemitleidenswerte Menschen zu zeigen.


Gerade der Freibeuter Lasseur zeigt viel Menschlichkeit und Güte, dass man bei dem beinharten Hawkwood etwas vermisst. Ich hoffe, dass der Autor Captain Lasseur in seinem nächsten Roman „Rebellion“ wieder eine Rolle spielen, denn sein Charakter bietet Potential entweder für eine eigene Reihe oder mindestens einer Zugabe.


„Das Höllenschiff“ ist ein historischer Roman mit hohem Niveau und sein Autor James McGee wird viele neue Leser gerade durch diesen Roman gewinnen können.

Spannende Unterhaltung mit viel historischen Hintergrund der nicht nur satt macht, sondern gleich den Hunger auf mehr weckt. Großartig!



Michael Sterzik






1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

ich habe das Buch jetzt vor einigen tagen gelesen und ich war unglaublich begeistert.

Ich habe die anderen teile der
"Hawkwood" leider noch nicht gelesen was mir aber aufgefallen ist das ich die Rolle des FReibeuters Lasseur oft wenn nicht sogar fasst immer symphatischer fand als die des Kommissars...

und ich finde das es mindestens noch ein buch geben sollte indem Lasseur eine Hauptrolle hat :D

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