Sonntag, 5. April 2009

Der weiße Reiter (Bernard Cornwell)


England um das Jahr 870 nach Christi. Die einzelnen englischen Königreiche im Norden des Landes sind von Wikingern erobert worden. In blutigen Schlachten konnten die einzelnen Reiche mit ihren wenigen Soldaten, aber noch mehr Bauern denen man notgedrungen Waffen in die Hände gegeben hat, nichts ausrichten. Überrannt und völlig desillusioniert retten sich einige Menschen, Adlige, Bauern und natürlich Priester ins letzte noch nicht eroberte Königreich Wessex indem König Alfred regiert.

Alfred ist ein König mit durchaus guten Führungsqualitäten, aber zugleich verschließt er vor mancher Ungerechtigkeit die Augen und verhält sich, vielleicht auch für sein bedrohtes Königreich, sehr egoistisch. Zugleich ist er ein gottesfürchtiger, fast schon fanatischer Gläubiger Mensch, der sich auch von Bischöfen und Priestern manipulieren lässt. Viele Klöster und Kirchen werden unter seiner Regentschaft er- und ausgebaut.

Zwar hat Alfred in der letzten Schlacht gegen den Dänen gesiegt, aber die Bedrohung durch die Nordmänner ist noch immer da. Obwohl Guthrum, ein Kriegsfürst der Wikinger einen Waffenstillstand, einen vagen Frieden zugestimmt hat, und es nun das Dänische Reich und das letzte Königreich Englands gibt, so bleibt man weiter skeptisch und ahnt das es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis sich die Wikinger neu formieren um auch die letzte englische Bastion zu erobern.

Bernard Cornwell erzählt die Wikingersaga fort. Nach „Das letzte Königreich“, geht es mit den zweiten Teil „Der weiße Reiter“ um Uhtred weiter.

Inhalt

Uhtred besiegte in einer grandiosen Schlacht den Wikingerheerführer Ubba und sonnt sich in seinem Sieg. Als er zurück zu seinem König Alfred nach Wessex reist, muß er allerdings feststellen das Odda der jüngere, ein Fürstensohn, den Sieg über Ubba für sich beansprucht. Wütend zieht er in Gegenwart Alfreds sein Schwert, um Odda zu bedrohen, und zieht damit noch mehr Unheil auf sich. Als Strafe für sein Vergehen, muß Uhtred nun im Büssergewand auf Knien zu Alfred rutschen. Nicht genug, dass Alfred Odda mehr Glauben schenkt, ist Uhtred außer sich vor Wut und Scham.

Zurück in seinem eigenen Gehöft und seiner Familie ist Uhtred verbittert und überlegt für sich, ob es nicht vielversprechender und sinniger wäre, sich den Dänen anzuschließen?! Der Sohn seines Ziehvaters Ragnar wäre erfreut und würde Uhtred in allen Ehren wieder aufnehmen, vielleicht sogar als Gleicher unter Gleichen.

In der Zwischenzeit verschärft sich die Lage in Süden Englands erneut. Trotz des Waffenstillstands kommen neue Schiffe aus Dänemark und sammeln sich unter Guthrems Banner.

Uhtred vertreibt sich auf seinem Landsitz mit Jagd die Langeweile. Zudem sorgt er sich um die Zukunft seiner Familie, denn seine Frau hat außer Schulden an der Kirche nichts in die Ehe mitgebracht.

So kommt Uhtred mit seinem Freund Leofric auf die Idee ein Schiff mit Männern und Waffen auszurüsten um kleinere Raubzüge und Überfalle zu unternehmen um damit zu etwas Silber zu kommen. Als Wikinger getarnt überfallen sie die bretonischen Inseln mit den kleineren Ansiedlungen und Dörfern. Auf diesem Raubzug lernen sie schließlich den Wikingeranführer Svein kennen. Ein Hüne an Gestalt, berüchtigt und grausam, der immer edel gekleidet ist und ein weißes, stolzes Pferd reitet, was auch als Symbol sein Banner schmückt. Zusammen rauben und morden sie unter den dort lebenden Menschen und trennen sich daraufhin wieder.

Guthrum überfällt das letzte und sehr schwache Königreich Wessex. Alfred kann den Angriff nichts entgegensetze und flieht mit seinem kleinen Gefolge in ein Sumpfgebiet. Ganz England droht unter die Herrschaft der Dänen zu gelangen. König Alfred weiß das ihm nicht mehr viel Zeit bleibt, sollten erneut Schiffe mit Dänen aus dem Norden kommen und sich formieren, so wäre es unmöglich die Dänen von der Englischen Insel zu vertreiben. Uhtred ermutigt Alfred den Kampf nicht aufzugeben, sich neu mit Kriegern aus den einzelnen Königreichen zu sammeln und gemeinsam die Dänen zu besiegen und zu verjagen....

Kritik

„Der weiße Reiter“ knüpft unmittelbar an die Handlung des ersten Teiles. Nach einer kleinen Zusammenfassung taucht der Leser wieder in die Erzählung um Uhtred und die Konfrontation zwischen Engländern und Wikingern ein.

Bernard Cornwell erzählt die Geschichte aus Uhtreds Perspektive weiter. Uhtred der einen Großteil seiner Kindheit und seine gesamte Jugend unter Dänen verbracht hat, zu einem stattlichen und gefährlichen Krieger geworden. Noch immer weiß der inzwischen 20 jährige nicht, wohin er letztlich gehört und für welche Seite er kämpfen soll. Er weiß, unter den Wikingern wäre er ein geachteter Krieger, aber kein vollwertiger Däne und unter den Angelsachsen, unter Alfred nur ein „adliger“ Krieger ohne wirklichen Anspruch auf sein Land, dass sich noch immer in den Händen seines Onkels befindet. Anfang beginnt die Geschichte langsamer, nicht so explosiv wie im ersten, und der eine oder andere Leser wird sich an den Handlungen und Entscheidungen Uhtreds schwer tun, doch spätestens in der Mitte kommen die Konfrontationen zwischen den Wikingern und Engländern wieder zum Vorschein und dann bleibt es auch bis zum Ende hin abwechslungsreich und spannend.

Uhtreds innerer Konflikt zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte und man kann seine wütenden und verzweifelten Gedankengänge gut nachvollziehen. Wer in „Der weiße Reiter“ Freund oder Feind ist, ist manchmal fließend. Uhtred ist nicht der einzige Charakter der sich fatal falsch verhält, auch König Alfred ist nicht loyal gegenüber seinen Untertanen und Ratgebern und räumt der Kirche zu viel Macht und Einfluss ein.

Uhtreds Charakter ist deutlich dunkler, aber auch tiefer gezeichnet als im ersten Teil. Egoistisch denkt er an seine Zukunft und ist bereit für seine Vorteile die Fronten zu wechseln. Für die Kirche hat Uhtred nicht viel übrig, er sieht sie nur als raffgierige Speichellecker die auch den ärmsten Menschen alles nehmen.

Auch wenn die Geschichte aus Sicht Uhtreds erzählt wird, so sind alle Beteiligten Personen vortrefflich charakterisiert. Die Macht des Stärkeren ist die Parole die wohl am ehesten die Handlungen der Personen nachzuempfinden ist.

Ähnlich wie im vorherigen Teil, werden die Schlachten brutal und blutig beschrieben. Aber auch taktische und strategische Züge kommen zur Geltung, so dass der Leser ein sehr gutes Gesamtbild der damaligen Ereignisse gewinnt. Es tauchen neue und alte Feinde auf, sowie natürlich alte Freunde, doch werden auch Verluste beklagt und Fronten wechseln und ändern sich. Zur damaligen Zeit, wir sprechen noch nicht von einem geeinigten England, war die Insel unterteilt in kleine Königreiche und Fürstenhäuser die politisch noch lange nicht die gleiche Richtung suchten. Einzig und allein die Kirche wusste schon ihren Standpunkt zu vertreten und seine Interessen zu verteidigen. Und selbstlos und heilig waren die Bischöfe und Priester eher nicht. Auch das kommt in den beiden Teilen gut zur Geltung. Uhtred weiß um die Doppelzüngigkeit der Kleriker und verhält sich sehr distanziert, ja feindselig, was Alfred und ihn immer wieder aufeinandertreffen lässt.

Jegliche Vorurteile gegenüber den Wikingern werden weder bestätigt, noch außer Kraft gesetzt. Die Wahrheit liegt sicherlich irgendwo dazwischen. Bernard Cornwell hält sich aber sehr eng an die historischen angelsächsischen Quellen, sicherlich nimmt er sich ein wenig die künstlerische Freiheit, doch darauf weißt er direkt im Nachwort hin.

Fazit

„Der weiße Reiter“ ist nach „Das letzte Königreich“ der zweite Teil der Saga um den Eroberungsfeldzug der Wikinger, bzw. die Rettung der Englischen Königreiche. Der zweite Teil hat mir gut gefallen. Abwechslungsreich, in sich Spannend mit viel Blick aufs Detail weiß auch dieser zu überzeugen. Die Zukunft um Uhtred bleibt immer noch ungewiss und auch wenn das letzte Königreich Wessex als wieder erobert gilt, so ist die Gefahr noch immer nicht gebannt. Besonders gefallen hat mir die Charakterisierung König Alfreds der auch an Stärke und Willen hinzugewonnen hat. Auch Uhtreds Entwicklung ist nicht stehengeblieben, und auch als „Held“ dieser Saga hat er doch auch seine Schattenseiten, die ihn stolpern, straucheln und doch auch wieder aufstehen lassen, wenn auch angeschlagen und verletzt, nicht nur am Körper.

„Das letzte Königreich“ war der Anfang dieser Saga und sollte auch zuerst zur Hand genommen werden. Sollte man also in der Versuchung geraten erst dieses Buch lesen zu wollen oder können, so ist mehr wie vorteilhaft den ersten Band anzufangen, da man sonst der Geschichte und auch den Figuren auf ihrem Weg nur sehr schwierig folgen kann und das Gesamtbild geschichtlich sehr verzerrt wird.

Am Ende bleibt die Spannung konstant, aber der Leser weiß, dass Uhtred und seine Freunde, sowie Feinde noch viele Kämpfe ausfechten müssen um das Schicksal Englands auf den Weg zur Einigkeit zu bringen. Eines sei vorweg zu sagen, die Wikinger, oder auch späteren Normannen hatten viel Einfluss auf die gesellschaftliche und politische Entwicklung Englands.

Michael Sterzik





1 Kommentar:

jucele`s World hat gesagt…

Geelesen und für gut befunden

liebe dich

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