Dienstag, 28. Juli 2009

Schwertgesang - Bernard Cornwell


Die Invasion der Nordmänner die man auch als Wikinger bezeichnet, und die die britische Insel überfielen war in vielerlei Hinsicht dramatisch, brutal, aber auch wichtig für spätere Epochen. Die Briten, oder sagen wir besser, die früheren Sachsen waren vor der Bedrohung durch die Wikinger ziemlich uneins und bekriegten sich ständig und immer wieder aufs Neue. Königreich gegen Königreich, Adelsgeschlecht gegen Adelsgeschlecht, eine endlose, fast unaufhaltsame Konfrontation deren Wucht erst durch das feindliche Eindringen von außen ein Ende gesetzt wurde.

König Alfred, ein religiöser, aber auch machthungriger Herrscher besiegte die Dänen in einigen Schlachten, doch auch unter immensen Verlusten. Ein späterer Waffenstillstand zwischen den Kontrahenten wurde immer wieder unterbrochen, nicht nur von den wilden Männern aus dem Norden. Auch Alfred träumte von einen geeinigten „England“, einem einzigen Königreich, dass zudem noch als Insel ein ziemliches Bollwerk sein könnte, gegen jeglichen Eindringling aus den nordischen Ländern.

Im laufe der Jahren akklimatisierten sich auch die Spannungen zwischen den verschiedenen Völkern. Es gab so viele grundsätzliche Unterschiede in den beiden Kulturen: Alleine schon die Religion der Nordmänner die Gottheiten, wie Thor und Odin verehrten und etliche Gottheiten neben ihnen, konnten nur schwer den Glauben der Christen nachvollziehen. Doch auch wenn die Nordmänner schreckliche, brutale Krieger waren, gab es unter ihnen einige die den Weg der Diplomatie suchten und nebenbei noch den Christlichen Glauben für sich entdeckten.

Inzwischen gab es auch kleinere Siedlungen in denen die Mischehen zwischen Wikingern und Sachsen rasch an Zahl zunahmen. Der Grundstein für die späteren „Normannen“. Doch es war noch immer keine Zeit des Friedens. Kriegsfürsten aus den Norden – seien es nun Dänen oder auch Norweger, waren auf Eroberung und Beute aus. Ihnen waren Waffenstillstände zwischen Sachsen und Wikingern völlig gleichgültig, zu groß war die Aussicht auf Gold, Sklaven und Lebensraum.

Bernard Cornwell beschreibt in seinem vierten Roman „Schwertgesang“, der die nordische Sage weiterführt den Kampf um „Lundene“, dass spätere London. Wieder einmal muß Uhtred zum Schwert greifen, und gegen die Männer kämpfen die ihn liebevoll und mit Respekt aufgezogen haben.

Inhalt

Uthtred, der König Alfred von Wessex seine Treue geschworen hat, wird ein weiteres Mal in die Pflicht genommen, sein Schwert zu ziehen und zu kämpfen. Zwar herrscht ein brüchiger Frieden zwischen den Sachsen und den Wikingern, aber König Alfred verfolgt weiterhin mit Nachdruck sein Ziel, die Invasoren zu verdrängen die einen Großteil des späteren Britanniens erobert haben.

König Alfred geht strategisch und taktisch klug vor. Längst ist ihm bewusst das die Themse die Lebensader für die Insel darstellt. Waren, Waffen und Krieger können hier schneller als zu Land durch die Regionen befördert werden. Fakt ist aber leider, dass „Lundene“, dass heutige London nicht in seiner Hand ist. Wer „Lundene“ kontrolliert, der könnte die ganze Insel beherrschen. Dänen und Norweger haben die noch kleine Stadt fest in ihrer Gewalt, und es drohen weitere Verbände aus dem Norden sich diesen Kriegern anzuschließen.

Nun soll Uhtred die Kohlen aus dem Feuer holen und Lundene zurückerobern. Eine Aufgabe für die eigentlich sein Vetter Æthelred vorgesehen ist, schließlich soll dieser später über die Stadt herrschen, sogar König über diese Region werden. Æthelred ist ein sturer, brutaler Mann und verheiratet mit jemanden den Uhtred sehr, sehr schätzt.

Æthelflaed, die Gattin seines Vetters, ist aber ebenso stur und eigensinnig wie ihr Gemahl und so begleitet sie auf den Feldzug um Lundene zu befreien.

Uhtred der seinen guten Ruf bei den Nordmännern ausnutzt, spioniert in der besetzten Stadt die Verteidigungsstellen der beiden Norwegischen Brüder Sigefrid und Erik Thurgilson aus. Nach einigen erbitterten Kämpfen fällt die Stadt Uhtred und seinem Vetter zu, doch nur wenig später begeht Æthelred eine fatale dumme Tat und seine schwangere Frau und zudem Tochter von König Alfred wird von den Nordmännern entführt. Uthred fühlt sich nicht nur aufgrund des geleisteten Eides gegenüber König Alfred verpflichtet, sondern auch dessen entführter Tochter, so dass dieser Kampf sein Schwerter zwischen den Entführern singen lassen wird.

Kritik

„Schwertgesang“ ist der vierte Teil seiner nordischen Saga um den Krieger Uhtred, der zwar geboren als Sachse, aber aufgewachsen als Däne, seine Geschichte und die des späteren Englands erzählt.

Wie auch schon in den drei Bänden zuvor, lässt uns der Autor schnell in die Epoche eintauchen, die von Ehre und Ansehen, Kampf und Verlust geprägt wird.

Bernard Cornwell erzählt die Geschichte aus der Perspektive Uhtreds und diese ist gemäß der damaligen Zeit deutlich realistisch gehalten. Wie auch in den Teilen zuvor geht es hier primär nicht nur um die kriegerischen Schlachten, sondern auch gesellschaftliche und religiöse Themen. König Alfred benutzt seinen tiefen christlichen Glauben ganz für seine Zwecke um seiner Absichten Realität werden zu lassen. Das Christentum breitet sich immer weiter in Britannien aus, auch die wilden Wikinger lassen sich taufen, nicht alle, aber ein schon nicht kleiner Teil fühlt sich angezogen von dem „einen“ Gott und seiner Botschaft.

Cornwells erzählerisches Talent ist seine Einfachheit eine Geschichte zu erzählen die spannend und leicht verständlich ist. Viel imposanter verhält es sich aber, wie er als Autor, seine Charaktere konzipiert. Deren Züge und innerlichen Werte, ihre Motivationen und ihre Gedankengänge lassen sich nicht einfach in starre Schubladen stecken. Hinter jeder Figur und ihrer Fassade verbirgt sich ein Mensch der nach seiner eigenen Perspektive handelt. Egal ob nun Sachse oder Engländer, einfacher Krieger oder König, alle sind passend und gut verständlich in die Geschichte eingefügt.

Uhtred ist gereift, nicht nur als Krieger, sondern auch als verständnisvoller Ehemann, der inzwischen auch Verantwortung nicht nur für sich trägt, sondern auch für seine Kinder und seine Ehefrau die er tatsächlich liebt.

König Alfred kommt in diesem Roman nur wenig zu Wort, er leitet die Handlung ein, überlässt dann aber zum großen Teil Uhtred die Arbeit.

Die Zeitspanne vom ersten Teil der Saga „Das letzte Königreich“, bis zu „Schwertgesang“ beträgt ganze fünf Jahre. Jahre in denen wir nicht nur ihn sondern auch König Alfred, seine Tochter und auch einigen Wikingern wie Uhtreds Freund und fast schon Bruder Graf Ragner begegnen.

Cornwell fügt zwar immer wieder neue Charaktere in seiner historischen Reihe ein, doch gibt es immer wieder ein erfreuliches Wiedersehen mit älteren Protagonisten. Doch wie das Leben so spielt, von manchen Figuren muß man sich trennen, meistens allerdings durch einen spektakulären Tod, oder einen anderen Schicksalsschlag.

Bernard Cornwells Stil besitzt einen hohen Standard den er konstant beibehält, so das wenn seine Geschichten gerade im historischen Genre angesiedelt sind, der Leser merkt wie gut und vor allem konzentriert er sich historischen Quellen bedienen kann und umzusetzen vermag. Fakten und Fiktion werden gekonnt miteinander kombiniert, dass Resultat ist hervorragende und spannende Unterhaltung die nichts anderes als überzeugen kann.

Im Anhang beschreibt er wie immer den historischen Hintergrund seiner Geschichte. Bei „Schwertgesang“ so zitiert er sich, hat aufgrund von wenigen Quellen viel interpretiert. Doch wohl die wenigsten werden dies anprangern, denn Cornwell übertreibt es nicht Fakten zu verfälschen oder gar erfundene einzufügen.

Fazit

„Schwertgesang“ unterscheidet sich von den anderen drei Teilen daher, dass er „reifer“, durchdachter und vielleicht auch ein wenig stiller ist. Es gibt deutlich mehr Dialoge und auch Uhtred ist wie eingangs schon erwähnt, ernster und wachsamer geworden. Es ist mit Sicherheit noch immer der gleiche impulsiver Charakter, doch entwickelt er sich weiter, im positiven wie auch negativen Sinne.

Cornwell überlässt dem Leser in einigen Szenen, gerade wenn es sich um gesellschaftliche oder überhaupt religiöse Themen geht, darüber nachzudenken, was Geschichte bedeutet und welche Reaktionen es vielleicht auf Jahre hinaus provoziert. Auch wenn es eine Geschichte ist, in der Gewalt herrscht, so ist diese plausibel und realistisch erzählt, genauso verhält es sich mit der damaligen Politik der beiden so unterschiedlichen Kulturen.

Mit dieser Saga beweist Bernard Cornwell das historische Romane spannend, lehrreich und packend erzählt werden können, ohne gleich klassischen Klischees die Türen zu öffnen und Raum zu geben. Bernard Cornwell ist und bleibt ein hervorragender Autor historische Romane.

Michael Sterzik



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