Mittwoch, 10. Februar 2010

Imperium - Robert Harris


Imperium – Robert Harris

„Die Kunst des Lebens besteht darin, sich mit Problemen erst dann zu beschäftigen, wenn sie auftauchen, und seine Lebenslust nicht dadurch zu ruinieren, dass man sich schon weit im Voraus darüber den Kopf zerbricht.“ (Marcus Tullius Cicero).

Dieses Zitat stammt von Marcus Tulius Cicero, der vielleicht berühmteste Redner Roms in seiner Epoche. Aber Cicero war nicht nur ein begnadeter Redner, sondern auch ein brillanter Anwalt, ein gerissener und ehrgeiziger Politiker, ein großartiger Schriftsteller und sicherlich auch ein philosophischer Kopf. Er war ein überzeugter Republikaner der seine Karriere zielstrebig vorantrieb, und sich dadurch nicht nur bedeutsamer Freunde schuf, sondern auch erbitterte Feinde im römischen Senat. Nichtsdestotrotz war Cicero ein vielseitiger Kopf in der Antike und noch heute nach zwei Jahrtausenden, wird der Rhetoriker und ehemaliger Konsul oft zitiert.

Viele seiner Schriften, Werke, Briefe und Reden sind der Nachwelt erhalten geblieben, seine Person wird aber immer noch sehr kontrovers, politisch betrachtet und interpretiert. In seinem Politischen Radius tauchen viele bekannte Persönlichkeiten auf, die vor und nach dem Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pompeius und nach dem Tode des erstgenannten Diktators eine wesentliche Rolle spielten für die Stadt am Tiber.

Robert Harris hat in seinem Roman „Imperium“, erschienen im Heyne Verlag der politischen wie auch persönlichen Gestalt des Marcus Tullius Cicero viel Raum gegeben. „Imperium“ ist der erste Band einer geplanten Trilogie um die Person Ciceros die einigen Lesern noch aus dem Lateinunterricht bekannt sein sollte.

Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Tiro, M. Tullius dem Privatsekretär von Cicero der ihm nicht nur als Sklave, sondern auch als Vertrauter und Berater respektvoll und loyal zur Seite gestanden hat. Tiro berichtet dem Leser aus der Retrospektive eines alten Mannes der seinen ehemaligen Herrn überlebt hat und nun spannend und unterhaltsam erzählt was er mit Cicero in 36 Jahren erlebt und überlebt hat.

Inhalt

Marus Tullius Cicero ist in Rom, dass Zentrum der Macht in der damaligen antiken Welt, ein einfacher, aber ehrgeiziger Anwalt. Mit seiner einzigartigen Rhetorik, die überzeugend und zugleich hochintelligent ist, weiß er, wie er sein Talent gewinnbringend zu nutzen weiß. Schon längst ist dem jungen Anwalt, bewusst, dass die Macht seiner Worte, Waffen sein können wenn diese zur rechten Zeit, die richtigen Zuhörer im Plenum bekommt.

Nach seiner Rückkehr aus Griechenland, hat sich Cicero als brillanter Anwalt schnell einen Namen gemacht und ist im Senat ein gern gesehenes Mitglied. Um weiter in der politischen Hierarchie aufzusteigen, die Macht und Einfluss bedeuten kommt ihn der Fall und der Prozess gegen den einflussreichen und korrupten sizilianischen Statthalters Gaius Verres gerade Recht. Von Erpressung und Mord ist hier die Rede und natürlich von der persönlichen Bereicherung Verres.

Ciceros Spiel wird gefährlich denn Verres hat einflussreiche Freunde im römischen Senat vor Erpressung und Drohungen hintern den Kulissen auch nicht halt machen. Für Cicero bedeutet dieser Prozess in seiner politischen Karriere den entscheidenden Schritt. Gewinnt er den Prozess so, ebnet sich nicht nur sein Einfluss und seine Position im Senat, er könnte für einen Konsulatssitz kandidieren und hätte eine vielversprechende Karriere vor sich. Andererseits wäre er politisch und auch als Anwalt vernichtet, sollte er den Prozess aus welchen Gründen auch immer verlieren. Und bei einer Rache von Verres könnte er nicht nur seinen Beruf verlieren, sondern vielleicht auch sein Leben.

In dieser Konfrontation muß Cicero und sein Sekrtär Tiro alle Register ziehen. Wer ist Freund und wer Feind? Wer kann profitieren von einem Sieg gegen Verres, oder wer alles verlieren...?

Kritik

Robert Harris hat es sich zur Aufgabe gemacht, einen Polit-Thriller zu schreiben mit einem Hauptprotagonisten der charakterlich vielschichtig und mit seinem überlieferten Reden, Briefen und Werken uns ein gutes soziales und politisches Bild der untergehenden Republik Roms zeigt.

„Imperium“ wird aus Tiros Perspektive erzählt und interessant ist es für den Leser zu wissen, dass Tiro keine fiktive, sondern eine belegte historische Figur ist. Im Roman gibt es zwei Teile auf die sich der Leser wohlweislich konzentrieren muss: Der erste beschreibt Cicero als Senator in Rom und wenig später als Prätor mit Aussicht ein Konsul zu werden. Das langersehnte und höchste Ziel des ehrgeizigen Ciceros.

Robert Harris hat sich viel mit der historischen und ja auch tragischen Figur von Cicero beschäftigt. Quellen für Recherchen gibt es ja genug, aber was dem Autor wirklich gut und realistisch erzählt gelingt, ist das persönliche Leben Ciceros. Seine philosophischen Gedanken, seine Beweggründe um Macht, Ethik, Moral und Gesetz stehen ganz im Licht und Schatten der damaligen Politik der Weltmacht.

„Imperium“ ist der erste Teil dieser Trilogie und Harris beginnt mit seiner Erzählung als Cicero zwar kein unbekannter, aber auch noch kein einflussreicher Politiker ist. In den ersten Kapiteln die sich wie eine kurze Biografie lesen, wirkt die Geschichte trocken und wenig begeisternd, doch das ganze Potential der Geschichte und des Könnens und Talents Ciceros findet erst später statt. Warum der Autor sich nicht der Ausbildung und der Jugend Ciceros widmete, ist schade. Zwar erhält der Leser einen kleinen Einblick in den Reisen Ciceros die sein Talent in der Vergangenheit erklären, doch wäre es hier für die Komplexität vom Vorteil gewesen, wenn der Autor schon die Ausbildung Ciceros erzählt hätte.

Roms Politik mit seinen vielen Ämtern ist nicht einfach zu verstehen, doch Robert Harris zeigt im Roman dem Leser sehr deutlich wie man die damalige Politik interpretieren kann. Wie auch heute geht es um Einfluss, Beziehungen und egoistische Vorteile von einzelnen Personen. Ein politisches Schachspiel bei dem die Figuren auf dem Brett austauschbar sind und nicht selten sich der Person anschließen die der eigenen Karriere möglichst schnell dienlich sein könnte.

Spannend ist Ciceros Machtspiel allemal. Nicht nur die Erbringung von Beweisen gegen dem Statthalter Verres, sondern auch die Dialoge der politischen Charaktere. Historische Persönlichkeiten, wie Cato, Pompeius und nicht zuletzt Gaius Julius Caesar geben sich hier ein Stelldichein. Letzterer wird in den nächsten beiden Teilen mit Sicherheit die alles entscheidende Person sein, schließlich schildert der Autor ja auch den Niedergang der Republik und die Geburt eines Diktators.

Der zweite Teil des Buches nimmt der Geschichte ein wenig die Fahrt und vielleicht auch den Kurs. Es sind einige Jahre vergangen und Rom sieht sich vor der Gefahr von Piratenangriffen, die die See- und Handelsrouten bedrohen und damit die gesamte Wirtschaft und das Wohle Roms. Cicero der sich inzwischen einen Namen im Senat gemacht hat, stellt sich auf die Seite des erfahrenen Feldherren Pompeius, der die Piraten mit Roms militärischer Macht bekämpfen möchte. Doch Ciceros Motivation ist und bleibt die politische Karriere voranzutreiben....

Politik kann spannend sein, wenn sie unterhaltsam und vor allem einfach und geradlinig erzählt, die der Leser auch versteht, ohne gleich zum Lexikon zu greifen. Robert Harris gibt der Geschichte seine unterhaltsame Note und schafft es die Politik dem Leser spannend zu präsentieren. Nicht nur die Person Ciceros sondern die gesamte politische Bühne Roms steht im Mittelpunkt seiner Geschichte, auch das betont der Autor in seinem Nachwort.

Fazit

„Imperium“ ist ein spannender, juristischer Krimi, der nicht nur unterhält, sondern dazu auch lehrreich ist. „Imperium“ ist mit Sicherheit kein Sachbuch, und möchte es auch gar nicht sein, aber wer etwas über das Leben und Wirken dieser politischen Figur lese möchte, der sei mit „Imperium“ gut beraten.

Michael Sterzik






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