Montag, 10. November 2008

Interview mit der Autorin von Nosferas und Lycana - Ulrike Schweikert


Michael Sterzik: Guten Tag Frau Schweikert. Ich freue mich, dass Sie sich die  Zeit nehmen, einige Fragen zu beantworten. Zuerst einige persönliche: Was gibt es über Sie als Mensch zu sagen? Was zeichnet Sie in Ihren Augen aus und was würden Sie als liebenswerten Marotten bezeichnen? Was mögen Sie, und was eher nicht?

Meine Marotten heißen Peramina und Covalin – nach den beiden Drachen in der Drachenkronentrilogie - . Es sind zwei Graupapageien, die mich seit elf Jahren begleiten und mir bei der Arbeit helfen. Ja, - neben meinem Mann – hänge ich sehr an meinen „Viechern“. Außerdem gehört zum täglichen Glück ein Ritt auf meiner Stute Chakira. Ich liebe es hier am Rande des Schwarzwalds zu leben. Die Ruhe und das Grün tun mir gut.

Michael Sterzik: Sie sind eine vielseitige Autorin und fühlen sich nicht nur im Genre „Historischer Roman“ wohl. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen? Was war das auslösende Ereignis?

Während meines Geologiestudiums gehörte ich einer Rollenspielgruppe an. Bald war ich Spielleiter und für die Abenteuer, durch die die Gruppe geschickt wird, verantwortlich. Ich begann, die Geschichten selbst zu schreiben. Daraus entstanden dann die ersten Romane der Drachenkronentrilogie. Allerdings fand ich damals noch keinen Verlag. Erst als ich den ersten historischen Roman geschrieben habe, hat es dann geklappt. Später konnte ich dann auch meine Fantasyromane unterbringen.

Michael Sterzik: Ich gratuliere zu den Erfolgen und zu Ihrer neuesten Buchreihe die eindeutig für junge Leser bestimmt ist – „Die Erben der Nacht“.

„Die Erben der Nacht“ soll für alle sein, die Vampire lieben, die große Geschichten mögen und auch gern in die Geschichte reisen. Diese Mal ins 19. Jahrhundert. Ich würde sagen, von 12 Jahren an aufwärts. Ich hoffe, dass sich auch viele Erwachsene für die Serie begeistern.

Michael Sterzik: Wie sieht Ihr Tagesablauf aus? Schreiben Sie jeden Tag und dann gleichzeitig an mehreren Projekten?

Ich nehme mir immer ein Projekt vor und bearbeite es so weit, wie es in meiner Hand liegt, also bis der von mir fertige Text dem Verlag übergeben wird. Ich versetzte mich so in die Geschichte, dass ich an andere Dinge nicht mehr denken kann. So fällt es mir auch schwer, wenn dann der Rücklauf aus dem Lektorat kommt und ich bereits an einer neuen Geschichte arbeite, mich noch einmal auf den vorherigen Text einzulassen. Aber das geht nicht anders. So lange kann ich nicht warten, bis ich mit einem neuen Buch anfange. Ich habe so viele Verträge für die verschiedenen Genre, dass ich nur fertig werden kann, wenn ich jeden Tag mein Pensum arbeite, was heißt 10 Seiten oder 8-10 Stunden in der Recherche oder Nachkorrektur.

Michael Sterzik: Was reizt Sie an meisten, dass Genre „Historik“, „Krimi“ oder „Fantasy“?

Die Historik ist sehr anstrengend. Es ist viel Forschungsarbeit im Vorfeld nötig – ich nehme mit sechs Monate für jeden Roman. Das heißt, ich bin ein Jahr mit einem Thema beschäftigt. Danach ist ein Krimi oder Fantasy Erholung und Abwechslung, bevor ich mich wieder in ein historisches Thema stürzen mag. So brauche ich beides. Die Abwechslung ist das Reizvolle.

 

Michael Sterzik: Was mir sehr positiv auffällt ist, dass Sie egal wo Sie sich literarisch bewegen viel Wert auf recherchierte Fakten legen! Haben Sie das in den Anfängen Ihrer schriftstellerischen Karriere vermutet, oder sind Sie generell an Geschichte interessiert?

 

Ich habe gerne historische Romane gelesen, doch das wissenschaftliche Arbeiten habe ich während des Studiums gelernt und auch lieben gelernt. Es macht mir Spaß, die Details zusammenzusuchen und daraus ein buntes Ganzes zu erstellen. Da ist es auch egal, ob es sich um ein geologisches Thema, etwas Geschichtliches oder Hintergrundwissen zur Arbeit der Rechtsmedizin für einen Krimi handelt. Die Art der Arbeit bleibt gleich.

 

Michael Sterzik: In Nosferas und auch in Lycana spielen junge Vampire aus verschiedenen Regionen Europas die Hauptrolle und auch wenn sie als untot gelten, so erleben wir sie erfrischend „menschlich“.  Wußten Sie von Anfang an wie die Charaktere aussehen sollten?

 

Ich arbeite gedanklich schon mehrere Jahre an dieser Serie, doch damals waren Vampire noch nicht zu verkaufen. Daher hatte ich lange Zeit, die Charaktere auszubauen. Sie sind gewachsen, und als es dann endlich losging, waren sie mir schon sehr vertraut und lebendig.

Michael Sterzik: Warum lassen Sie ihre Vampire in der Vergangenheit agieren?

Ich wollte schon immer mal eine Geschichte im 19 Jahrhundert spielen lassen, doch für den historischen Roman ist diese Zeit von den Verlagen nicht gefragt. So war es für mich verlockend, die Geschichte Europas zu Beginn der Moderne als Hintergrund für die Vampire zu nehmen. Ich finde diese Zeit bietet ein enormes Spannungsfeld zwischen dem Alten und Überlieferten und dem Aufbruch ins Industriezeitalter. Heute sind wir von den alten Werten schon zu weit abgerückt und die Moderne überwiegt mir für meinen Geschmack zu sehr.

Michael Sterzik: Es gibt inzwischen unzählig viele Vampirgeschichten die für Kinder- und Jugendliche erschienen sind! „Die Erben der Nacht“ umfasst inzwischen zwei Bände, wie viele wird es noch geben und wird sich die Geschichte einen Höhepunkt nähern, der letztlich im letzten Band seinen Höhepunkt erreicht wird?

 Es werden fünf Bände. Band drei ist nun fertig. Er spielt in Hamburg und Paris. Im vierten Band reisen die Vampire zu den Dracas nach Wien und der letzte Band findet in London seinen Höhepunkt. Neben den abgeschlossenen Abenteuern in jedem Band, baut sich noch eine zweite Handlung im Hintergrund auf, deren Lösung es am Ende in London geben wird.

Michael Sterzik: In welcher Figur Ihrer Vampire finden sie sich wieder? Oder haben sie reale Figuren mit ihren charakterlichen Merkmalen als Vorbild genommen? Ich denke da an Freunde oder Verwandten!

Nein, so direkt sind die Zusammenhänge nicht. Ich denke, am ähnlichsten ist mir Alisa mit ihrer Wissbegierde. Ich wollte auch immer allem auf den Grund gehen, dennoch habe ich mich nicht als Streber gefühlt – was mir natürlich dennoch nachgesagt wurde.

Michael Sterzik: Großartig finde ich, dass Sie augenzwinkernd historische Persönlichkeiten in ihren Vampirromanen eine Nebenrolle spielen lassen! Wie sind Sie denn auf diese interessanter Idee gekommen, die nicht nur spannend und lehrreich sind, sondern auch lustig sein können?!

„Die Erben der Nacht“ sollen eben keine reinen Jugendbücher sein. Sie sollen für jede Altersklasse etwas haben. Die Jüngeren werden sich sicher mehr auf die Abenteuer der Vampire stürzen, und für die Älteren gibt es diese „Schmankerl“. Ich bin auch für die nächsten Bände immer auf der Suche nach passenden Geschichtchen. Ich habe immer so viel Spaß bei der Recherche, wenn ich auf lustige und skurrile Anekdoten stoße. Diese Lust an der kleinen Geschichte möchte ich weitergeben.

Michael Sterzik:  Gehen wir ein wenig zurück und widmen wir uns den Historischen Romanen. „Die Tochter des Salzsiedlers“ wurde als Theaterstück aufgeführt. Waren Sie maßgeblich an diesem Projekt beteiligt? Wie zufrieden sind Sie mit der Umsetzung?

Ich habe „Die Tochter des Salzsieders“ und „Das Jahr der Verschwörer“ selbst dramatisiert. Allerdings unter Beratung des Regisseurs Gerd Bauer, da das Neuland für mich war. Ich musst erst lernen, loszulassen und die Theaterstücke als eigene Werke zuzulassen, dann hat es viel Spaß gemacht, im Gegensatz zu der einsamen Arbeit beim Schreiben mit den Schauspielern das Entstehen des Stückes zu erleben und dann die Reaktion des Publikums bei der Uraufführung. Das war ein sehr bewegender Moment. Die Umsetzung in Leofels hat mir bei beiden Stücken gut gefallen.

Michael Sterzik: Welche Buchprojekte planen Sie noch? Was würde Sie reizen an Epochen oder Figuren?

Die nächsten sechs Projekte stehen fest. Es wird eine Fortsetzung zu „Die Dirne und der Bischof“ geben. Es war von Anfang an als Doppelband geplant. Dann die letzten beiden Bände von „Die Erben der Nacht“ und die Vorgeschichte des Vampirs Peter von Borgo, der in „Der Duft des Blutes“ und „Feuer der Rache“ sein Unwesen treibt. Die weiteren Ideen habe ich auch schon, aber darüber möchte ich noch nicht reden. Was mich für den historischen Roman noch sehr reizt, ist der 30jährige Krieg oder das ganz frühe Mittelalter zurzeit Karl des Großen.

Michael Sterzik: Welcher eigener Roman liegt Ihnen besonders am Herzen?

Schwierig. Das ändert sich auch immer wieder. Momentan schlägt mein Herz für meine jungen Vampire in „Die Erben der Nacht“.

Michael Sterzik: Jetzt wo Sie selbst Romane schreiben, sind da skeptischer, aufmerksamer geworden wenn Sie selbst zu einen Buch greifen?

Ja, das läst sich nicht vermeiden, obwohl ich natürlich mich beim Lesen in der Freizeit mich gern einfach in eine Geschichte fallen lasse. Das heißt aber auch, dass sie so rund und fesselnd sein muss, dass mir das mühelos gelingt. Was mich ärgert ist, wenn Geschichten schlecht recherchiert sind und mir das auch als Laie für ein Thema störend ins Auge springt.

Michael Sterzik: Was und welchen Autor lesen Sie besonders gerne? Haben Sie sich durch andere Autoren inspirieren lassen?

Ich habe immer mal wieder Lieblingsautoren, die ich zum Zeitvertreib lese – Elizabeth George oder Tess Gerritsen. Ich habe alle Harry Potter verschlungen, die Bartimäusbücher gelesen und mag die beiden Krimi von Simon Beckett. Inspiriert bin ich eher von „Der Name der Rose“, ein phantastisches Werk, und immer wieder nehme ich mit Oscar Wilde vor und genieße seine Sprache, die einfach wundervoll ist. Und ich liebe Bram Stokers „Dracula“. „Die Erben der Nacht“ ist auch eine Hommage an den Meister des Vampirromans.

Michael Sterzik: Und abschließend: Wenn der Mensch Ulrike Schweikert drei Wünsche an die Zukunft frei hätte, welche wären das?

Mit meinem Mann und meinen Tieren zusammen glücklich alt werden dürfen und noch lange meine Geschichten schreiben, an der eine wachsende Leserschaft J ihre Freude hat.

Michael Sterzik: Frau Schweikert, ich bedanke mich, dass Sie sich für das Interview so viel Zeit genommen haben.





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