Montag, 9. März 2009

Die Tallinn Verschwörung (Nicola Marni)

In jeder Religion geht man den Ursprüngen nach, wird Toleranz gegenüber anders Gläubigen ausgeübt, dass dies allerdings Worte aus Schall und Rauch sind, wissen wir leider nicht erst seit den ersten Religionskriegen. Der Christliche und der Islamische Glaube gehören mit zu den größten Weltreligionen und haben auch den größten Einfluss auf die Politik, die Wirtschaft.

Gläubige Männer des Islams rufen in regelmäßigen Abständen zum Heiligen Krieg auf, und auch Christen haben generelle und unbegrenzte Vorurteile gegen Menschen aus arabischen Staaten die wir aus den Regionen des Westens manchmal gar interpretieren wollen oder können.

Seit den Terroranschlägen vom 11.09.2001 und mehrfachen Rufen nach dem Dschiad, dem heiligen Krieg, haben sich die Fronten mehrmals verhärtet.

Der Vatikan mit Sitz in Rom ist politisch nicht unwichtig, und auch sich manchmal nicht einig mit anderen Religionen. Toleranz und Akzeptanz des Islamischen Glaubens fällt sicherlich altgedienten Kirchenfürsten nicht leicht. Welches ist der einzig richtige, der wahre Glaube und welche Menschen sind nur fehlgeleitet?! Bedroht eine Religion so makaber wie es klingen mag den Frieden in der Welt?

Was würde passieren wenn reaktionäre, rechte Kreise auch im Vatikan in dem Islam eine Bedrohung sehen würden, die es zu bekämpfen gilt!? Auch wenn der Vatikan ein Kirchenstaat ist, so gibt es doch unterschiedliche Ansichten und politische Richtungen innerhalb der Kurie. Sieht man sich zur Zeit die Krisenherde in der Welt an, so erweckt es durchaus den Eindruck, dass die Christenheit gegen den Islam kämpft!? Ein Terroristischer oder auch militärischer Anschlag, sei es im Westen oder im Osten, könnte einen Flächenbrand auslösen, der sich Weltweit ausbreiten könnte.

Das Autorenehepaar Ingrid Klocke und Elmar Wolrath, auch bekannt unter dem Pseudonym „Iny Lorentz“ haben unter dem Namen „Nicola Marni“ den Roman „Die Tallinn Verschwörung veröffentlicht. In dem Roman geht um die Verschwörung rechtsradikaler Elemente mit Kardinälen aus dem kleinen Kirchenstaat.

Inhalt

Andrea Kirschbaum eine junge Assistenzärztin aus München wird nach Dienstschluss beim Betreten ihres Wohnblocks von einen Priester und einer weitern Person niedergeschlagen, kaltblütig werfen sie die Bewusstlose Frau aus ihrem Balkon um den Anschein zu erwecken, dass sich die junge aus reiner beruflichen Überlastung das Leben genommen hat. Als unfreiwillige Zeugin dieser Zusammenkunft stand sie Neonazis und den Männern der Kirche im Weg.

Ihr Freund Torsten Renk, ein ehemaliger Bundeswehroffizier der zum MAD gewechselt ist und gerade aus Afghanistan gekommen ist, zweifelt die Polizeiangaben an und damit die Theorie, dass es sich um den Tod seiner Freundin um einen Freitod gehandelt haben soll. Er beginnt Fragen zu stellen, und mit seinen geheimdienstlichen Mitteln ermittelt er um die wahren Mörder zu finden.

Er vermutet schnell das ein alter Bekannter aus seiner Bundeswehrzeit der rechtsradikale Ansichten und Meinungen lauthals äußerte vielleicht etwas mit dem Tod von Andrea zu tun hatte, vielleicht einfach aus Rachsucht, schließlich ist es Renk zuzuschreiben das dieser entlassen wurde.

Zu gleichen Zeit im fernen Rom entdeckt die junge Studentin Graziella ein diabolisches Komplott. Ihr Onkel, ein Kardinal im kleinen Kirchenstaat gehört mit zu einer Verschwörung die sich „Die Söhne des Hammers“ nennen. Dieser Geheimbund mit seinen rechtsradikalen Ansichten nimmt den Kampf gegen den islamischen Glauben auf, die für sie das „Böse“ sind. Der Vormarsch des Islams, gerade in Deutschland und Europa soll verhindert werden. Der Beitritt der Türkei zur EU steht unmittelbar bevor, und hätte so mit einen Fuß in der christlichen Gemeinschaft der EU-Staaten. Auch Graziella aufgerüttelt und schockiert ermittelt und stellt Fragen und begibt sich in unmittelbare Gefahr.

Kritik

Das Autorenduo entfaltet in „Die Tallinn-Verschwörung“ ein sehr unglaubwürdiges Szenario. Die Motivation den Glauben an Gott und ein Leben für die Kirche zu kombinieren mit religiöser Verblendung und fanatischen Hass auf Ausländer sind zwei Handlungsstränge die gegen jegliche Logik sprechen. Solch eine unheilige Allianz widerstrebt sicherlich jeglicher Seite, da auch wie verblendet und ideologisch fehl geleitet man auch sein mag, ist mir das zu sehr an den Haaren herbeigezogen.

„Die Tallinn-Verschwörung“ ist stilistisch mehr als einfach gehalten und ein jegliches Klischee gibt sich hier die Hand. Weder ist die Handlung abwechslungsreich noch überrascht sie uns mit Wendungen und wer hier eine interessante Sprache erwartet mit formschönen Dialogen die neugierig und unterhaltsam sind, der sollte dieses Buch nicht in die Hände nehmen.

Die Charaktere allen voran; Torsten Renk als ermittelnder Einzelgänger mimt hier den Supermann und ist schlauer, gewitzter, stärker und klüger als alle zusammen. Natürlich ermittelt er auf eigene Faust und natürlich sind seine Vorgesetzten zwar im Bilde aber gebieten ihm keinen Einhalt und natürlich fallen nur ihm einige Unregelmäßigkeiten am Tatort auf, wo hingegen langjährige Kriminalbeamte keinen Gedanken verlieren mögen. Torsten Renk ist die deutsche Antwort auf James Bond und ist derartig heldenhaft überzeichnet wie der britische Geheimagent in seinen besten Jahren. Natürlich offenbart Renk nur wenig sich selbst, stets jedem einen Schritt voraus und immer der harte Ermittler der sein Ziel nicht aus den Augen verliert. An oberflächigen Parolen die seine Gedankengänge dann durchstreifen, gerade als weltmännischen und überlegenen Charakter, fehlt es zumal auch nicht.

Und auch sein Gegenpart; Der böse Neonazi ist das negative Spiegelbild und erfüllt jegliches nationalistisches Vorurteil, physisch wie psychisch. Die Bösen Buben werden hier als glatzköpfige und recht minderbemittelte Menschen gezeichnet, die Bierflaschen mit ihren Zähnen öffnen und Frauen nur am liebsten an dem Herd sehen wollen. Und so reiht sich hier Vorurteil an Vorurteil und Klischee an Klischee, und das die ganze Handlung lang durch.

Auch die katholische Kirche wird diesen Roman nicht unterhaltsam finden: Sicherlich gibt es im Vatikan, wie auch sonst überall in der Politik, andere Meinungen zu gesellschaftlichen Themen und es kann auch sein das die Lager gespalten sind, doch solch kriminelle Energie und solche eine Verblendung der Fürsten in Purpur ist auch wenn die Geschichte rein fiktiv ist, wenig unterhaltsam oder interessant. Sie ist um ein mild auszudrücken eine Peinlichkeit.

Graziella die ebenfalls wie Renk ermittelt, ist eine wohlerzogene, attraktive, italienische Frau, deren Onkel ein ranghoher Kardinal ist, und sie natürlich entgegen jeglicher Erziehung, kirchliche wie auch soziale, ihren eigenen Kopf hat. Auch ihre Person ist wie wirklich alle oberflächlich, schlicht und übertrieben.

Es gibt wirklich gute Verschwörungsthriller mit Ideen über die der Leser wirklich nachdenkt, vielleicht recherchiert und diskutiert. Bei „Die Tallinn-Verschwörung“ ist der Gedanke indiskutabel. Hier ist alles nur schwarz/weiß gehalten und nicht sonderlich intelligent verfasst. Man könnte meinen die Autoren haben mit diesem Roman ein Erstlingswerk abgeliefert, so einfach und vorhersehbar ist die Handlung konstruiert. Besonders störend empfand ich den sprachlichen Stil der kombiniert mit vielen Klischees, die Lust am Lesen genommen hat.

Fazit

Die Grundidee ist zwar interessant, aber das Ergebnis nahezu ungenügend. Weder kann die Geschichte durch Spannung und inhaltliche Tiefe überzeugen, noch ist sie abwechslungsreich und in sich logisch eingestimmt. Aufgrund dieser negativen Einzelheiten, kann ich das Buch „Die Tallinn-Verschwörung nicht empfehlen.

Michael Sterzik



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