Samstag, 21. November 2009

Furie - Chelsea Cain


Furie – Chelsea Cain

Archie Sheridan erster Fall begann vor 10 Jahren. Als die ersten Leichen gefunden wurden, alle schrecklich verstümmelt, wurde die Vermutung schnell zur erschreckenden Erkenntnis, dass es sich hier um einen Serienkiller handeln musste.

Für Portland wurde die Mordserie zu einem Alptraum. Die Ermittler können keine Muster erkennen, zu unterschiedlich sind die Opfer in ihrer sozialen Herkunft, ihres Alters, ihrer Rasse und ihrer Vergangenheit. Nach welchen Details sucht sich der Mörder seine potentiellen Opfer aus?

Überall im Land findet man Opfer und die Polizei von Stadt und Staat unter Druck gesetzt, bilden um Archie Sheridan herum die Sonderkommission „Beauty Killer“. Profiler des FBI und die Soko fahnden fieberhaft nach de Täter um der Mordserie ein Ende zu machen, doch erst nach 10 Jahren weiß Archie wer der Täter ist. Die Psychologin Gretchen Lowell, die ebenfalls ein Mitglied der Soko-Einheit „Beauty Killer“ war, betäubt und entführt Archie und foltert diesen über zehn Tage hinweg. Gretchen Lowell bricht den Ermittler physisch wie auch psychisch, unter unvorstellbaren Qualen immer am Rande des Todes, retten die Psychopathin Archie, nur um ihn erneut zu foltern.

Letztlich ist es aber Gretchen selbst, die sich mit einem Telefonanruf den Behörden stellt und damit Archies Leben rettet. Doch nach diesen qualvollen Tagen in Gretchens Keller ist sein Leben ein Trümmerhaufen. Seine Frau Debbie und seine Kinder verliert Archie, er ist nicht mehr der gleiche. Gretchen hat etwas in ihm getötet und zugleich geweckt. Selbst zwei Jahre nach der Verhaftung der Psychopathin Gretchen, besucht Sheridan jeden Sonntag seine Peinigerin im Gefängnis unter strengster Aufsicht und Sicherheitsvorkehrungen. Gretchen spielt mit dem Mann den sie liebt und hasst, und gibt Archie immer wieder zur „Belohnung“ Hinweise wo sich weitere Opfer befinden und was sie mit ihnen gemacht hat, bevor sie sie grausam getötet hat. Ein makabres Katz-und-Maus-Spiel mit der schönen und faszinierenden Serienmörderin.

Als in Portland Jugendliche Mädchen verschwinden und wenig später tot aufgefunden werden, entscheidet sich Archie Sheridan zu seiner alten Einheit zurückzukehren um den Serientäter schnellstens zu finden. Archie übernimmt die Leitung seiner „Soko“ und obwohl er noch immer unter seelischen Qualen leidet, ist Arbeit und Ablenkung vielleicht die beste Therapie für ihn. Die Zeit drängt, drei Leichen junger Mädchen hat man schon ermordet aufgefunden, und ein viertes wurde gerade erst direkt vor der Highschool entführt.

Archies Team ist fast das gleiche wie vor zwei Jahren. Nur die junge Journalistin Susan Ward als ständige Vertreterin der Presse soll die Ermittlungen begleiten. Sie wittert eine große Story, die sie schnell berühmt machen könnte, denn neben den Ermittlungen soll sie ebenso eine Story über Archie schreiben und in seiner Vergangenheit graben.

In Laufe der Ermittlungen an ihrer alten Highschool und der ersten Begegnung mit der inhaftierten, wird aber ebenso ein Teil ihrer Vergangenheit ans Licht gebracht und das macht sie angreifbar und so mit wird sie zum Mittelpunkt von Gretchens grausamen Plänen...

Kritik

Man könnte meinen, dass Gretchen Lowell Verwandt ist mit Dr. Hannibal Lecter, doch Gretchen ist grausamer, intelligenter und raffinierter. Sie tötet weil sie es aufregend findet, weil sie Gefallen daran findet und so meint ihr Leben intensiver zu gestalten. Die Qualen ihrer Opfer, deren Ängste und auch das letzte Fünkchen Hoffnung auf Rettung kostet sie vergnügt und genüsslich aus. Ihre Form von Sadismus und Brutalität ist einzigartig.

Perfide spielt die Serienmörderin nicht nur mit ihren „Patienten“. Sie verführt und manipuliert, nicht nur wunderschön, zudem auch intelligent ist Gretchen eine Soziopathin. Nur bei Archie bringt sie ein gewisses Maß Mitgefühl und Verständnis mit. Sie fühlt sich hingezogen zu dem Mann der sie jagt und nennt ihn gerne „Liebling“.

Die Autorin Chelsea Cain hat mit den Figuren „Gretchen“ und „Archi“ zwei sehr unterschiedliche Protagonisten geschaffen, die eine gewisse Abhängigkeit suggerieren. „Furie“ ist ein explosiver Thriller der schon nach den ersten Seiten des lesen zeigt, wohin es geht. Es gibt satte Gewaltszenen, gerade in den Rückblenden in denen Gretchen Archie foltert, ihm Nägel in den Brustkorb hämmert, oder ihm bei vollen Bewusstsein die Milz herausoperiert um sie Achies Partner Henry Sobol als Lebenszeichen zukommen zu lassen, sind drastisch erzählt. Doch „Gretchen“ wirkt faszinierend als „Person“, ähnlich morbide wie die Darstellung eines Dr. Lecters.

In den Rückblenden lässt Chelsea Cain Archie Sheridan die Folter aus seiner Perspektive erzählen und damit umgeht die Autorin die Haupthandlung und bewirkt damit den Effekt, dass sich der Roman immer spannender entwickelt.

„Furie“ ist in drei Teilen aufgebaut. Die Ermittlungen der Soko die das Ziel hat das Treiben des Serienmörders zu stoppen ist inhaltlich detailliert und sehr erzählt. Die Journalisten Susan Ward, ein Paradiesvogel im Nachrichtengeschäft wirkt anfangs in sich verloren, sehr unsicher, aber immer mit dem Ziel vor Augen mit ihrer Arbeit über Archie erfolgreich zu sein und damit Aufmerksamkeit und Annerkennung zu erhalten. Der dritte Teil sind die Rückblenden in denen „Gretchen“ den Ton angibt und das Martyrium Archies brutal erzählt wird. Auch wenn dieser Part inhaltlich am wenigsten Raum einnimmt, so wird sich der Leser mit absoluter Sicherheit primär daran erinnern. Exemplarisch für den Roman sind die Begriffe: Obsession und Kontrolle um die sich in allen Haupt- und Nebenhandlungen dreht.

Doch es gibt noch etwas anderes was faszinierend erzählt wird. „Manipulation“ aus dem Gefängnis heraus. Selbst aus der Zelle spielt „Gretchen“ mit ihren Schachfiguren auf ihrem Spielfeld und ist jedem immer einen Zug voraus, dass weiß und akzeptiert Archie, denn nur so kann er sich selbst und andere retten.

„Furie“ ist ein klassischer Thriller der es mit anderen ähnlichen Romanen absolut aufnehmen kann. Das Tempo ist durchschnittlich, die Gewalt und das Zusammenspiel Gretchens und Archies nicht ohne. Inhaltlich spannend und vielseitig gibt es nur wenig auszusetzen. Die Ermittlungsarbeit und Fahndung nach dem neuen Serienkiller wirkt ab und an etwas träge, doch da die verschiedenen Handlungsstränge abwechseln, lässt sich das wohl entschuldigen.

Der Leser wird wie es manchmal bei „Thrillern“ aber eher bei Kriminalromanen der Fall ist, mitermitteln können. Nach und Nach tauchen gleich mehrere Tatverdächtige auf, mehr und minder verdächtig. Die Lösung dieses Rätsels offenbart sich allerdings erst am Ende, jedenfalls glaubt man das, aber Gretchen ist immer für eine Überraschung gut und lässt ihre Marionetten sich gerne etwas verwirren.

Archie Sheridan als zweiter Hauptcharakter ist schwer zu analysieren. Im Grunde ist er tot, in Gretchen Keller gestorben und ähnlich wie Frankensteins Monster aus zahlreichen Bruchstücken zusammengesetzt. Seine Verlorenheit, seine tiefe Verletztheit münden in einer Traurigkeit die man mitfühlen kann. Anders verhält es sich mit seiner obsessiver Abhängigkeit gegenüber seiner Peinigerin. Ein Psychogramm, ein Verhältnis was faszinierend auf den Leser wirkt und man durchaus nachvollziehen kann.

Fazit

„Furie“ von Chelsea Cain ist ihr Debütroman und ein grandioses. Wenn die „Furie“ losgelassen wird, so gibt es kein halten mehr. Das Böse ist und bleibt vielschichtiger und faszinierender und hat in der Person „Gretchens“ sein Werkzeug gefunden.

Ich kann den Roman sehr empfehlen. Alleine das „Stockholm-Syndrom“ unter dem Archie leidet, ist zwar keine neue Idee, dafür aber die Figur „Gretchens“, die süchtig nach mehr machen kann.

Hochspannung ist hier garantiert, denn nicht zuletzt hat Chelsea Cain ihre Tochter gebeten den Roman erst zu lesen, wenn sie Erwachsen ist. Der Leser wird am Endes schnell feststellen das sie hier Recht hat.

Autorin

Chelsea Cain, geboren 1972, verbrachte ihre Kindheit auf einer Farm in Iowa. Sie studierte Politikwissenschaft und Journalismus und arbeitet als freie Autorin. Nach einigen preisgekrönten Jugendbüchern ist „Furie“ ihr Debüt im Thriller Genre, mit dem sie auf Anhieb die „New-York-Times“ Bestsellerliste eroberte. Chelsea Cain lebt mit ihrer Familie in Portland, Oregon.

Michael Sterzik





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