Sonntag, 14. Februar 2010

Teufelskuss - Sarwat Chadda


Teufelskuss (Sarwat Chadda)

Das Genre Fantasy lebt zur Zeit von Romanen in denen zumeist die „Vampire“ die tragenden Rollen spielen. Doch was wird als nächster Trend die romanitischen, fast unsterblichen Blutsauger ablösen? Die Weichen sind derweil schon gestellt und Engel und Dämonen stehen derzeitig im Wartesaal und warten nur auf ihren literarischen Eintritt.
Fantasy und Mystik sind eng miteinander verbunden und oft werden Fakten mit Fiktion verbunden, besonders dann wenn es sich eh um Gruppen und Personen handelt, bei denen sich immer ein Hauch von Geheimnissen und dunkler Legenden dazu gesellen.

Im Verlag Penhaligon ist soeben der Debütroman von Sarwat Chadda – Teufelskuss erschienen.

Inhalt

Die Welt von Billi SanGreal hat sich aufgehört zu drehen als sie gerade erst fünf Jahre alt war. Ihrer Mutter wurde von Ghulen getötet und einige Jahre später mit zehn Jahren offenbart sich ihr Vater Arthur als Großmeister der Tempelritter die es sich zum Ziel gemacht haben, alles dämonische zu töten, dazu gehören, Vampire, Werwölfe, Ghule und noch jede Menge mehr Wesen, die die Menschheit bedrohen. Seit diesen Jahren lebt Billie SanGreal zwischen den Welten; einerseits geht sie wie jede andere junge Frau die fünfzehn Jahre jung ist zur Schule, andererseits wird sie von den Mitgliedern des Ordens der Tempelritter in verschiedenen Kampfkünsten praktisch und theoretisch ausgebildet. Nicht unbedingt etwas für eine junge Frau auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Das „Doppelleben“ bringt Schwierigkeiten mit sich, manch blauer Fleck und so manche Schramme oder Prellung bleiben ihren aufmerksamen Mitschülern natürlich nicht verborgen und so flüchtet sich Billi in immer neuen Ausflüchten und Erklärungen so das sie schnell als Sonderling abgestempelt wird.

Einzig ihr alter Freund Kay, der einige Zeit außerhalb von London lebte und der bei den Ordensrittern die Funktion eines „Sehers“ innehat versteht seine Jugendfreundin. Als „Seher“ der Tempelritter verfügt er über immense geistige Kräfte, wie Telepathie oder Telekinese und den Blick in die Zukunft die die Prophezeiung ausspricht, dass Billi jemanden töten muss den sie liebt um viele andere zu retten. Ein Damoklesschwert das an einem seidenen Faden über das Haupt der jungen Frau baumelt.

Die kleine Gruppe von Ordensrittern ist inzwischen ratlos. Unheimliches geht in London vor: In den Krankenhäusern erkranken immer mehr Kinder und sterben wenig später an einer mysteriösen Krankheit. Die Ärzte sind ratlos, die Eltern verzweifelt und die Bevölkerung schon alarmiert.

In der gleichen Zeit lernt Billie den attraktiven und charismatischen Mike Omen kennen. Billi fühlt sich hingezogen zum dem verständnisvollen, jungen Mann der sie als Frau und Person wahrnimmt. In ihrem Träumen stellt sie sich schon lange ein ganz, normales, langweiliges Leben vor, ohne Kämpfe und Bedrohungen durch dämonische Wesen, das ihr Gelegenheit gibt Freunde zu finden und vielleicht eine Familie zu gründen. Sie fühlt sich alleine und einsam, dass Verhältnis zu ihrem Vater ist keine gewöhnliche und längst nicht gesunde Beziehung. Scheinbar liebt Arthur seine Tochter nicht, und nicht selten zeigt er ihr die kalte Schulter wenn sie fragen oder Ängste hat.

Doch Billis Hoffnungen zerplatzen als sich Mike Omen ihr offenbart. Mike ist ein Engel, bzw. der Erzengel Michael und ist bei Gott in Ungnade gefallen und zusammen mit einigen anderen Engeln aus dem Himmel verbannt. Michael will alle Erstgeborenen töten lassen, so wie damals im alten Ägypten als er die Erstgeborenen tötet, weil der Pharao Ramses nicht auf Moses Bitten entsprechend reagiert hat. Michael möchte erreichen, dass die Menschen Gott wieder achten und ihn preisen und er ggf. dadurch wieder in den Himmel aufgenommen werden kann. Billi soll für Michael die anderen Engel die in einem Spiel aus Salomos Zeiten gebannt wurden, befreien.
Als sich Billi den Tempelrittern und ihren Vater anvertraut, ist es fast schon zu spät und ausgerechnet Satan, der gefallene Engel bietet Billi einen Handel an, doch der Preis dafür ist ein Leben.....

Kritik

Das „Teufelskuss“ der Debütroman des Autors Sarwat Chadda ist, merkt man schon nach wenigen Kapiteln. Chadda bedient sich hier ziemlich vielen Mythen und einige seine Ideen sind nicht neu. Fangen wir bei den Name an: SanGreal = die Suche nach dem Gral, eine Querverbindung zu recht vielen Legenden um die Tempelritter, dicht gefolgt von „Arthur“ dem Vater Billis, der recht viel Ähnlichkeit mit dem legendären König Arthur hat, natürlich spielt hier ein berühmtes Schwert, ähnlich das Excaliburs eine nicht wenig wichtige Rolle. Es gibt noch die eine oder andere inhaltliche Verwandtschaft über die der Leser stolpert.

Der Kampf im Himmel der gleichbedeutend mit dem Sturz Luzifers einherging ist auch nicht neu. Ebenso die Rolle eines „gestrauchelten“ Erzengels der um die Liebe Gottes bettelt und die Menschen als niedere Wesen ansieht, ist nicht originell neues.

Und ach ja...natürlich die Tempelritter, denen sowieso so manches nachgesagt wird, dürfen hier nicht fehlen. Ein kleine elitäre Gruppe, mit einer Aufgabe, bei der sie sich glorreich opfern müssen, um die Welt einmal mehr zu retten. Als die Beziehungen und zu Legenden und Erzählungen bilden den Kern der Geschichte in „Teufelskuss“.

Eingepackt in eine komplizierte Vater-Tochter-Beziehung und in den sich die Tochter überfordert, nicht geliebt und verstanden fühlt, ist all das zwar nett zu lesen, doch nicht ungemein überzeugend.

Das die vermeintlichen guten „Engel“ die bösen sind birgt ziemlich viel Potential, aber der Autor nimmt die Chance vor seinem, müden Augen wohl nicht wahr. Zu viel schnell sind die Szenenwechsel, zu flüchtig die Erklärungen die dem Leser ansatzweise aufzeigen wollen wie das Verhältnis Billis zu ihrem Vater und den anderen Rittern des Ordens ist. Zwar fängt der Roman recht spannend an, aber was nach wenigen Seiten folgt wirkt dann doch eher enttäuschend. Das Tempo ist gemessen an der Handlung viel zu schnell, die Dialoge nicht ausgereift genug und die Charaktere lassen wirklich inhaltliche Tiefe vermissen.

Sarwat Chadda hätte gerade aus seinen Protagonisten, allen voran der Erzengel Michael enorm vieles interessant und spannend erzählen können, stattdessen konzentriert er sich manchmal auf actionreiche Waffengänge mit konventionellen alten, historischen Waffen, die zudem etwas zu deplaziert sind.

„Teufelskuss“ ist keinesfalls spannend. Es ist eine Aneinanderreihung von phantastischen Personen, Wesenheiten, Gegenständen und Prophezeiungen die unter dem Deckmantel von Religion sich hier präsentieren. Sicherlich kommen im Laufe der Handlung so manche Gelegenheit an die Oberfläche die wenn sie weiter verfolgt werden würde, für Überraschungen hätten Sorgen können, aber auch das wird schlicht und ergreifend gar nicht genutzt.
Interessant für alle jugendlichen Leser ist sicherlich die Figur von Billi, die gerade auf dem Weg zur Erwachsenen Frau ihre Stellung im Leben sucht und sich später ihrer Rolle als Schlüsselperson ihren Schicksal zu stellen weiß, aber auch vermisst man so manches Mal inhaltliche Tiefe. Obwohl sie wie viele andere jungen Menschen vor der Schwelle zur Verantwortung steht und etwas Angst davor hat den nächsten Schritt zu tun um sich ihren Schicksal zu stellen. Doch manchmal ist es dann das Schicksal das den notwendigen Schritt tut....

Auch die anderen Protagonisten sind wenig überzeugend. Mit dem Erzengel Michael und dem Fürsten der Hölle Luzifer selbst, der ja auch auftritt, wären die Möglichkeiten geraden dieser beiden "Charaktere" immens hoch gewesen, etwas "neues" zu schaffen. Na ja..nicht unbedingt neu, aber zwischen Himmel und Hölle sollte es doch so manche Gelegenheit geben.

Religion spielt hier ganz gewiss auch eine tragende Rolle. Hier spielt aber der Autor gleich mit dreien der großen Weltreligionen; des Christentums, des Islams und auch der jüdische Glaube findet hier Beachtung. Doch wie bei den anderen Zutaten auch, bleibt hier ein bitterer Nachgeschmack, denn auch hier gelingt es dem Autor nicht zu überzeugen.

Was übrigbleibt ist eine kurzweilige Geschichte mit der sich gerade Jugendliche Leser identifizieren können und sich vielleicht vor ähnlichen Herausforderungen und Probleme stehen sehen wie Billie es in „Teufelskuss“ tut. Aber viele andere Leser werden von der wenig spannenden Handlung und den noch weniger anzufindenden Überraschungen und Wendungen enttäuscht sein.

„Teufelskuss“ ist ein Debütroman, kein gelungenes, aber ich hoffe, dass sich der Autor beim nächsten Roman mehr Zeit nimmt um seine Erzählung konzentriert zu schreiben, so dass wirkliche Spannung aufkommt und man mit den Protagonisten mitfiebern kann.
Der Autor hat viel gewollt, sein Ziel so vermute ich hoch gesteckt, aber deutlich vom Weg abgekommen.

Michael Sterzik

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