Dienstag, 23. Juni 2009

Credo - Das letzte Geheimnis (Douglas Preston)

Religion und Wissenschaft – können beide miteinander und nebeneinander existieren? Wie interpretiert die Wissenschaft die Schöpfungsgeschichte? Wie oder was könnte Gott sein? Ein Energiefeld, eine Wesenheit die wir noch nicht begriffen haben? Wie ist das Universum entstanden Fragen über Fragen die man entweder mit Fakten der Wissenschaft und/oder seinen Glauben beantworten kann.

Physik, Quantenphysik, Genetik, Naturwissenschaft, die Gesetze von Raum und Zeit, hat Gott und der Glauben einen Platz neben diesen weltlichen Wissenschaften?

Viele Christen und Mitglieder auch anderer Religionen würden hier von einem Sakrileg sprechen, einer schweren Sünde. Sie würden Argumentieren, dass man Gott verleumdet, nicht mehr respektiert.
Eine radikale und gefährliche Situation würde entstehen in deren Sog die Vernunft schätzungsweise verlieren würde.

Die Existenz eines allmächtigen Gottes kann man weder durch Fakten beweisen oder widerlegen. Der „Glaube“ an sich ist mit einer der wichtigsten Grundvorraussetzungen unseres Lebens, egal ob man nur den Weg der Wissenschaft geht oder an ein höher entwickeltes, allmächtiges Wesen sein Denken und Handeln ausrichtet.

Douglas Preston hat in seinem Roman „Credo – Das letzte Geheimnis, Gott und die Wissenschaft eine breite Bühne gegeben. Was würde passieren, wenn man die Möglichkeit gefunden hat, mit „Gott“ zu kommunizieren? Würden dies gläubige Christen und andere Religionen glauben oder anzweifeln?

Inhalt

Der amerikanische Senat hat 40 Milliarden Dollar für ein Experiment investiert. Ein kleiner Kreis von hochtalentierten Physikern und Wissenschaftlern arbeitet an einem Teilchenbeschleuniger. Bei diesem Projekt soll der „Urknall“ erforscht und nachgestellt werden. Damit hätte man eine neuartige Energiequelle entdeckt die alle bisherigen weit in den Schatten stellt. Die Leitung des Projekts hat der Nobelpreisträger Hazelius, der sich selbst als einer der schlauesten Köpfe auf der Welt sieht.

Die Zeit drängt und der Teilchenbeschleuniger „Isabella“, sowie die Wissenschaftler arbeiten fieberhaft an dem Projekt, denn die Regierung verlangt neugierig und gespannt Ergebnisse. Doch aus der Wüste inmitten eines ehemaligen Indianergebietes unterrichtet man die Geldgeber eher spartanisch und verschlossen.

Doch damit gibt man sich nicht zufrieden und man beauftragt den ehemaligen CIA-Agenten Wyman Ford sich in das Team einzuschleusen um einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Unter dem Deckmantel eines offiziellen Kontaktmannes zu den Navajos, auf deren Land das Forschungsgelände errichtet wurde. Die Navajos sind mit dem Handel den sie mit der Regierung vereinbart haben, nicht zufrieden und auch der Lobbyist Craven dessen Idee dieser Handel war ist alles andere glücklich.

„Isabella“ und das Projektteam ist schon länger ein umstrittenes Thema in den Medien. Einige Stimmen sprechen von Blasphemie da man die biblische Schöpfungsgeschichte nachempfinden will und schon treten viele christliche und erzkonservative Kreise auf den Plan die das Ende des Projekts fordern.

Auch ein bekannter Fernsehprediger der nach vielen persönlichen Schicksalsschlägen nun die Chance auf Reichtum, Ansehen und Macht sieht, stachelt die Mengen mit seinen öffentlichen Reden gegen das Projekt „Isabella“ auf, dass Gott simulieren will.

Wyman Ford dessen Exfreundin, die er seit knappen 10 Jahren nicht mehr gesehen und ebenfalls Teil des Forschungsteam ist, weiht Ford in die etwas komplizierten und komplexen Schwierigkeiten ein. „Isabella“ hat Kontakt mit einer offensichtlich übermenschlichen Intelligenz aufgenommen. Alle Versuche den Kontakt zu lokalisieren schlagen fehl. Noch immer erscheint eine Begrüßung auf dem Bildschirm und sie bezeichnet sich selbst als Gott, nicht irgendeine Wesenheit, sondern wirklich der einzige Gott. Im Dialog mit den Wissenschaftlern fordert „Gott“ von den alten Glaubensgrundsätzen abzusehen und die Naturwissenschaften als einzige Religion anzuerkennen.

Ford kann nicht verhindern, dass diese Botschaft durch Zufall nach außen dringt. Eine Welle der Entrüstung bahnt sich durch die Medien und auch der Fernsehprediger, der sich jetzt als Werkzeug und Waffe Gottes sieht, provoziert und hetzt die Menge zu einem wütenden und bewaffneten Mob auf deren Ziel die Zerstörung von „Isabella“ und seines Schöpfers ist. Doch auch die Regierung sieht sich durch die Medien gezwungen vor Ort nachzusehen was in der Wüste vorgeht. Die Lage wird schnell dramatisch und droht zu eskalieren als „Gott“ von dem Ende der Welt spricht.....

Kritik

Die Idee „Gott“ als Protagonisten sprechen zu lassen ist interessant und mal etwas anderes, es schürt jedenfalls die Neugier auf den Roman.
Der Autor Douglas Preston, der alleine und zusammen mit seinem Kollegen Lincoln Child schon etliche Wissenschaftlicher Thriller verfasst hat, erzählt „Credo“ recht flüssig, aber ohne wirklich aufkommende Spannung. Die Protagonisten werden langsam eingeführt und die unterschiedlichen Handlungsstränge jeder für sich, wirken inhaltlich nicht nachhaltig interessant.

Die Dialoge mit „Gott“ wird sich der Leser anders vorgestellt haben. Man kann die Stimme und die Worte als seelenlos bezeichnen, wenn sie von Wissenschaft und Glauben spricht, aber einfühlsam, verständnisvoll und tiefsinnig ist die Unterhaltung keineswegs. Der Gott ist eher von Egoismus geprägt und seine Theorien und Forderungen entsprechen puren Pragmatismus. Empfindungen wie Liebe und Gefühl scheinen noch nicht im Wortschatz vorhanden zu sein.
Ford wird nur langsam in die Geschichte eingeführt so wie eigentlich jeder andere Protagonist auch. Bis fast zum Ende hin, steht er als Beobachter am Rande des Geschehens und verhält sich recht passiv, erst am Ende nimmt er in der Handlung viel mehr Raum ein.

Einzig und allein der Leiter des Projekts Dr. Hazelius umgibt sich in der Geschichte mit einem ganzen Schwung Charisma. Seine Überlegener Intellekt verleiht ihm so etwas würdevolles und mystisches, dass er von allen Protagonisten mit noch am glaubwürdigsten dargestellt ist. Sein Leben, Denken und Handeln wird immer durch die Wissenschaft beeinflusst und gelenkt. Seine Religion steht nicht in der Heiligen Schrift, der Bibel sondern findet in Laboren und Forschungseinrichtungen statt.

Der verblendete und sehr radikaler Fernsehprediger, ist ein klassischer Verlierertyp. Immer pleite und von seinen erlebten und gelebten Schicksalsschlägen auch körperlich gezeichnet, sucht er nach einer Aufgabe die seinen Leben Sinn und vor allem Halt gibt. Doch Mitleid empfindet man wenig bis gar nicht, trotz einigen Niederlagen im Leben sollte man in der Lage sein relativ klar denken zu können und auch Gottes 10 Gebote nicht als „Leitfaden“ oder „Gebrauchsanweisung“ für möglichst wenig Sünden zu verstehen. Das er radikale „Jünger“ um sich schart und Gewalt in solchen Ausmaßen predigt ist zwar nicht unrealistisch, aber das er derartig viel Gehör empfindet, halte ich doch für stark übertrieben.

„Credo – Das letzte Geheimnis“ wendet sich an die Religionen und an die Wissenschaft. Verschiedene Theorien werden hier vertreten, so das einige Stimmen meinen, die Religion schließe die Naturgesetze und deren Wissenschaft nicht aus, denn schließlich hat Gott diese erst ermöglicht, wogegen andere schnell von Blasphemie sprechen, wenn die Wissenschaft neue Wege mit moderner Technik beschreiten möchte. Douglas Preston hat dies wirklich gut in Worte gefasst und seine Stellung weder pro noch kontra ausgearbeitet. Das Religion auf Menschen verführerisch und aufrührerisch wirken kann, und deren Botschaften manipulierend interpretiert werden, wissen wir nicht erst seit heute. Doch die Gefahr dessen, wird uns meistens erst dann bewusst, wenn es zu spät für einen friedlichen Weg ist, so auch in „Credo“ als die Spirale der Gewalt sich nach außen und innen bahnt und ein Schlachtfeld der Verwüstung hinterlässt. Auch hier hat Douglas Preston in seinem Roman hingewiesen.

Doch auch die Risiken der Wissenschaft werden hier nicht außen vor gelassen. Was bringt uns die Wissenschaft, wenn wir dabei vergessen, was es heißt „menschlich“ zu handeln und Verantwortung nicht nur für uns selbst zu tragen?! Wissenschaft besteht meistens aus Fakten, Beweisen, doch auch manche Theorien lassen sich (noch) nicht beweisen, oder gar widerlegen. Auch der Wissenschafter ist ein „gläubiger“ Mensch und nicht selten, zeigt sich in der Wissenschaft ein Phänomen das man nicht erklären kann, nur akzeptieren. Ist das der Beweis für einen „Gott“?

Douglas Preston erzählt etwas zäh und langatmig. Spannung und Überraschungen kommen selten auf, so dass der Leser sich von einem Kapitel zum anderen hangelt in der Hoffnung „Gott“ zu begegnen, der sich wirklich viel Zeit lässt und wenig präsent auftritt, oder Fords Suche nach der Wahrheit innerhalb des Projektes, die manchmal langweilig wirkt. Von einem Ermittler erwartet man schließlich etwas mehr Aktivität, die man hier aber kaum findet. Preston verfängt sich entweder in der Wissenschaft oder in der Religion, beides miteinander kombiniert passiert nur in einer Eskalation, aber wirklich diskutierend und tiefsinnig wird es leider nicht.

Fazit

„Credo – Das letzte Geheimnis“ ist ein durchschnittlich guter Roman des Autors Douglas Preston. Dieser Roman gehört zu seinen schwächeren und weiß nicht so recht zu überzeugen. Ich hatte den Eindruck, dass sich der Autor auch so manches Mal selbst verloren gefühlt haben mag und nicht wusste in welcher Richtung sich das Experiment um Isabella und „Gottes“ Anwesenheit wendet?! Bis zu letzt wirkt der Roman unspektakulär, zwar mit einer gewissen interessanten Theorie, aber nicht bis zuletzt bedacht.

Die Risiken die Wissenschaft und Technik in sich bergen, sind sehr glaubhaft und absolut überzeugend konzipiert, so dass sie aktuelle Diskussionen viel Platz geben und vielleicht auch zum nachdenken anhalten.

„Credo – Das letzte Geheimnis“ wird seinen Weg gehen. Als Buch wenig überzeugend, so könnte es als Film ganz anders wirken. Die Fans von Douglas Preston werden zwar nicht überzeugt sein, doch wird auch dieses Buch in viele Regale wiederzufinden sein.

Michael Sterzik

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