Sonntag, 4. Januar 2009

Das Evangelium nach Satan - Patrick Graham

Das Evangelium nach Satan

War Jesus nur ein Mensch oder vielleicht gar wirklich der Sohn des einzigen Gottes!? Vielleicht war ja beides?! Die Figur des historischen Jesus ist zweifelsfrei durch historische Forschung bewiesen. Seine Qualen am Kreuz sind uns durch verschiedene Quellen geschildert und finden auch ihren Platz in den vier offiziellen Evangelien. Doch allesamt werden sie umstritten hitzig diskutiert. Die Wahrheit über das Wirken und dem Tod am Kreuz wird auf ewig nicht nur gläubige Christen sondern auch Geschichts- und Religionswissenschaftler aus aller Welt beschäftigen.

„Gott warum hast Du mich verlassen“ soll Jesus am Kreuz im Sterben gen Himmel gerufen haben! Ein Ausdruck, ein Bitten um Flehen in tiefster, verzweifelter und menschlichster Form. Und doch hat er seinen Glauben nicht verloren, trotz aller Folter und Qual und opferte sich in Namen seines „Vaters“ für uns sündige Menschen!

Sein Tod und das spätere wirken seiner „Jünger“ bedeutete für die Christenheit den Grundstein ihres Glaubens. Die Katholische Kirche, der Vatikan baute daraufhin seine wirtschaftliche, staatliche und auch seine religiöse Macht immer weiter aus und berief sich auf die vier, überlieferten Evangelien. Die Christen jeglicher Nationalität glauben an das Göttliche Himmelreich, dass ewige Leben und der Vergebung aller Sünden die wir jemals begangen haben. Hoffnung ist etwas was wir um jeden Fall für uns behalten wollen. Hoffnung auf Frieden, Liebe und Vergebung.

Doch hätte uns die Kirche auch etwas anderes überliefert wenn die Kreuzigung anders verlaufen wäre? Der amerikanische Autor Patrick Graham hat sich in seinem erstem Roman das über Nacht zu einem Bestseller geworden, ein ganz anderes Szenario ausgedacht.

Inhalt

Nach unendlichen Qualen und Folter durch die Römischen Soldaten wurde Jesus auf Golgatha ans Kreuz geschlagen. Sein Glauben hat er obgleich aller Schmerzen aufrechterhalten doch wenig später, fühlt er sich von seinen Vater im Stich gelassen und leugnet in seiner Wut und Angst Gott ab. Vor den Augen seiner Mutter und den Römern verwandelt sich Jesus in einem dämonisch, brüllenden Janus, dem König der Hölle und Gebieter über die Dämonischen Herrscharen.

Dies grausame Überlieferung wurde niedergeschrieben und als „Evangelium nach Satan“ lange Jahre von der Kirche geheim gehalten. Die Veröffentlichung würde die Grundfesten des christlichen Glaubens und der Position Jesus als Gottes menschgewordener Sohn erschüttern. Eine unglaubliche Vielzahl von tief gläubigen Menschen würde ihre Hoffnung auf Erlösung verlieren und die gesamt Welt in ein Chaos stürzen dessen Auswirkungen nicht vorstellbar sind.

Doch Satan sieht seine Zeit gekommen und sein Plan sein Evangelium zu veröffentlichen, ein Ziel was er seit Jahrhunderten verfolgt. Seine Diener allen voran der Seelendieb Kaleb, ein Dämon suchen das Evangelium um es in die höllischen Klauen zu bekommen. Unterstützt wird Satan und seine bösen Engel durch eine Geheimgesellschaft die selbst vor den Schranken des Vatikans keinen Halt gemacht haben und deren Einfluss bis in die höchsten Kreise der Kirchenkurie reichen.

Maria Parks einer Special Agents des FBI wird mit in die Suche nach dem „Evangelium des Satans“ in ein dunkles und böses Spiel katapultiert. Ihre seltene Gabe die nach einen verehrenden Unfall bei dem sie ihren Lebensgefährten und ihr Kind verloren hat zu tage kam, will sich Satan nutzbar machen. Die Gabe ermöglicht Maria, Opfer von Gewaltverbrechen in ihren letzten Minuten zu spüren, alle Empfindungen wie Angst, Schmerz und Verzweiflung werden zu ihren eigenen Empfindungen. Nacht für Nacht wird sie von diesen für sie mehr wie realen Träumen gemartert.

Doch auch diese aufopfernde Gabe ermöglicht es Maria als Profilerin beim FBI Massenmörder und Serienkiller aufzuspüren. Als in ihrem Geburtsort Hattiesburg vier junge Frauen spurlos verschwinden, übernimmt Maria den Fall und wird selbst bald Opfer des satanischen Serienmörders. Maria findet die drei Frauen die lebendig ans Kreuz genagelt wurden, sie selbst erleidet später das gleiche grausame Schicksal wird aber in letzter Minute von Sonderkräften des FBI befreit und den Teufelsanbeter gekleidet in eine alte Mönchskutte erschießen.

Wieder aus dem Krankenhaus entlassen und genesen glaubt Maria nicht das dieser verrückte Satanist wirklich tot ist, auch wenn sie die Leiche auf dem obduktionstisch gesehen hat. Bei ihren weiteren Ermittlungen stellt sich heraus das die vier ermordeten Frauen Nonnen waren und zu dem Orden der Weltfernen Schwestern gehörten. Dieser Orden hat es sich zur Aufgabe gemacht für den Vatikan die Texte und Schriften mit ihren Leben zu schützen die gefährlich für das Christentum werden könnten, sollten sie in die falschen Hände fallen und ggf. veröffentlicht werden.

Maria recherchiert in der Vergangenheit und geht den Spuren Kalebs nach die bis in das 13 Jahrhundert zurückgehen und die grausame Handschrift Kalebs tragen. In dem wirren der Pest verschwand das Evangelium des Satans und Kaleb war ihm immer dicht auf den Fersen und zur Seite stand ihm immer die geheime Bruderschaft mit dem Namen „Schwarzer Rauch des Satans“, zu dem seit Jahrhunderten viele mächtige Männer und Frauen zählen deren Ziel es ist einen eigenen Papst auf den Stuhl Petri zu setzen.

Auf der Welt mehren sich satanische Zeichen und der vatikanische Exorzist Carzo hat alle Hände voll zu tun, doch durch seinen Vorgesetzten im Vatikan weiß er um was es geht und gemeinsam mit Maria versucht er Satans Plan aufzuhalten.

Kritik

Ob man als Leser nun an Gott und den Teufel glaubt oder nicht glaubt, man kann sich vom dem Buch fesseln lassen, doch bedarf es starke Nerven. Nicht nur weil es ansatzweise spannend ist sondern weil der Grad der geschilderten Brutalität einzigartig detailiert beschrieben wird und fast schon als gewalttätiger Splatter durchgehen könnte.

Der Roman von Patrick Graham ist spannend, aber der Autor hat sich zu sehr auf die Gewaltszenen in seiner Story verlassen. Es gibt keine wirklich guten profunde Kenntnisse der Religionsgeschichte, sicherlich ist die Theorie des Abwendens Jesus von Gottes Seite her ein origineller Ansatz aber für mich etwas zu phantastisch propagiert.

Es gibt zwei Handlungsstränge und zwei Zeitzonen in Grahams Erzählung. Im Prolog erfährt der Leser viel aus der Vergangenheit der Weltfernen Schwestern die von dem Dämon Kaleb aufgesucht und hingeschlachtet werden der auf der Suche nach der unheiligen Schrift ist. Ein spannender Teil wie auch die nachfolgenden Rückblenden in die Vergangenheit es zeigen. Die Gegenwart wird natürlich durch das Wirken der FBI Profilerin Maria Parks und dem Exorzisten Carzo geprägt die zwar erst jeder für sich versuchen Satan aufzuhalten doch irgendwann zusammenarbeiten müssen um überhaupt eine Chance haben zu können. Marias Gabe, nicht unbedingt ihre Person bietet die größte Kraft gegen den alten Feind, die effektivste Waffe die allerdings auch zwei Seiten hat.

Graham konzipierte seine Charaktere recht eindimensional, bis auf Maria Parks deren Verzweiflung und ihre innere Leere sehr gut zum Ausdruck kommen. Sie ist eine wahrlich verlorene Seele die persönliche Verluste zu erleiden hatte und ihr Leben nun dafür widmet grausamen Verbrechern das Handwerk zu legen. Ihren Glauben hat sie allerdings verloren bis sie einem Dämon gegenüber steht und sich ihm und auch ihrem Glauben stellen muss. Ihre Visionen, ihre Gabe wird realistisch und nachvollziehbar erzählt im Gegensatz zu einer sonst recht ungewöhnlichen Handlung die zudem noch unglaubwürdig ist.

Carzo der Exorzist ist ihr „gläubiger“ Partner der auch für seinen Glauben persönliche Opfer geben muss und recht stark auftritt. Leider erfährt man recht wenig von seiner Vergangenheit, doch zusammen mit Park geben sie ein kraftvolles Duo ab.

Grahams große Leidenschaft soll sein Wissen rund um die Religionswissenschaft sein, doch finde ich es arg lückenhaft recherchiert und aufgearbeitet. Sein Wissen um die Prozesse und Abläufe im Vatikan mit seinen verschiedenen Personen und ihren Aufgaben ist nichts neues, auch nicht Carzos Wissen und Anwendung eines Exorzismus habe ich schon ausführlicher gelesen.

Der Nervenkitzel, dass Grauen was dem Leser schaudern lässt ist nicht das Wirken der Dämonen, sondern nur derer grausamen, blutigen Tagen die manches Mal nur schwer zu ertragen sind, auch Marias Visionen aus der Sicht des Opfers was gerade getötet und evtl. verstümmelt wird sind brutal.

„Das Evangelium nach Satan“ klingt ab und an wie eine Folge mit Fortsetzung ala Akte X oder „Supernatural“ Gut gemeint aber nicht gleichmäßig auf Protagonisten, Story und Hintergrund verteilt.

Selbst der Teufel und seine Dämonen fallen ein wenig „blass“ aus und wie wäre es denn weitergegangen wenn die fast schon ewige Christenheit wirklich ins Wanken geraten würde?! Der Autor beschreibt in vielen Passagen das weltliche Gleichgewicht, das immer pro und kontra haben muss da sonst das Universum im Chaos und in der Anarchie versinken würde, aber so richtig zu Ende gebracht ist der Gedanke eines Abwenden Jesus von Gott nicht.

Fazit

Es gibt im Roman eine Atmosphäre des Grauens das hervorgerufen wird durch die Qualen und der Folter durch die Dämonen die ihre Opfer physisch verstümmeln und bis aufs Blut quälen und nicht ein Grauen durch langanhaltende Spannung die konstant aufrecht erhalten wird.

Die Konfrontation der Mächte „Gut“ und „Böse“ oder sagen wir der Person Gottes oder seines gefallenen Engels ist manchmal etwas verwirrend. Ein „Gleichgewicht“, ein kämpfen um die Vorherrschaft auf Erden wonach Gott eindeutig der passive Teil der Erzählung ist.

Der Vatikan wird sich über diesen Roman nicht ärgern, weder beschreibt dieser Interna noch greift er eine Theorie auf die inhaltlich so spannend und informativ geschrieben wurde, dass sie Fragen aufwerfen könnte.

„Das Evangelium nach Satan“ ist nur ein weiterer recht spannender Roman, der zahllose inhaltliche Lücken und in sich unlogische Fragen aufwirft und nur wenig unterhalten kann. Konzentriert auf detailreiche blutige Beschreibungen von Qualen und Folter lassen sich aber leider wohl dennoch gut verkaufen. Seien wir auf dem zweiten Roman gespannt, den der Autor gerade schon fertig verfasst hat.

Autor

Patrick Graham, geboren 1968, war bis zu einem Unfall Flugpilot und arbeitet seitdem als internationaler Unternehmensberater. Seine größte Leidenschaft gehört aber der Religionsgeschichte. Daraus resultiert auch sein fulminanter Debütroman, „Das Evangelium nach Satan“, der ein internationaler Bestseller wurde und den begehrten „Prix Maison de la Presse“ erhielt. Zurzeit schreibt Patrick Graham seinen zweiten Thriller.



1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Wow! Vielen Dank! Ich wollte immer in meiner Website so etwas zu schreiben. Kann ich an Ihrer Post in meinem Blog?

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