Sonntag, 16. November 2008

Von den französischen Musketieren, drei an der Zahl – Athos, Porthos, Aramis und dem vierten Neuankömmling D`Artagnan die alle aus der Feder Alexandre Dumas entsprangen, gibt es einige Geschichten und noch viel mehr Verfilmungen und Nebengeschichten in denen einer der vier eine Rolle spielt. In genauso vielen spielt Kardinal Richelieu gleich einem Marionettenspieler eine zentrale Rolle und lässt die vier Helden zum Wohle des Königreich Frankreichs leiden und bluten. Die vier Musketiere sind zwar Romanfiguren aber es gab sie wirklich, bzw. Vorbilder die oft namentlich gleich hießen. Richelieu hingegen war wirklich der Lenker und Denker Frankreichs, nicht unumstritten, aber gefürchtet, geachtet von Freund und Feind und ein großer Staatsmann seiner Zeit.

 

Die Musketiere waren Fußsoldaten, oftmals eine Elite und Berufssoldaten. Loyal und nur dem König, dem Land verpflichtet waren diese eindrucksvolle und gut ausgebildete Soldaten. Viele verdingten sich nach ihrer Dienstzeit als Söldner und standen im Dienst der Garde vom purpurtragenden Kirchenfürsten Richelieu.

Seine Garde, seine gedungenen Agenten waren oftmals Auftragsmörder oder gingen der Spionage nach. Ihre Befehle bekamen sie direkt vom Kardinal und dieser regelte seine Staatsgeschäfte oftmals ohne die offizielle Zustimmung des Königs. Im Jahre 1633 war Europa und seine Königreiche, Grafschaften, Baronessen und Herzogtümer zwar direkt verwandt, doch mehr nach waren sie zerstritten und wechselten oftmals jährlich den Herrscher, den König oder gar den Kaiser. Religionskriege waren unter dem Deckmantel kriegerischer Verbrechen geführt und Frankreich hatte mehr wie nur einen Feind, ihm gegenüber standen das Königreich England und Spanien und auch das Heilige Römische Reich war alles andere wie ruhig.

Mantel- und Degengeschichte um die Musketiere faszinierten schon immer viele Leser.

Der französische Autor Piere Pevel lässt seinen neuen Roman „Drachenklingen“ in genau diesem Genre spielen. Allerdings verbindet er seinen Historischen Roman mit einigen fantastischen Elementen, hier sind es geheimnisvolle Drachen.

 Inhalt

Frankreich 1633. Louis XIII ist zwar König dieses Landes, die Staatsgeschäfte und das politische Spielfeld überlässt er seinen Berater Kardinal Richelieu der im unruhigen Europa seiner Zeit Ränke schmiedet um Frankreich stärken soll.

Sorgen bereitet Richelieu die Anzeichen, dass eine mysteriöse Loge, die „Schwarze Kralle“ erneut zurückgekehrt und stärker denn je ist. Ihr konspiratives Netz durchdringt inzwischen ganz Europa und ihr Ziel ist es einzelne Länder beherrschen zu wollen. Allein Frankreich trotz den Intrigen und der Gefahr die nicht von Menschen komme. Die Mitglieder „Der Schwarzen Kralle“ sind Nachkommen eines uralten Drachengeschlechtes die die äußere Form von Menschen angenommen haben und ihre Magie bedroht ganze Regierungen und Königshäuser ins Chaos zu stürzen.

Richelieu plant einen Kontrakt mit Spanien um wenigstens im Rücken des Landes etwas Ruhe zu bekommen, doch die Verhandlungen gehen nur langsam voran und Spanien bitte um Hilfe. Ein sehr junger Adeliger aus dem Königreich Spaniens ist in der französischen Hauptstadt untergetaucht und soll gefunden und wieder zurückgebracht werden. Richelieu sieht für sich nur die Möglichkeit eine nur ihm unterstellte Spezialtruppe einzusetzen; Die Klingen des Kardinals werden noch einmal zusammengerufen um diesen Auftrag auszuführen.

Seit fünf Jahren sind die alten Kämpfer nicht zusammengekommen. Einige dienen in der Garde der Musketiere, andere hingegen arbeiten als Fechtlehrer in Paris oder leben in den Tag hinein. Doch von ihrer alten Kampfkraft und ihrer Loyalität haben sie nichts verloren und auf der Bitte die einem Befehl gleichkommt, sind sie bereit für Frankreich wieder zum Degen zu greifen. Doch die „Schwarze Kralle“ ist ein brutaler und einfallsreicher Gegner bei dem selbst die Veteranen der „Klingen“ nicht nur mit Stahl und Feuer, sondern auch mit List und Verstand kämpfen müssen….

Kritik

Pierre Pevel erweckt die Geschichte um Ehre, Verrat und Leidenschaft wieder zum Leben. „Drachenklingen“ ist so spannend wie die Spitze eines Degens und so scharf und actionreich wie der Titel es schon vermuten lässt.

Neben packenden Duellen, düsteren Verfolgungsjagden in den Straßen von Paris und vielen rasanten Kämpfen gibt es eine spannende Geschichte zu erzählen in denen die verschiedenen Protagonisten abwechselnd interagieren.

Ähnlichkeiten mit den drei, bzw. vier Musketieren sind nicht zu überlesen, ganze Charakterliche Merkmale und Eigenschaften wurden kopiert, z.B. der des rauflustigen, etwas heißspornigen Gascoigner. Neben Richelieu bei dem wie gewohnt alle Fäden zusammenlaufen trifft der Leser auf alte Bekannte wie z.B. Rochefort oder Treville der Hauptmann der Musketiere und sogar Athos taucht kurz auf, spielt aber in diesem Teil keine tragende Rolle. Obwohl man sich ziemlich schnell die Frage stellt warum die Protagonisten nicht gleich die vier Musketiere darstellen sollen?!

Es gibt nicht viele Nebenhandlungen und das tut dem Roman recht gut, so konzentriert sich das Drama um den Kreis der Klingen des Kardinals und ihren Gegnern, die Loge der „Schwarzen Kralle“. Diese ist eher noch symbolisch zu sehen, hier kämpfen keine Menschen mit dem Degen oder dem Schwert in der Hand gegen krallenbewährte, feuerspeiende Drachen, sondern nur gegen die Magie dieser Wesen.

Die Protagonisten werden schnell ins Spiel gebracht und über deren Vergangenheit und Laufbahn erfährt man in den darauffolgenden Seiten recht viel, obwohl noch viele Details in den nächsten Romanen geklärt werden könnten. Obwohl nicht viele Nebengeschichten abzweigen, so ist die Anzahl der handlungsrelevanten Personen recht groß gewählt und diese wechseln ihre Schauplätze und ihre Perspektiven wie das nicht zu vorhersehende Wetter. Doch die Spannung bleibt, nicht zuletzt wegen der vielen sehr detailreich geschilderten, actionreichen Kämpfe denen viel Raum gegeben wurde. Die Fantasy dagegen ist wohlweißlich gut proportioniert und wirkt eben wie Phantastische Geschichte wirken sollte, ohne dabei überzogen und lächerlich zu wirken. Die Figur des undurchschaubaren Richelieu drückt „Drachenklingen“ auch seinem Stempel auf, es gibt Intrigen, Verrat und auch Überraschungen die interessant und einfallsreich sind

Viel an historischen Elementen weist „Drachenklingen“ nicht auf, und auch die damalige politische Ebene bleibt bis auf wenige Ausnahmen im Schatten stehen. Von dieser Erwartungshaltung, dass weiß man nach wenigen Seiten, verabschiedet man sich recht schnell.

Fazit

Was bleibt? Eine spannende und actionreiche Geschichte die wohl der Auftakt, der erste Teil einer ganzen Reihe ist. Es hat Spaß gemacht „Drachenklingen“ zu lesen, besonders wer gerne Alexandre Dumas und seine Abenteuer rund um die Musketiere gelesen hat, wird von dem Werk begeistert sein.

Das Tempo des Romans ist schnell und manchmal kann es passieren, dass man den Überblick verlieren könnte, aber noch rechtzeitig schafft es sich der Autor zu mäßigen so dass man der Geschichte gut folgen kann. Ich bin gespannt auf die nächsten Teile, denn das Ende ist eines, dass ich überhaupt nicht vermutet habe, so das man, wenn es dem Leser gefallen hat, sofort zum zweiten Teil beim erscheinen greifen wird.

 Autor

Pierre Pevel, geboren 1968, ist einer der bekanntesten Fantasy-Autoren Frankreichs. Seine Romane wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet – unter anderem mit den renommierten Grand Prix de I `Imaginiaire. Mit Drachenklingen hat er bisher seinen größten Erfolg gelandet.

 

 

Keine Kommentare:

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...