Donnerstag, 22. Januar 2009

Blutportale - Markus Heitz - Rezension

Das Genre Fantasy lebt in unseren Regionen immer weiter auf. Erzählerisch dunkle Gestalten beleben das Genre neu und die Grenzen zwischen Gut und Böse sind fließend und spannend geworden.

Vampire und Werwölfe, Magier und Dämonen, allesamt sind oder können sie hinterhältig und wirklich böse sein, andererseits helfen sie den sterblichen Menschen und beweisen dadurch das Motivation und Perspektive immer aus den Augen des jeweiligen Wesens ganz anders , als das durch von Filmen gezeigte und interpretierte Grauen zu sehen ist.

Wann jemand eine gute oder böse Tat begeht, ist meistens sehr differenziert und mit Abstand zu betrachten. In Überzeugung das richtige zu tun für sich und andere, oder unter Druck in Extremsituationen handeln zu müssen, lässt manchmal keinen anderen Ausweg zu, aber steht das Wohl des einzelnen über den von vielen?

Markus Heitz konnte schon mit seinem Zwergenepos ein großes Publikum für sich gewinnen, nur wenig später folgten „Ritus“ und „Sanctum“ in denen Wandler – Werwölfe das Sagen haben. Mit „Die Kinder des Judas“ verfolgte der junge Autor die Geschichte eines Vampirclans.

Inzwischen sind die Titel und der Name Markus Heitz eine feste Größe in der deutschen Fantasy. Nun ist aus der Feder des Autors ein neue Roman entstanden: „Blutportale“ und dieser Roman vermengt die Reihe Ritus/Sanctum mit „Die Kinder des Judas“ und fügt noch ein paar dunkle Figuren aus dem Reich des Mystery und des Horrors.

Inhalt

Saskia Lange ist eigentlich Chefköchin in einem noblem Restaurant in Hamburg, doch ihre eigentliche Berufung und ihre Leidenschaft ist das fechten. Diese Kampf- und Schwertkunst die schon ihr Vater ausübte, fordert ihr einiges ab. In diesem anonymen Club mit dem Namen „Union“, der strenge Regeln hat kämpfen zwei Kontrahenten bis zum Blut und manchmal auch bis zum Tod, obwohl es nicht das Ziel ist, seinen Gegnern zu töten. Es geht um die Ehre, die Würde und um weiter bis zur Spitze der Union aufzusteigen.

Anführer dieser Rangliste ist der geheimnisvolle und charismatische Maitre, der seit Jahren mit seiner außergewöhnlichen Fechtkunst jeden Gegner ohne Anstrengung im Kampf demütigt. Im Kampf gelingt es zwar Saskia ihren Gegner den Maitre zu verletzen, aber in Wut geraten zeichnet er Saskia mit blutigen Schnitten und die junge Frau weiß, dass sie solch einer Schwertkunst und Wut nichts entgegenbringen kann. Mit Panik und Todesangst gibt sie unter ihren Gegner liegend auf der Planche den Kampf als verloren.

Ihre Wunden schmerzen und werden von dem „Professor“ der Union behandelt und sie denkt schon wieder an eine Revanche. Aber zuerst muß sie auf die Party ihres Blumenhändlers den sie seit langem kennt – Will Gul.

Will ist zum Teil Inder und übt seinen Glauben an Shiva und Kali auch praktisch aus aber was ihn in bald zustoßen mag und mit was er konfrontiert wird, erschüttert nicht nur seine Religion sondern auch sein Weltbild. Er lebt in einer großen Hamburger Villa, die er für einen anonymen „Sir“ verwaltet. Als die Villa voll mit seinen Freunden und Geschäftspartnern und auch Saskai zugegen ist passiert schreckliches. Ungewollt öffnet die junge Frau eine rätselhafte Tür die seltsam verziert ist und lässt unabsichtlich einen Schutzgeist frei der die Besucher als Eindringlinge ansieht und ein Massaker anrichtet, dass nur Saskia und Will überleben.

Doch auch etwas, bzw. jemand wird durch das Portal geschleudert. Justine, eine Werwölfin die nach ihrem gewaltsamen Tod ihre Seele einen Dämon überließ. Nun wieder in ihrer physischen Gestalt ist es nicht mehr möglich kraft ihres Willens die Bestie in sich zu wecken, die ein großer Teil ihrer ganzen Persönlichkeit ist.

Saskia beginnt zu verstehen, der Kampf mit dem Maitre, oder Levantin wie er sich auch nennt, war kein Zufall und dieser kein normaler Mensch. Das Trio gerät zwischen den Fronten verschiedener Gruppen die alle auf der Suche nach verstreuten Artefakten keine Gnade und Menschlichkeit kennen. Sollten diese dämonischen Artefakte zusammengeführt werden, so könnte man das Portal zu einem besonders, grausamen Dämon öffnen und die Menschheit hätte nichts anderes zu tun als unterzugehen.

Ein Wettlauf durch Raum und Zeit beginnt und die Fronten verändern sich erneut, denn auch Will und Justine haben „nicht menschliche“ Kräfte“ und setzen sie manchmal etwas unkontrolliert ein, dabei sehen sie sich menschlichen und dämonischen Kräften ausgeliefert….

Kritik

Reicht es nicht das Menschen um die „Weltherrschaft“ bis aufs Blut kämpfen und sich vernichten? Müssen es jetzt auch noch Dämonen in diesem makabren Krieg teilnehmen?

In „Blutportale“ von Markus Heitz geht es diesmal deutlich actionreicher her, als in seinen anderen schon genannten Mystery- und Horrorthrillern. Doch Heitz weiß wie man „bildlich“ schreibt, er versteht sein blutiges Handwerk. Schon im Prolog bekommt der Leser einen blutigen ersten Eindruck und kann schon ahnen, wohin der Weg des Grauens führen mag.

Das Markus Heitz diesmal seine Protagonisten aus Ritus/Sanctum und Die Kinder des Judas in eine neuer Erzählung zusammenfasst, ist gewöhnungsbedürftig und fügt sich erst langsam ineinander. Aber dem Autor sind die charakterlichen Ideen nicht ausgegangen. Es gibt neue, bösere, intensivere die sich hier ein Stelldichein geben. Originell in jedem Fall und außergewöhnlich spannend.

Die Reise unserer „Helden“ ist im wahrsten Sinne des Wortes „bewegend“. Nicht nur Regional sondern auch zeitlich verschlägt es sie in die Vergangenheit, und manchmal auch in einer alternative Zukunft, und dass passiert, wenn Saskia sich ihrer besonderen Gabe nicht bewusst ist, oder sie nicht kontrollieren kann und alles aus dem Ruder läuft. Saskia ist eine oder die „Schlüsselgestalt“ in „Blutportale“ und sie ist nicht nur talentiert „materielle“ Räume zu öffnen, sie kann noch viel, viel mehr.

Es gibt zwei Handlungsstränge. Der erste lässt und zusammen mit Saskia, Will und Justine nach Artefakten unter Lebensgefahr suchen, denn immer wieder müssen die drei gegen eine vielzahl von dämonischen Angreifern kämpfen die ihnen alles Menschliche abverlangt. Saskia will sich an ihren ehemaligen Gegner den Maitre revanchieren, der sie verletzt und ihre Gabe anscheinend geweckt hat und Justine will ihr zweites altes Ego – die Bestie die in ihre wohnt, wieder rufen können. Tja und Will ist auch kein Zuschauer in diesem Drama, schließlich war es ja sein „Haus“ in dem der Schutzgeist dass Massaker angerichtet hat.

Im zweiten Handlungsstrang ist der Maitre auf der Suche, nicht unbedingt sind die dämonischen Relikte seine Motivation, nein, er will Saskia die für ihn ein besonderes Portal öffnen soll, nach ihr hat er Jahrtausende gesucht und nun die „Tür“ vor Augen sieht er sich seinen langersehnten Ziel sehr nahe.

Seine Person ist auch die tiefsinnigste und originellste und immer mal für Überraschungen gut. Das die „Menschen“ ihm gleichgültig sind und er genauso kalt und unnahbar wirkt ist am Ende der Romans verständlich. Wer seit Jahrtausenden auf der Welt wandelt die nicht sein zu Hause ist, kann verbittert und egoistisch reagieren.

Justine war in den Romanen „Ritus“ und „Sanctum“ eine Nebenfigur. Nun muß sie sich beweisen ohne auf ihre wandlerischen Fähigkeiten zurückgreifen zu können, doch auch ohne Klauen und Zähne ist sie eine beachtenswerte Gegnerin, alle Fähigkeiten hat sich noch nicht verloren und sich zwischen den Welten zu bewegen ist ihr förmlich ins Blut übergegangen.

Saskia wäre ohne ihre unfreiwilligen Freunde verloren, sie ist eine Einzelgängerin und wusste sich immer zu behaupten, aber bei dieser Gefahr sieht sie sich überfordert.

Spannend ist „Blutportale“ allemal. Obwohl die Spannung nicht von den Protagonisten kommt, sondern von den vielen, fast schon unzähligen Schauplätzen die für beide Handlungsstränge fast schon typisch sind. In der Mitte der Erzählung gibt es einige Längen die aber durch das auftauchen des geheimnisvollen Maitre/Levantin immer wieder relativiert werden können. Er ist ein (über)mächtiger Gegner, und meistens immer einen Schritt, so winzig er auch sein mag, voraus.

Im Roman gibt es nicht das klischeehafte Gut-Böse-Denken. Hinter jeder Gruppe und beinahe jedem Charakter verstecken sich aus der Beziehung heraus unterschiedliche Perspektiven. Moral und Ethik kann man sich hier nicht leisten, es bleib keine Zeit dazu und aus dramaturgischer Notwendigkeit, kann man sich auch kaum leisten. Die Atmosphäre des Buches ist durchweg pragmatisch zu sehen, es muß gehandelt werden und Verluste an Menschen sind mit in dieser Gleichung aufgenommen. Aufgrund der spannenden und abwechslungsreichen Handlung bleibt manchmal die Logik im Hintergrund, doch so atemberaubend die Geschichte voranschreitet fäll das kaum mehr auf. Die Dialoge sind spärlich gesehen, es gab in anderen Romanen faktisch mehr zu sagen, zu sehr entlädt sich hier die Gewalt der Protagonisten. Wenig Zeit für wichtige Dialoge, erst schießen, beißen, stechen und hauen und dann vielleicht reden.

Zum Ende von „Blutportale“ entfaltet sich die Geschichte in einem wahren Höhepunkt und ist wirklich extrem aufregend und spannend so dass alle erzählerischen Längen vergessen sind. Es endet wo es begonnen hatte, doch bleibt alles anders und wir wissen; „Blutportale“ war nur der Auftakt zu einer weiteren dunklen Saga.

Fazit.

„Blutportal“ von Markus Heitz ist anders als die schon von ihm geschriebenen Romane. Sehr positiv finde ich die realistische Atmosphäre in der Geschichte! Das Böse ist niemals wirklich abgrundtief „böse“, dass „gute“ niemals hell und rein, es gibt viele Schattierungen die uns vor Augen geführt werden und prophetisch, warnend erzählen, dass alles mehrere Perspektiven haben kann. Wer die drei anderen Romane mit Werwölfen und Vampiren gelesen hat, wird ebenso Gefallen an „Blutportalen“ finden, dass Herr Heitz allerdings einige Charaktere entliehen hat, mag erstmal merkwürdig sein und ich hoffe das bei einen ggf. zweiten Teil keine weiteren „alten“ Figuren reaktiviert oder belebt werden.

Das Actionfeuerwerk sucht auch seinesgleichen und neben dem spannenden Nervenkitzel gibt es eine Menge Rauch und Feuer, Gewalt und Kampf, aber auch Opfer und Verlust. Selbst die Liebe kommt nicht zu kurz, für wen sich der „Finder-Inder“ wie er öfters benannt wird, entscheidet, wird nicht verraten.

Für alle Fans mysteriöser und dunkler Gestalten ist „Blutportale“ ein „must read“ Titel. Es ist nicht sein bester Roman, da wenig Hintergrund erklärt wird und doch einiges offen bleibt. Mag sein für einen zweiten Teil, eine Fortsetzung, doch ist er in jedem Fall empfehlenswert und bietet spannende Unterhaltung.

Michael Sterzik




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