Donnerstag, 17. Dezember 2009

Tuck - Streiter des Herrn - Stephan R. Lawhead


Tuck – Streiter des Herrn – Stephan R. Lawhead

Stephan R. Lawhead hat in seinen beiden ersten Bänden „Hood“ und „Scarlet“ die Legende des Geächteten und Vogelfreien Patrioten Robn Hood neu aufleben lassen.

Wurde im ersten Teil „Hood – König der Raben“ die Geschichte aus der Perspektive von Bran, den rechtmäßigen König von Elfael erzählt, der in die Dunkelheit der Wälder Wales flüchtete und mit seiner Schar von Geächteten die Normannen bekämpfte, so wechselte die Perspektive mit der Einführung von Will Scarlet im zweiten Teil „Scarlet – Herr der Wälder“. Beide Romane sind spannend verfasst und bilden mit den bekannten Charakteren aus der Legende um den Waldläufer ein unterhaltsam, farbenprächtiges Bild.

Im vorliegenden dritten und abschließenden Roman der Reihe um „Robin Hood“ – Tuck – Streiter des Herrn“ von Stephan R. Lawhead übergibt der Autor erzählerisch das Zepter Bruder Tuck, sozusagen dem geistigen und körperlichen Beistand der Geächteten. Dieser Roman wird auch vorrausichtlich der letzte aus der Reihe dieser Interpretation Robin Hoods sein.

Spielen die anderen Protagonisten um den edlen Räuber eher mehr oder minder wichtige Haupt-, und Nebenrollen, so war und ist Bruder Tuck eher eine wirkliche Nebenrolle auf dem Leib geschrieben, aber im wahrsten Sinne des Wortes eine gewichtige.

Der Titel des Buches „Tuck – Streiter des Herrn“ deutet schon an, dass Tuck eine wichtige Rolle in der Handlung einnimmt und der Schlüssel zum Königreich von Elfael für Bran sein könnte.

Inhalt

Bran der Rabenkönig und rechtmäßige König von Elfael kämpft noch immer mit seinen Geächteten, den „Grellon“ gegen die normannischen Invasoren die mit ihrer brutalen Willkür Wales unterjochen und dessen Bewohner auspressen.

Durch Zufall ist es dem gerissenen Geächteten gelungen einen Plan zur Verschwörung gegen den König aufzudecken und ihm direkt die Pläne der ausführenden Hintermänner zu präsentieren, mit der Bitte ihm als Belohnung für seine Warnung das rechtmäßiges Erbe, den Thron und das Land von Elfael zurückzugeben.

Doch Brans Wunsch und Bitte wird vom König ausgeschlagen. Die Verschwörer werden verbannt und wieder in die Normandie geschickt, aber Bran steht trotz alles Gefahren die er auf sich genommen hat, mit leeren Händen. Sein Königreich fällt dem habgierigen Abt zu, der Elfael verwalten soll. Dieser aber sieht sich direkt von Bran und seiner Schar bedroht und ruft zum Heiligen Krieg gegen die Waldbewohner aus.

Bran befindet sich indes enttäuscht und wütend auf den Rückzug in den Grenzmarken der Wälder Wales. Wenigstens konnte der junge Mann das Leben seine Gefährten Will Scarlet retten, aber zufrieden ist der Rabenkönig mit seiner Gesamtsituation nicht. Kurz vor dem Ziel werden Bran und seine Gefährten im Wald fast Opfer einer Falle die ihn der verräterische Abt gelegt hat, aber nach einem kurzen heftigen Kampf siegen die Geächteten und flüchten in die vertrauten Regionen der Wälder.

Bran ist verzweifelt, nach Monaten des Kampfes und der Entbehrungen steht er mit seinen „Untertanen“ vor zerstörten Träumen und zerschlagenen Hoffnungen. Unzufriedenheit macht sich bei den Geächteten und ihren Familien breit, viele möchten nicht mehr von der Hand in den Mund leben, ständig der Gefahr ausgesetzt sein, entdeckt zu werden und schließlich in den Wintermonaten Schnee und Eis ausgesetzt zu sein. Manche Familien verlassen konsequent das kleine, provisorische Dorf im Wald und hoffen auch die Hilfe und Aufnahme von Freunden und Verwandten in den benachbarten Königreichen.

In diesen dunklen Stunden verliert Bran fast alle seine Hoffnungen, aber seine Freunde und Vertrauten, allen voran Little John, Scarlet und Bruder Tuck geben nicht auf und so entschließt sich Bran militärische Unterstützung bei seinen Verwandten in einem benachbarten, kleinen Königreich zu suchen. Doch auch dort angekommen ist die Enttäuschung groß, der König ist im Kerker einer Normannischen Burg gefangen und eine gewaltsame Befreiung ist mehr als chancenlos.

Bruder Tuck und Bran entwickeln einen Plan den König aus den Händen der normannischen Besatzer zu befreien, aber dann geschieht unerwartetes und Tuck wird zur einzigen Hoffnung für Bran und sein kleines Königreich Elfael....

Kritik

„Tuck – Streiter des Herrn“ von Stephan R. Lawhead ist der letzte Band der Trilogie um den Geächteten Robin Hood und seiner Freunde.

Der Titel allerdings ist sehr unpassend gewählt. Sicherlich spielt der sächsische Bruder Tuck eine Schlüsselrolle, aber er ist weit davon entfernt ein „Streiter des Herrn“ zu sein. Unüblicher weise wird auch die Geschichte nicht aus der Perspektive des dicklichen Mönchleins erzählt, sondern der eigentliche Dreh- und Angelpunkt ist wie im ersten Teil ist Bran.

Der Roman ist wie beide Teile vorher spannend, doch weißt er auch Längen auf die etwas Durchhaltevermögen verlangen. „Tuck“ beginnt genau dort wo „Scarlet“ endete und setzt die Geschichte weiter fort. Viel zu lang geraten ist allerdings die Handlung in der Normannischen Festung um den alten König aus den Händen der Besatzer zu befreien. Zwar für den Roten Faden ist es unabdingbar, aber er hätte bei weitem nicht so lang und träge sein dürfen.

Die weiteren Handlungen, es gibt gleich mehrere, z.B. erweist sich Mèrian als ungemein pro aktiv und geht ihren eigenen Weg, sind schnell erzählt. Leider kommen viele Charaktere aus den ersten beiden Teilen nur selten vor und tragen nicht viel zur Handlung bei. Auf der Normannischen Seite gibt es einige Überraschungen die den Leser erfreuen werden, z.B. Baron Neumarche erweist sich als besonnen und voraussehend. Der Sheriff und Gysburne sind dann eher nur Randfiguren, tragen aber trotzdem einiges für die Entwicklung bei.

An Dramatik kann es der Roman aber weitem nicht mit den ersten beiden Teilen aufnehmen. Zu vieleLängen und zu vorhersehbar wird die Handlung im Laufe der mehreren Hundert Seiten, so das man manches Mal doch ein wenig ernüchternd wirkt. Auch gibt es auf der Seite von Bran und seinen Geächteten nicht wirklich eine charakterliche Entwicklung oder Abwechslung. Einzig und allein Mèrian und ihr Dickopf haben Erfolg. Allerdings verhält sich das auf normannischer Seite dann anders und gibt der Geschichte mehr Raum sich zu entfalten. Neben Baron Neumarche, gewinnt der normannische König Wilhelm am Boden und handelt überraschend, wenn auch manchmal etwas voreilig.

Parallelen zu der ursprünglichen Legende um Robin Hood gibt es gar keine so das der Schluss der Handlung anders ist, als wie wir ihn bislang kennengelernt haben. Ein wenig zu seicht nicht wirklich formvollendet erzählt. Es hätte ruhig ein wenig dramatischer sein können. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass Stephan R. Lawhead selbst nicht richtig wusste wie er den Roman abschließen sollte.

Fazit

„Tuck – Streiter des Herrn“ ist natürlich Empfehlungswert, gerade unter der Tatsache, dass man ja schon die ersten beiden Teile gelesen hat und man selbstverständlich wissen möchte, wie es denn nun endet mit Bran und seinen Getreuen.

Sehe ich die drei Romane als Gesamtwerk so kann ich diese jeden Liebhaber von Historischen Romanen wärmstens an Herz legen.

Stephan R. Lawhead Stil ist frisch, gut lesbar und die Handlung bis auf wenige Ausnahmen durchweg spannend und abwechslungsreich. Ein großes Lob und Respekt sein dem Autor für seine Interpretation Robin Hoods auszusprechen, auch wenn es viele Abweichungen gibt, so dann auch die eine oder andere Parallele. Die Normannen kommen egal in welche Geschichte um den Geächteten schlecht weg, aber gerade hier in dem letzten Teil, schafft es der Autor auch mal die Perspektive der Normannen aufzuzeigen und verurteilt sie nicht gänzlich als die bösen Invasoren.

Historisch gesehen waren sie ja auch wirklich wichtig für die Entwicklung auf der Insel, aber das ist dann noch ein ganz anderes Kapitel, aber nicht minder spannend.

Michael Sterzik


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