Freitag, 27. November 2009

Störtebekers Henker

Störtebekers Henker – Silke Urbanski

Klaus Störtebekers Legende lebt noch 700 Jahre nach seiner Hinrichtung in Hamburg und beschäftigt noch Autoren oder Regisseure. Das Leben des berühmt-berüchtigten Seeräubers der zudem noch ein Anführer der Vitalienbrüder gewesen sein soll, wird in vielen Romanen heroisiert. Lange Jahre kämpfte Störtebeker mit Gödeke Michels an seiner Seite gegen die hanseatischen Pfeffersäcke.

In Nord- und Ostsee wurden die Vitalienbrüder schnell zu einer Gefahr für die hanseatischen Städte wie Hamburg und Lübeck. Der gesamt Handel mit Waren aus England und Holland war im Begriff zugrunde zu gehen, so angespannt war die Situation um 1400 rum. Am 22.April 1401 wurde Störteböker in einer Seeschlacht bei Helgoland von der Hanseatischer Flotte unter der Führung von Simon von Utrecht gestellt, und nach heftigen Kampf gefangengenommen. Der 20 Oktober 1401 sollte dann zum Todestag des Seeräubers werden. Zusammen mit 30 Gefährten wurde Störtebeker auf dem Grasbrook in Hamburg enthauptet. Die Köpfe der Enthaupteten wurden entlang des Hafens zur Warnung an der Elbe aufgestellt. Ein deutliches Symbol der Abschreckung für alle Seeräuber und Halunken der Meere.

Um seinen Tod, genau wie um seine historische Person ranken sich viele, viele Legenden und in manchen Liedern und Überlieferungen wird Störtebeker als eine Art Freiheitsheld dargestellt. Seine Beute die er den reichen hanseatischen Kaufleuten abgenommen hat, soll er an die Arme und Bedürftigen geteilt haben, weiterhin soll er über immense Körperkräfte verfügt haben und einen Stiefel Bier mit einem Zug leeren können.

Was für eine Mensch war Klaus Störtebeker? Ein brutaler Seeräuber, ein Volksheld oder einfach ein willkommenes Opfer für die Politik der Hansestädte?

Silke Urbanksi, selbst in Hamburg geboren ist promovierte Mittelalterhistorikerin mit den Schwerpunkten Kloster, Hanse- und Wirtschaftsgeschichte und hat in ihrem Roman „Störtebeker Henker“ dem Mythos um den Seeräuber zum Thema gemacht.

Inhalt

Richard von Hardin, ein Ritter des Deutschen Ordens ist das Töten für Gott und den Fürsten Leid. Noch immer verfolgen ihnen in seinen Träumen das Blutvergießen, die Sünden und Taten seines ganzen Lebens. Über viele Umwege auf der Suche nach „Arbeit“ wird der ehemalige Deutschordensritter zur persönlichen Eskorte eines Viehtriebes in die Hansestadt Hamburg. Doch das Unglück reist mit dem armen Ritter und so wird er wegen einigen Unstimmigkeiten von seinem Auftraggeber durch das Schnellgericht der Hansestadt angeklagt und wird am Pranger zum Gespött der Bürger.

Noch ärmer und verzweifelter ist seine Lage schier ohne Perspektive wird ihm ein Auftrag der Stadt angeboten. Der Hanse ist es nach Jahren gelungen dem berüchtigten Vitalienbruder Klaus Störtebeker vor Helgoland habhaft zu werden.

Zusammen mit seiner Mannschaft wartet der Seeräuber auf seine nicht zu vermeidbare Hinrichtung. In Gefangenschaft werden die Gefährten um Störtebeker durch Folter Geständig, doch viele sterben lieber als Zugeständnisse zu machen. In der Stadt macht sich schnell die Unruhe breit, viele sehen in Störtebeker einen Mythos, einen ehrenhaften Mann und würden die Vitalienbrüder lieber frei sehen.

In dieser angespannten Situation halten es die Räte der Stadt für wichtig die Hinrichtungen nicht lange aufzuschieben. Doch leider ist das Geschick mit dem Richtschwert des amtierenden Henkers nicht wirklich zufriedenstellend. Also sieht man in dem armen aber sicheren Schwertkämpfer Richard von Hardin angemessen Ersatz....

Kritik

„Störtebekers Henker“ von Silke Urbanski ist eine facettenreiche und inhaltlich spannende Geschichte aus der glorreichen Hansezeit. Besonders gut gelungen sind ihre detaillierten Schilderungen der gesellschaftlichen und politischen Zusammenhänge in der Stadt Hamburg und der Hanse überhaupt.

Hauptplot des Romanes ist eine Intrige die der ehemalige Ritter und jetziger Henker zusammen mit einer heilkundigen Begine aufdeckt. „Störtebekers Henker“ ist also ein Historischer Krimi und ein recht guter dazu.

Silke Urbanski die studierte Historikerin ist und deren Schwerpunkt die Hansezeit ist, begeistert und überzeugt mit einer spannenden Geschichte und gut ausgearbeiteten Charakteren. Vielseitig und abwechslungsreich erzählt sie den Mythos um den berüchtigten Störtebeker und entwirft ein kritisches Bild auf die damaligen Patrizier und ihrer korrupten Machtstellung.

Fakten und Fiktion kombiniert die hanseatische Expertin Silke Urbanski gekonnt und stilistisch einwandfrei. Phasenweise erkennt man allerdings die tiefe historische Verwurzelung und die Autorin driftet manches Mal zu sehr ein in die sozialen und gesellschaftlichen Gruppen, so das der Leser manchen Cliffhanger über sich ergehen lassen muss.

Die Protagonisten sind überschaubar und absolut gekonnt in die Handlung eingewoben, so das der Leser sich auch hier nicht von vielen Nebenhandlungen und weiteren Personen verwirren lassen muss. Im Anhang befinden sich neben der Danksagung und dem Nachwort, ein Personenregister und ein sehr gutes Glossar, dass neben den Personen auch Begrifflichkeiten aus dem Mittelalter, der Hansezeit anschaulich erklärt.

Fazit

„Störtekers Henker“ von Silke Urbanski ist im Emons Verlag erschienen und wird dem Leser von Historischen- Romanen und Krimis lange in Erinnerung bleiben. Fabelhaft recherchiert, überzeugt die Geschichte mit viel Hintergrundwissen und einer spannenden Handlung.

Michael Sterzik




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