Mittwoch, 6. Mai 2009

Die Henkerstochter und der schwarze Mönch (Oliver Pötzsch)


Die Henkerstochter und der schwarze Mönch

Es war eine dunkle Zeit nach drei Jahrzehnten Krieg in Europa. Zwar endete dieser mit den Friedensverhandlungen in Osnabrück und Münster zwischen den Katholiken und Protestanten, doch ganze Landstriche und Dörfer waren verwüstet, Felder und Äcker unbrauchbar und auch noch viele Jahre später waren die Schäden noch immer sichtbar.

Die Handelswege zwischen den größeren Städten waren das Revier von Räuberbanden, von Menschen die weder Skrupel noch Reue empfanden bei der Plünderung von Kaufleuten und Reisenden. Es waren nicht nur ehemalige Soldaten, die jetzt nach dem Krieg ihr blutiges Handwerk gegen einen gewissen Sold nicht mehr ausüben konnten, es waren auch verzweifelte Männer und Frauen die in den wirren des Krieges alles an Hab und Gut verloren hatten. Ihnen blieb nicht viel übrig und sie waren verzweifelt genug sich zusammen zu schließen um organisiert sich das zu holen was ihnen auf grausamer Art und Weise selbst gestohlen wurde.

Doch bei Raub blieb es oftmals nicht. Überlebende konnten aussagen, die logische Konsequenz war es diese reisenden Kaufleute kaltblütig zu töten. Auf dieses Verbrechen stand natürlich die Todesstrafe und wer gefasst wurde, den drohte ein grausamer Tod durchs „Rädern“. Die Städte statuierten gerne ein Exempel, um andere Vogelfreie und Gesetzlose einzuschüchtern, doch meistens war das eher sinnlos, denn was hatten Menschen die schon alles verloren hatten und wenig Sinn in ihrem Leben sahen zu verlieren?!

Die Henker in dieser Zeit verdienten gut an den Bestrafungen und Tötungen der Räuber und auch ihrer Familien, wenn sie denn welche hatten. Der Berufs des Henkers war ein unehrenhafter Beruf, sie waren durch verschiedene soziale Ausgrenzungen fast schon stigmatisiert, doch nicht selten wussten sie ihren Ruf für sich selbst nutzbar zu machen. Viele waren „nebenberuflich“ als Ärzte tätig und verstanden sich hervorragend auf die Herstellung von Medizin und das Behandeln von Krankheiten. Meistens sogar effektiver und besser als die städtischen Ärzte (Medicus) die ihre „Konkurrenten“ nicht gerne sahen.

Oliver Pötzsch hatte schon mit seinem Debütroman „Die Henkerstochter“ der im bayrischen Schongau spielt einen großen Erfolg. Seine Protagonisten, allen voran der städtische Henker Jakob Kuisl und seine vorlaute und neugierige Tochter Magdalena, sowie der Medicus Simon Fronwieser waren sympathisch und vielseitig beschrieben und ermittelten in mehreren Mordfällen sehr erfolgreich.

Nun hat der Autor Oliver Pötzsch mit „Die Henkerstochter und der schwarze Mönch“ eine hervorragende Fortsetzung veröffentlicht. Wieder einmal schickt er das muntere und sehr unterschiedliche Trio aus um in Schongau einen geheimnisvollen Mordfall zu klären.

Inhalt

Schongau – Januar 1660. Die kleine bayrische Stadt wird von einer mysteriösen Krankheit heimgesucht. Hohes Fieber und blutiger Auswurf sind oftmals die Vorboten des Todes. Simon Fronwieser der junge Sohn des städtischen Medicus, der sein Studium der Medizin aus mehreren Gründen vorzeitig beendet hat, tut sein möglichstes um den Bürgern der Stadt zu helfen.

Eines Morgens wird Simon zur Lorenzkirche gerufen die sich gerade in der Renovierung befindet. Der dortige Pfarrer wurde tot aufgefunden, seine Leiche von Eiskristallen überzogen deutet daraufhin, dass sein sterben schmerzhaft war.

Doch im sterben hat der Pfarrer auf der Grabplatte liegend eine merkwürdige Botschaft hinterlassen mit der, der junge Arzt vorerst nichts anfangen kann. Er bittet seinen Freund den Henker Jakob Kuisl um Rat und Hilfe. Beide vermuten wenig später, dass der verstorbene vergiftet wurde.

Simon und Jakob die die Lösung in dem alten Grab unter der Leiche vermuten, stemmen die schwere steinerne Sarkophag auf die Seite und betreten die dunkle Gruft. Die letzte Ruhestätte beherbergt die sterblichen Überreste eines Tempelritters!? Mit noch mehr Rätseln und geheimnisvollen Botschaften für die Nachwelt ist sich Simon immer sicherer, das es hier um einen Schatz des Ordens geht. Wenig später taucht die Schwester des verstorbenen Pfarrers auf, eine wohl gebildete Kauffrau die wohlhabend und neugierig auftritt.

Magdalena, die Tochter des Henkers Kuisl sieht die reiche Frau als direkte Konkurrentin an. Schließlich sind Simon und sie ein Paar, wenn auch nicht in der Öffentlichkeit auslebend. Ihre sozialen so unterschiedlichen Stände lassen eine Ehe jedenfalls in Schongau nicht zu. Eifersüchtig und aufbrausend zerstreitet sich das Liebespaar.

Jakob Kuisl der wie auch sein junger Freund und Möchtegernschwiegersohn ermittelt, kämpft wenig später mit geheimnisvollen, schwarz gewandeten „Mönchen“ um sein Leben und kann um haaresbreite den Tod ein Schnippchen schlagen.

Der Gerichtsschreiber der Stadt Schongau Johann Lechner hat inzwischen ganz andere Probleme als einen toten Pfarrer. Räuberbanden bedrohen die Handelswege von und nach Augsburg und er gibt Jakob Kuisl den Auftrag die Räubernester auszuräuchern und die Verbrecher den Prozess zu machen. Zusammen mit Kaufleuten die Kuisl unterstellt sind, da dieser schon im Krieg sein blutiges Handwerk ausübte, machen sie sich auf, um die Wälder von Räubern und Wegelagern zu säubern.

Magdalena die Abstand gewinnen möchte, ist zeitgleich auf Reise gen Augsburg um Kräuter und Zutaten für ihren Vater zu besorgen. Doch auch sie wird Ziel eines Überfalls und findet sich in einer alten Kapelle eingekerkert wieder.

Simon und Benedikta, die Schwester des Pfarrers lösen Rätsel auf Rätsel, doch neben der Bedrohung durch die schwarzen Mönche, gibt es noch eine dritte Partei die auf der Suche nach den Schatz der Templer ist und auch sie sind skrupellos genug um über Leichen zu gehen......

Kritik

Auch in seinen zweiten Roman lässt der Autor Oliver Pötzsch seine Handlung wieder in Schongau spielen. Die Handlung des ersten Teils „Die Henkerstochter“ hat nichts mit der aktuellen Geschichte zu tun. Der etwas raue Henker Jakob Kuisl vollstreckt noch immer die Todesurteile und körperlichen Bestrafungen und sein Freund Simon Fronwieser behandelt noch immer die Krankheiten der Schongauer. Wenn auch sehr zum Leidwesen seines Vaters mit unkonventionellen und ihm fremden Behandlungsmethoden. Doch nach deren erfolgreichen Suche nach den Kindermördern sind die beiden so unterschiedlichen Freunde recht geachtet und angesehen in dem kleinen Provinznest dessen nächster größerer Nachbar Augsburg ist.

„Die Henkerstochter und der schwarze Mönch“ ist ein Historischer Krimi und gibt der Autor dem Leser auch die Möglichkeit eigene Schlüsse zu ziehen wenn man Jakob und Simon auf ihrer Jagd verfolgt.

Der Roman ist in drei einzelne Handlungsstränge gegliedert. Simon und die eigenwillige Schwester Benedikta suchen und lösen angestrengt die ausgelegten Rätsel die auf einen kostbaren Schatz hindeuten. Simon ist geblendet von der Kauffrau die selbstbewusst auftritt und auch gegenüber Gefahren eher ungerührt, aber schlau und gerissen agiert. Er will der schönen Frau imponieren und merkt gar nicht wie sehr er seiner Freundin Magdalena, die Tochter des Henkers Anlass zur Eifersucht gibt.

Magdalena die bei einer Hebamme in der Lehre ist, wirkt gekränkt und im Stich gelassen. Durch ihre soziale Stellung in dieser Gesellschaft ist an ein Leben an der Seite des jungen Medicus nicht zu denken und nun zieht dieser diese Städtische Kauffrau vor. Trotzdem verarbeitet Magdalena ihren Schmerz für sich und wächst dabei über sich selbst hinaus. Ihr wurde im Gegenteil zum ersten Teil deutlich mehr Präsenz gegeben, und ihr Dickkopf ihr ganze Charakterisierung ist ein frauliches Ebenbild ihres Vaters Jakob Kuisl. Sehr emotional, aber wenn es sein muss sehr selbstbewusst trotz sie einigen Gefahren und weiß sich oft, auch in verzweifelten Situationen zu helfen.

Jakob Kuisl, der Hauptprotagonist hat alle Hände voll in der kleinen Stadt zu tun. Der amtliche Schreiber Johann Lechner befiehlt ihm die Räuberbanden in den Wäldern rund um Schongau zu bekämpfen, da Kaufleute und Reisende immer mehr auf den herkömmlichen Handelsrouten überfallen werden. Murrend muss Jakob Kuisl den Befehl beugen und zusammen mit einigen im Kriegshandwerk unerfahrenen Kaufleuten begibt er sich in die dunklen Wälder.

Dies drei Nebengeschichten haben scheinbar nicht viel zu tun, aber je mehr der Leser in die einzelnen Episoden eintritt, desto deutlicher wird der Weg der vor ihnen liegt, bis sie sich am Ende finden und sich unter Lebensgefahr ihrer Haut erwehren müssen. Ein fulminantes, eindrucksvolles Finale mit einigen Wendungen und Überraschungen.

„Die Henkerstocher und der schwarze Mönch“ ist deutlich spannender und atmosphärisch dichter als Pötzsch Debütroman. Die Charaktere intensiver und vielschichtiger konzipiert lassen den Schluss zu, dass der Autor sich beim schreiben und recherchieren noch mehr Mühe gegeben hat. Und es ist wirklich so, viele kleine Details, angefangen von der Beschreibung Schongaus und seiner Umgebung, sowie den liebenswerten Protagonisten geben dem Roman ein gewissen etwas. Bildlich spannend und aufschlussreich präsentiert und Oliver Pötzsch einen faszinierenden historischen Krimi.

Auch die „Räuber“ die klassischerweise mit als die „bösen“ Protagonisten auftreten, erfüllen nicht das Genretypische Klischee. Sie sind Opfer des Krieges und Täter in einer Person. Verloren und Verfolgt haben sie nur ihren Überlebenswillen und man empfindet Mitleid mit diesen Menschen, auch wenn deren Schicksal unausweichlich ist, der Henker tut seine Pflicht.

Da es hier sekundär, und fast schon nebensächlich um die Templer geht, spielt natürlich die Kirche auch eine tragende Rolle und wahrscheinliche eine sehr reelle.

Fazit

„Die Henkerstochter“ war ein sehr guter historischer Roman, die Fortsetzung von Oliver Pötzsch übertrumpft diesen aber um einiges. Von den ersten Seiten ab an, entwickelt sich die Geschichte spannend und gut aufeinander aufgebaut. Die Charaktere haben an Form gewonnen und geben wieder ein kleines Stück mehr von sich selbst preis.

Oliver Pötzsch selbst ein Nachkomme seines Protagonisten Kuisl hat intensiv und sehr gut recherchiert, nicht zuletzt mit Hilfe seiner Großmutter, die viele Geschichten zu erzählen wusste. Seine historische Darstellung der Ereignisse ist nicht übertrieben dargestellt, seine Protagonisten nicht überzeichnet, so das jedes einzelne Element was einen „guten“ Roman ausmacht hier mehrfach übertrifft.

Aber nicht nur die Geschichte ist etwas besonderes; Im Anhang befindet sich ein kleiner historischer Reiseführer, eine kleine Rätselreise rund um die besuchten Orte unserer Helden. Für Gelegenheits-Historiker und Touristen, aber auch für dort in der Nähe vielleicht lebende Leser ein wissenswerter Ausflug den man nicht nur nachlesen sondern auch besuchen sollte. Allerdings sollte man diese Seiten erst wirklich am Ende der Geschichte lesen um sich nicht den Lesespaß zu nehmen.

„Die Henkerstochter und der schwarze Mönch“ ist ein eindrucksvoller und absolut empfehlenswerter historischer Kriminalroman in dem sich der Autor weiter profilieren konnte und sicherlich noch mehr Leser überzeugen kann.

Spannende, erfrischende Unterhaltung die Lust auf den nächsten Teil macht. Eine respektablen historischen Knicks und ein Danke an Oliver Pötzsch.

Michael Sterzik (Mai 2009)


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