Freitag, 13. Februar 2009

Die Wächter der Teufelsbibel - Richard Dübell

Die Teufelsbibel auch genannt „Codex Gigas“ ist keine literarische Schöpfung sondern das unheimliche Manuskript, in einem hölzernen Umschlag, in Leder gebunden und metallischen Ornamenten existiert wirklich.

Glaubt man der Legende so wurde diese Bibel von einem undisziplinierten Mönch geschrieben der gegen die Klosterregeln verstoßen hatte und dem gedroht wurde in einem Raum eingemauert zu werden. Um dieser Strafe zu entgehen, versprach er Buße zu tun indem er in einer einzigen Nacht ein Werk verfassen wollte, in dem das gesamte Wissen der Menschheit niedergeschrieben sein sollte. Gegen Mitternacht mußte er einsehen, dass er diese Aufgabe niemals schaffen könnte, so verkaufte er dem Teufel seine Seele und dieser schrieb das Manuskript zu Ende. Der Mönch fügte dem Schriftstück ein Bildnis des Teufels zu, um so dem wahren Autor der „Bibel“ gerecht zu werden.

Wissenschaftler vermuten das die „Teufelsbibel“ Anfang des 13. Jahrhunderts in einem Benedikterkloster in Böhmen verfasst wurde. Jahre später wurde das Buch als Kuriosität in die Sammlung Rudolfs II. aufgenommen. In den Wirren des 30. Jährigen Krieges wurde es letztlich zur Beute der Schwedischen Armee und noch heute kann man die „Teufelsbibel“ in der Kungliga Bibliothek in Stockholm bewundern.

Richard Dübell hat mit seinem ersten Roman „Die Teufelsbibel“ einen großen Erfolg feiern können, so dass er sich dazu Entschloss die Geschichte des Manuskriptes in einem zweiten und womöglich auch dritten Roman weiter zu erzählen.

Inhalt

Nach dem Tod des Kaisers Rudolf II. der zu Lebzeiten ein großer Kunstsammler war, dringen „Mönche“ in seiner Prager Burg ein und rauben das wohl gefährlichste Buch seiner Zeit und seiner kuriosen Sammlung – Die Teufelsbibel. Seine Dienerschaft wird brutal ermordet und die Räuber fliehen unerkannt.

Erste Gerüchte und unheimliche Dinge beunruhigen nicht nur die Kirche. Kardinal Melchior Khlesl weiß um die Gefährlichkeit und die dämonischen Kräfte der Bibel. Als die ersten grausamen Morde geschehen und die „Täter“ berichten das nicht sie sondern der Teufel unter grausamen Gelächter und Tanzen die barbarischen Morde begangen hat, ist es Zeit zu handeln.

Ist die Bibel des Teufels Schuld an den Grausamkeiten und der Dunkelheit die sich langsam ausbreitet? Kardinal Melchior beauftragt seinen Neffen Cyprian Khesl und seinen Freund Andrej von Langenfels die Bibel aufzuspüren und in Sicherheit zu bringen. Er kann nicht ahnen in welcher Gefahr sich die beiden Freunde begeben, denn auch die Kinder der beiden Gefährten werden mit dem Bösen konfrontiert und das hat mehrere Gesichter...

Kritik

Richard Dübell entwickelt auch in dem zweiten Roman um die Teufelsbibel eine dichte Atmosphäre. Schon am Anfang der Erzählung überzeugt er mit einem spannenden Plot und hält sich nicht lange auf damit sich die Handlung langsam entwickeln kann.

Doch sollte der aufmerksame Leser darauf achten das er sich in den einzelnen Episoden nicht verliert, denn die verschiedenen Erzählstränge benötigen etwas Raum um ein Gesamtbild zu präsentieren.

Alle Schauplätze und sind historisch recht gut recherchiert und so bildlich getreu dargestellt das man den Protagonisten auf ihrer Reise folgen kann. Jeglicher Ort, Wien, die Prager Burg oder die Metropole Rom sind lebhaft und realistisch beschrieben.

Der Autor hat einen bemerkenswerten Stil, nicht nur spannend und informativ, sondern überraschte er mich auch mit seinen wohl platzierten zynischen und sarkastischen Bemerkungen.

Seine Protagonisten hinterlassen beim Leser einen tiefen Eindruck und man hat oft das Gefühl das nichts dem Zufall überlassen wurde, da die Figuren ob es sich nun um Neben- oder Hauptcharaktere handelt mit viel Sinn fürs Detail und Sorgfalt konzipiert wurden. Wie aus dem Leben gegriffen gibt es hier rücksichtlose und egoistische Figuren die genauso menschliche Abgründe aufzeigen wie auch die liebenswerten und ehrenhaften Personen die aufopfernd aus dem Gefühl heraus agieren.

Der „Teufel“ist ja unberechenbar und ein wahrer Verführer vielleicht hat auch das Böse einen Platz in Gottes umfassenden Plan und genauso vielseitig und vor allem vielschichtig ist die Handlung in dem Roman. „Die Teufelsbibel“ ist kein Pausenfüller, keine weniger spannende Fortsetzung sondern ein in sich geschlossener Roman, eine konkrete Konstruktion die logisch weitererzählt wird. Auch sehr lobend ist zu erwähnen, dass Richard Dübell die damalige etwas komplizierte Politische Lage, sowie das streben nach Macht der Kirche und die Anfänge des 30 jährigen Krieges gut recherchiert aufgearbeitet hat.

In der Handlung erscheint keine Situation taktisch überflüssig sondern überrascht den Leser auch mit unvorhersehbaren Wendungen die der Geschichte die richtige Antriebskraft geben. Die Kunst Richard Dübells liegt darin mit kleineren geschickt formulierten Wortspielen einzelne Szenen „Leben“ einzuhauchen um damit einen Historischen Thriller zu schreiben der sehr zu empfehlen ist.

Fazit

„Die Wächter der Teufelsbibel“ ist intelligente Unterhaltung, die spannend und angelehnt an Historischer Geschichte grandios wirkt. Anspruchsvolle Unterhaltung gepaart mit einem seltenen Talent für bildliche Sprache machen den Roman zu einer Erzählung die einen packt und schwer wieder loslässt.

Autor

Richard Dübell ist als Autor historischer Romane bekannt und gehört mittlerweile zu den beliebtesten deutschen Autoren in seinem Genre. Nach den großen Erfolgen seiner ersten Bücher, die beim nymphenburger-Verlag/Langen-Müller-Herbig erschienen, wechselte Dübell zum Verlagshaus Lübbe, das seine Hardcover-Bände im Haus Ehrenwirth und seine Taschenbücher bei Bastei-Lübbe publiziert. Neben seinen schriftstellerischen Aktivitäten leitet er eine Schreibwerkstatt, die er sowohl in Abendkursen als auch als Wochenendseminare und Urlaubsreisen anbietet, und arbeitet als Cartoonist und Grafiker.

Richard Dübell ist einer der Paten des art.131-Projekts des Bayerischen Kultusministeriums, das sich der Aufgabe verschrieben hat, Kunst und Kulturschaffen in bayerische Schulen zu tragen. Dübell ist in zwei Projekte involviert: eine Schreibwerkstatt und ein Gemeinschaftsroman-Projekt. Daneben engagiert er sich, um das Handwerk des Schreibens und die Kultur des Lesens jungen Menschen nahezubringen, vor allem in Hauptschulen.

Richard Dübell ist für seine lebhaften, kurzweiligen Autorenlesungen bekannt, die er mit seinen schauspielerischen Fähigkeiten stets zu literarischen Events gestaltet. Zusammen mit dem DJ und Tontechniker Maik O. Klein hat er den Begriff der „medialen Lesung“ geprägt, bei der Musik- und Toneffekte zu einem Erlebnis führen, das nahe an einem Life-Hörspiel liegt.

Die Stadt Landshut hat Richard Dübell im Jahr 2003 den Kulturförderpreis verliehen und widmete „ihrem“ lokalen Autor die zehnte Folge der Landshuter Literaturtage 2006.

Dübells Roman „Der Tuchhändler“ wird derzeit in ein Drehbuch adaptiert, an dem der Autor selbst mitarbeitet. Sein Roman „Der Jahrtausendkaiser“ nimmt die These des Erfundenen Mittelalters auf. In „Die Teufelsbibel“ widmet er sich einem der rätselhaftesten Artefakte der mittelalterlichen Kirchengeschichte, dem Codex Gigas.

Richard Dübell wird von der Literaturagentur Anke Vogel vertreten.

Michael Sterzik







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